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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Aureole - Auriga.

brachte seinen Vater in seine Gewalt und maßte sich noch bei dessen Lebzeiten (1658) die kaiserliche Gewalt an. Seine Residenz schlug A. in Dehli auf. Das Reich der Großmoguls in Indien erreichte unter ihm seine größte Ausdehnung. Durch seine ganze Regierung zieht sich der Krieg gegen das Dekhan, wo der Marathe Siwadschi ein mächtiges Reich gegründet hatte. Zeitweise trug A. den Sieg davon, aber zu einer Beilegung der Kämpfe kam es nicht. Im J. 1687 gebot A. aber die ganze vordere Halbinsel zwischen den Küsten von Koromandel und Malabar und zwischen dem 8. und 35.° nördl. Br.; seine Schätze grenzten an das Märchenhafte. Mit schrecklichem Fanatismus verbreitete er den Islam und bedrückte Andersgläubige; die Steuern schraubte er empor auf ein Einkommen von 1600 Mill. Mk. Er zog Gelehrte an seinen Hof, sammelte Bibliotheken und gründete allenthalben Schulen; besonders liebte er Architektur und Poesie. Einfach in seiner Lebensweise, eifrig in Erfüllung seiner hohen Pflichten, liebte er die Pracht und das Außerordentliche.

Aureōle (vom lat. aurum, "Gold"), Strahlenkrone, Heiligenschein; nach Thomas von Aquino eine besondere Auszeichnung der Märtyrer und Heiligen im ewigen Leben. Vgl. Glorie.

Aureŏlus, Gajus, Gegenkaiser des röm. Kaisers Gallienus, einer der sogen. Dreißig Tyrannen, von den Legionen der mittlern Donau 261 n. Chr. zum Kaiser erhoben, besiegte 262 die beiden Gegenkaiser Macrianus, Vater und Sohn, schloß 267 Frieden mit Gallienus, mit dem er den Posthumus in Gallien besiegte, wurde aber 268 von diesem an der Adda bei Pons Aureoli (Pontirolo) besiegt, in Mailand belagert und, nachdem Gallienus, wie es heißt auf sein Anstiften, ermordet worden, von dessen Nachfolger Claudius genötigt, sich zu ergeben, und getötet.

Aurêsgebirge (Dschebel Aurês), Teil der innern Kette des Atlas (s. d.) im östlichen Algerien, steigt in seinen höchsten Gipfeln, Scheliah und Mahmel, zu 2328 und 2306 m Höhe an.

Aurĕus, altröm. Goldmünze, von Cäsar eingeführt, im Gewicht von 1/40 Pfd. Gold = 25 Denare = 100 Sesterzien = 22,83 Mk. In der Folge sank das Gewicht immer tiefer, so daß es bereits unter Mark Aurel 1/42 Pfd. (= 21,75 Mk.), unter Caracalla nur 1/50 Pfd. (= 18,27 Mk.) betrug. Seit Konstantin hieß der A. Solidus (s. d.). S. Tafel "Münzen des Altertums", Fig. 16.

