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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Aurai - Aurengzib.

mentlich einem epileptischen Anfall, auch zuweilen einem Blutsturz als Vorboten vorherzugehen pflegen; auch s. v. w. Gunst: a. popularis, Volksgunst.

Aurai (Ahurei), Hafen, s. Oparo.

Aurantia (Kaisergelb), ein Teerfarbstoff, welcher aus dem Ammoniaksalz des Hexanitrodiphenylamins besteht, bildet ein ziegelrotes Pulver, löst sich in Wasser und färbt Seide, Wolle und Leder prachtvoll gelb. Leider übt A. auf die Epidermis mancher Individuen einen starken Reiz aus und erzeugt Exantheme, ähnlich wie Brechweinsteinsalbe oder Krotonöl. Nach andern Angaben ist der Farbstoff nicht giftig. Man benutzt ihn hauptsächlich zum Färben von Leder. Vgl. Gnehm, über Derivate des Diphenylamins (Zür. 1875).

Aurantiaceen, dikotyle, etwa 60 Arten umfassende, vorwiegend im tropischen Asien einheimische Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Hesperiden, Holzpflanzen mit zusammengesetzten, bisweilen auf das Endblättchen reduzierten Blättern und regelmäßigen Blüten, zehn bis vielen, oft mono- oder polyadelphischen Staubblättern und einem 2-20gliederigen Ovar, das sich bei der Reife zu einer berindeten Beere entwickelt (vgl. Oliver, The natural order Aurantiaceae, im "Journal of the Linnean Society", Bd. 5). Die Rinde der Zweige, die Blätter, desgleichen die Blütenteile und die Fruchtschalen sind mit zahlreichen punktförmigen Drüsen versehen, welche ätherisches Öl enthalten. Den Hauptnutzen gewähren sie durch ihre saftigen, an Zitronensäure, Zucker und ätherischem Öl reichen Früchte (Zitronen, Pomeranzen). Die Schale der Zitrone und Pomeranze und von letzterer auch die Blüten und Blätter werden medizinisch benutzt.

Aurantia immatūra, unreife Pomeranzen.

Auras, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Wohlau, rechts an der Oder, mit altem Schloß, evangelischer und kathol. Kirche und (1880) 916 Einw.

Auray (spr. oräh), Hafenstadt im franz. Departement Morbihan, Arrondissement Lorient, am gleichnamigen Fluß und Meerbusen und an der Eisenbahn Nantes-Brest, mit (1876) 4335 Einw., welche Schiffbau, Gerberei, etwas Handel, Sardinenfang und Austernzucht treiben. Dabei das ehemalige Kartäuserkloster Brech, jetzt Taubstummenanstalt, mit einer Sühnkapelle zum Gedächtnis der hier 1795 füsilierten 900 Emigranten und schönen Reliefs von David d'Angers. 3 km nördlich liegt der berühmte Wallfahrtsort Ste.-Anne d'A. mit einer 1877 vollendeten schönen Renaissancekirche, deren Turm die Statue der Heiligen krönt. In der Nähe 24. Sept. 1364 Sieg Johanns von Montfort über Karl von Blois, welcher den 23jährigen Krieg um die Bretagne entschied.

