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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ausstellung des Sakraments; Ausstellungen

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Ausstellung des Sakraments - Ausstellungen.

Ausstellung des Sakraments, die in der katholischen Kirche namentlich bei feierlichen Gebetsakten übliche feierliche Ausstellung der Hostie auf dem Hochaltar. Dieselbe ist erst seit dem Ende des 13. Jahrh. gleichzeitig mit dem Fronleichnamsfest in den kirchlichen Kultus eingeführt.

Ausstellungen nennen wir die Darstellungen der gewerblichen und künstlerischen Thätigkeit eines Landes oder mehrerer Länder durch Vorführung der in dem vertretenen Gebiet erzeugten Produkte. Je nach der sachlichen, örtlichen und zeitlichen Ausdehnung der A. unterscheidet man allgemeine und Spezialausstellungen (bei letztern Beschränkung auf bestimmte Gebiete der Wirtschaft, des Verkehrs, der Kunst, des Unterrichts etc.), periodische und permanente A. (letztere unterscheiden sich von Sammlungen und Museen im wesentlichen dadurch, daß die ausgestellten Gegenstände von Zeit zu Zeit durch neue ersetzt werden), Bezirks-, Landes- und Weltausstellungen. Alle diese A. haben in der neuern Zeit dadurch an Bedeutung gewonnen, daß auf denselben nicht allein fertige Produkte, sondern auch die aufeinander folgenden Stadien der Verarbeitung und der Verarbeitungsprozeß selbst dem Publikum vorgeführt werden. Auch ist man mehr bemüht, durch geeignete Gruppierung der Gegenstände möglichst eine Übersicht über die gesamte wirtschaftliche und Kulturentwickelung eines Landes, gleichzeitig aber auch eine solche über die gleiche Industrie verschiedener Länder zu bieten. Am vollständigsten ließe sich dieses Ziel durch fächerweise Anordnung erreichen. Die Praxis der A. ist freilich von der Verwirklichung dieses Ideals wegen der großen derselben entgegenstehenden Schwierigkeiten weit entfernt. Da die A. viel Mühe, Zeit und Geld kosten, und da dieselben doch dem Publikum jeweilig neue Entwickelungsstadien vorführen sollen, so dürfen sie am gleichen Ort nicht zu häufig wiederkehren. Die zulässige Dauer der Wiederkehr hängt im wesentlichen von Art und Umfang der A. ab. Näheres über Arrangement, Licht- und Schattenseiten der A. etc. vgl. in dem unten angeführten Werk von Exner. Solche A. sind wesentlich neuern Datums. Das klassische Altertum kannte und brauchte sie auch nicht. Das christlich-germanische Mittelalter brachte zur Schaustellung vorzugsweise Novitäten, namentlich aber Gegenstände religiöser Verehrung. Die Klosterschulen veranstalteten schon früh A. der Arbeiten ihrer Zöglinge, die Zünfte von Meisterstücken. Vornehmlich entwickelten sich aber die A. aus den Warenlagern und Schaustellungen der Messen und Märkte heraus; sie haben bei der fortwährenden Abnahme dieser letztern stetig an Wichtigkeit und Umfang zugenommen. Ihrem Wesen nach waren solche A. zuerst ausschließlich Industrieausstellungen; jedoch fing man gleichzeitig auch an, künstlerische Leistungen auszustellen, wozu namentlich die Malerei Veranlassung gab, deren Werke nicht so häufig an allgemein zugänglichen Plätzen zu finden sind. Damit entstanden die Kunstausstellungen (s. d.), und diese beiden vereint bilden heute den Kern des gesamten vielseitig ausgebildeten Ausstellungswesens. Öfters selbständig auftretend, zuweilen mit jenen vereint erscheinen die landwirtschaftlichen A., Maschinen-, Blumenausstellungen u. a.; in allerneuester Zeit hat man mit Erfolg einzelne neue Gebiete zu kultivieren versucht, so durch die Fischereiausstellung in Berlin, Ausstellung der Wollindustrie in Leipzig u. a. Diesen Bestrebungen gegenüber, welche den Zweck verfolgen, zur Nachahmung anzuregen und zu belehren, sind solche Schaustellungen wie die von Hunden oder gar von Kindern, die lediglich oder hauptsächlich zur Unterhaltung des Publikums dienen, nur ausnahmsweise mit dem Namen A. belegt worden.