Aurich, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks (bis 1884 Landdrostei, s. unten) in der preuß. Provinz Hannover, liegt fast in der Mitte von Ostfriesland, auf einem wohlkultivierten Sandboden, ringsum von Gärten und Gehölzen umgeben, an der Linie Georgsheil-A. der Preußischen Staatsbahn, steht mit Emden durch einen Kanal in Verbindung, hat 1 lutherische, 1 reformierte und 1 kath. Kirche, 1 Methodistenkapelle, 1 Synagoge, 1 Gymnasium, Schullehrerseminar, Krankenhaus ("Reilstiftung"), Damenstift ("Sethestift") und (1880) 5390 Einw., darunter 381 Katholiken und 377 Juden (1 Bataillon Nr. 78). A. ist Sitz der Regierung, eines Konsistoriums, eines Landgerichts und der ostfriesischen Landschaft. In hohem Ruf stehen die Pferdemärkte und neuerdings auch die Bierbrauerei von A. An Stelle der alten Festungswälle sind schöne Spazierwege eingerichtet worden. Bei dem nahen Dorf Rahe ist der berühmte Upstallsboom, der Schwur- und Freiheitshügel, wo sich jedes Jahr um Pfingsten die Abgeordneten der sieben friesischen Seelande versammelten, um zu beraten. - A. war ursprünglich ein Dorf, Lambertushof genannt, ist aber schon um 1059 als Aurica, um 1397 als Aurikeshove nachzuweisen. Damals lag es mitten im Wald und ward oft Jagdaufenthalt der Häuptlinge, dann der Grafen von Ostfriesland; zur Residenz derselben wurde es erst zu Anfang des 17. Jahrh. erwählt. Nach dem Aussterben der Cirksena nahm 1744 Preußen von A. Besitz, worauf es seit 1809 holländisch, dann seit 1810 französisch war; 1815 ward es an Hannover abgetreten, nach dem Krieg von 1866 aber von Preußen wieder in Besitz genommen. Vgl. Wiarda, Bruchstücke zur Geschichte der Stadt A. (Emd. 1835).

Der gleichnamige Regierungsbezirk (s. Karte "Hannover"), das alte Fürstentum Ostfriesland und das Harlingerland umfassend, ist 3109 qkm (54,7 QM.) groß mit (1880) 211,652 Einw., darunter 6921 Katholiken u. 2671 Juden, u. zerfällt in die sieben Kreise A., Stadt- und Landkreis Emden, Leer, Norden, Weener, Wittmund. Der Landgerichtsbezirk A. umfaßt die neun Amtsgerichte zu A., Berum, Emden, Esens, Leer, Norden, Weener, Wilhelmshaven und Wittmund.

^[Abb.: Wappen von Aurich.]

Aurichalcīt, Mineral aus der Ordnung der Karbonate, tritt in kleinen Zusammenhäufungen nadelförmiger Kristalle, mit Brauneisenstein und Kalkspat verwachsen, auf, ist spangrün, durchscheinend, mit Perlmutterglanz, Härte 2, besteht aus 46 Zinkoxyd, 28 Kupferoxyd, 16 Kohlensäure, 10 Wasser. Es kommt in Sibirien und im Altai vor.

Aurichalcum, s. v. w. Messing.

Auricŭla (lat.), die Ohrmuschel; das Herzohr.

Aurifaber, 1) Johann, geb. 1517 zu Breslau, ward 1550, von Melanchthon empfohlen, Pfarrer und Professor der Theologie zu Rostock; 1554 Präsident des samländischen Konsistoriums, hier für Beilegung der Osianderschen Streitigkeiten wirksam, Verfasser der mecklenburgischen Kirchenordnung von 1557, Mitarbeiter an der preußischen von 1558; starb 1568 als Prediger, Schul- und Kircheninspektor in Breslau.

2) Johann (eigentlich Goldschmidt), geboren um 1519 in der Grafschaft Mansfeld, ward 1545 Luthers Famulus, 1551 Hofprediger in Weimar, 1561 infolge der dogmatischen Streitigkeiten seiner Stelle entsetzt, 1566 Prediger in Erfurt, wo er als Senior des evangelischen Ministeriums 1575 starb. Er gab zwei Bände von Luthers Briefen und dessen "Tischreden" (1569 u. öfter) heraus.

Auriflamma (Auriflammĕum, lat.), s. v. w. Oriflamme; s. Fahne.

Aurīga (lat.), Wagenlenker, besonders Wettfahrer in den circensischen Spielen der alten Römer. Sie trugen eine kurze Tunika in der Farbe ihrer Partei (vgl. Circensische Spiele) und führten außer der Peitsche ein kurzes Messer, um im Fall des

^[Abb.: Wagenlenker (Statue Rom).]