Aurelianus, Lucius Domitius, röm. Kaiser 270-275 n. Chr., geboren zu Sirmium in Pannonien, von niedriger Herkunft, hatte sich durch seine Tüchtigkeit zu den höchsten Stellen im römischen Heer emporgearbeitet, wurde 270 von den Truppen in Sirmium zum Kaiser ausgerufen, führte zuerst an der Donau Krieg gegen die Goten, die er aus der Provinz Mösien diesseit der Donau vertrieb, wogegen er ihnen das jenseits gelegene Dacien überließ, dessen Namen er auf Mösien übertrug; dann brachte er den Alemannen und Markomannen, die bis nach Italien vorgedrungen waren, wiederholte Niederlagen bei, und nachdem er hierdurch die Grenzen an Donau und Rhein gesichert hatte, unternahm er 271 den Feldzug gegen Zenobia, welche nach dem Tod ihres Gemahls Odenathus das palmyrenische, Syrien, Ägypten und einen großen Teil Kleinasiens umfassende Reich selbständig beherrschte. Er schlug diese bei Antiochia und Emesa, eroberte Palmyra und nahm Zenobia gefangen, die hierauf in dem glänzenden Triumph aufgeführt wurde, den er 274 feierte. Auch zwei andre Gegenkaiser, Firmus in Ägypten, Tetricus in Gallien, wurden, jener durch Gewalt der Waffen, dieser durch freiwillige Unterwerfung, beseitigt. Er unternahm hierauf einen Feldzug gegen den Perserkönig, wurde aber Anfang 275 auf dem Marsch zwischen Byzanz und Herakleia von Verschwornen ermordet, die von seinem Schreiber Mnestheus durch Betrug gegen ihn angestiftet worden waren. Er wird mit Recht als Wiederhersteller des Reichs gepriesen, und nur seine allzu große, nicht selten in Härte und Grausamkeit ausartende Strenge wird hier und da getadelt. Von seinen Friedenswerken ist besonders die von ihm 271 begonnene und nach ihm benannte Mauer zu erwähnen, durch die er (ein bedenkliches Zeichen der Zeit) Rom gegen auswärtige Feinde schützen wollte.

Aurelius, Victor, röm. Geschichtschreiber, s. Victor.

Aurelle de Paladines (spr. oräl d' paladihn), Louis Jean Baptiste d', franz. General, geb. 9. Jan. 1804 zu Malégieux (Lozère), in St.-Cyr gebildet, trat 1824 als Unterleutnant in ein Infanterieregiment und diente 1841-54 mit einer kurzen Unterbrechung 1849, wo er den Feldzug gegen Rom mitmachte, in Algerien, wo er zum Lohn dafür, daß er 1852 zuerst das Kaiserreich proklamierte, zum Brigadegeneral befördert wurde. Während des Krimkriegs befehligte er eine Brigade vor Sebastopol, ward 1855 Divisionsgeneral und kommandierte 1859 in Marseille. Im J. 1869 zur Reserve versetzt, erhielt er erst nach dem Tag von Sedan durch die republikanische Regierung wieder ein Kommando und wurde, nachdem er eine Zeitlang in Marseille befehligt, an die Spitze der neu zu bildenden Loirearmee gestellt. Mit Umsicht und Energie organisierte er diese und ging nordwärts zum Entsatz von Paris vor, drängte 9. Nov. 1870 den bayrischen General v. d. Tann bei Coulmiers zurück, weigerte sich aber, vor vollendeter Reorganisation der Armee auf Paris vorzudringen, und ward vom Prinzen Friedrich Karl von Preußen Anfang Dezember unter schweren Verlusten nach Orléans zurückgeworfen, das er schließlich auch räumen mußte. Obwohl an dieser Niederlage Gambetta durch sein eigenmächtiges Eingreifen in die militärischen Operationen wesentlich schuld trug, wurde doch allein A. für das Unglück verantwortlich gemacht und 6. Dez. seines Kommandos enthoben. Er lehnte im Januar 1871 das ihm angetragene Kommando des Lagers von Cherbourg ab, ward in die Nationalversammlung gewählt, sprach hier für den Frieden und gehörte der Kommission an, welche die Präliminarien zu stande brachte. Anfang März 1871 befehligte er die Nationalgarde des Seinedepartements, seit dem Frieden die 14. Territorialdivision zu Bordeaux. Im J. 1876 in den Senat gewählt, starb er 17. Dez. 1877 in Versailles. Er schrieb zu seiner Rechtfertigung: "Campagne de 1870-71; la première armée de la Loire" (Brüss. 1872; deutsch, Braunschw. 1874-1875, 2 Bde.).

Aurengzib ("Zierde des Throns"), Beherrscher Indiens (Großmogul) 1658-1707, geb. 20. Okt. 1619, der dritte Sohn des Schahs Dschahan, ward vom Vater mit dem Kommando im Dekhan betraut, überwand im siegreichen Kampf seine Brüder,