Die erste Industrieausstellung wurde 1756 und 1757 durch die Society for the promotion of arts, manufactures and commerce in London veranstaltet. Auf deutschem Boden fand die erste eigentliche Gewerbeausstellung 1791 zu Prag statt; sie sollte den Umfang und den Stand der Industrie des Königreichs Böhmen zur Anschauung bringen. Die nächste Ausstellung eröffnete Paris 1798, ihr folgten ebenda die von 1801, 1802, 1806, 1819, 1823, 1827, 1834, 1839, 1844 und 1848. Bei der letzten war die Zahl der Aussteller auf 5494 gewachsen. Inzwischen waren an zahlreichen andern Orten A. veranstaltet worden, in Deutschland: zu Kassel, München, Dresden, Berlin, Breslau, Leipzig, Hannover, Darmstadt, Nürnberg, zum Teil zu wiederholten Malen; indes blieben dieselben auf engere Kreise beschränkt. Die erste gemeinsame deutsche Industrieausstellung fand 1842 zu Mainz statt; weit großartiger aber gestaltete sich die im nächsten Jahr in Berlin eröffnete, wo sich in dem zum Ausstellungsraum erwählten Zeughaus 3040 Aussteller (75 aus Österreich) zusammenfanden. In Wien, wo schon 1835 und 1839 kleinere A. stattgefunden hatten, beteiligten sich 1850 gegen 2000, in Leipzig 1850: 1414 Aussteller. Alle diese A. waren indes nur auf das eigne Land beschränkt.

Die Weltausstellungen 1851-1878.

London 1851. Schon im J. 1845 hatte sich in London aus der dortigen Society of arts heraus eine Kommission für eine großartige Ausstellung der Produkte des Vereinigten Königreichs gebildet. Dieser Plan wurde durch den Prinzen Albert zu einem alle Völker der Erde umfassenden erweitert und nach Überwindung mancher Schwierigkeit 1851 zur Ausführung gebracht. Dies war somit die erste Weltausstellung. Anfangs hatte man dem Unternehmen selbst in England große Gleichgültigkeit gezeigt, aber dennoch betrug die Zahl der Aussteller 17,062, von denen auf England mit Kolonien 7387, auf Frankreich 1710, auf Preußen 872, Sachsen 190, Württemberg 109, Bayern 99, auf Österreich 731, Nordamerika 499 kamen. Die deutsche Industrie glänzte besonders durch Buchdruck, Steindruck, Typengießerei, Instrumente, Glaswaren, Porzellan, überhaupt solche Produkte, bei denen Kunstgeschick und tüchtige Schulbildung Hauptfaktoren sind. Neu und großartig wie die Ausstellung selbst war das zu ihrer Aufnahme bestimmte Gebäude, der sogen. Kristallpalast, von Paxton ganz aus Glas und Eisen errichtet, ein Ausstellungsobjekt in sich selber, das ganz neue Wege zur Benutzung dieser beiden Materialien zeigte. Die finanziellen Ergebnisse der Ausstellung waren sehr günstig: den Ausgaben von 339,334 Pfd. Sterl. standen Einnahmen von 512,632 Pfd. Sterl. gegenüber, mithin ergab sich ein Überschuß von 173,298 Pfd. Sterl. Die Zahl der Besucher belief sich auf über 6 Mill. Vgl. den "Offiziellen Bericht des Zollvereins" (Berl. 1852-53, 3 Bde.).

Auf diese erste Weltausstellung folgte 1853-54 die Industrieausstellung aller Nationen in New York, eine Bezeichnung, welche sich in der Folge als keineswegs gerechtfertigt erwies, indem außer den Vereinigten Staaten selber sich nur England, Frankreich, die Schweiz, der Deutsche Zollverein, Belgien, Holland, Österreich, Italien, Skandinavien, Westindien und Kanada mit ca. 7000 Ausstellern beteiligten. Nahezu ebenso stark (6588 Aussteller) war