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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Avesnes; Avesta; Aveyron; Avezac de Castera Macaya; Avezzāna

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Avesnes - Avezzana.

Guanolager halber von Venezuela in Besitz genommen. - Eine andre kleine und unbewohnte Insel A. (Bird Island) liegt im Karibischen Meer, 200 km westlich von Guadeloupe, und wird gelegentlich von Vogelfängern und Eiersuchern besucht.

Avesnes (spr. awähn), Arrondissementshauptstadt und Festung im franz. Norddepartement, an der Helpe und der Nordbahn, südöstlich von Lille, hat (1881) 5468 Einw., welche Fabrikation von Tuch und Seide, Salzraffinerie, Brauerei und lebhaften Handel mit Holz, Marmor, Ziegeln, Schiefer und Käse betreiben. Im Mittelalter bildete A. eine Grafschaft, die mit Hennegau durch Erbschaft an Burgund, dann an das Haus Habsburg und 1659 im Pyrenäischen Frieden durch Abtretung an Frankreich fiel. Ludwig XIV. ließ die Festungswerke durch Vauban neu herstellen; ihre Hauptstärke erhalten sie durch Überschwemmungen der Helpe. Am 21. Juni 1815 ward A. von den Preußen beschossen und mußte schon nach sechs Stunden kapitulieren.

Avesta (pers.), s. Zendavesta.

Avesta (Avestad), Flecken im schwed. Län Kopparberg, am Dalelf und einem Zweig der Nordbahn Krylbo-Borlänge, hatte früher ein Kupferwalzwerk, jetzt Eisenindustrie (zwei Hochöfen, Eisenwalzwerke) und (1880) 1612 Einw.

Aveyron (spr. awärong), Nebenfluß des Tarn im südlichen Frankreich, entspringt in den Lévezoubergen bei Sévérac, durchströmt das nach ihm benannte Departement in vorherrschend westlicher Richtung und mündet nach 240 km langem Lauf unterhalb Montauban im Departement Tarn-et-Garonne.

Das gleichnamige Departement ist aus der alten, zu Guienne gehörigen Provinz Rouergue gebildet, liegt zwischen den Departements Cantal (nördlich), Lozère und Gard (östlich), Hérault und Tarn (südlich), Tarn-et-Garonne und Lot (westlich) und hat einen Flächenraum von 8743 qkm (158,8 QM.). Es ist eins der rauhesten und gebirgigsten Departements. Zwischen den Auvergnegebirgen und den Cevennen gelegen, dacht sich das Land nach SW. gegen die Garonne hin ab und erreicht im O., im vulkanischen Aubracgebirge (1471 m), seine höchsten Erhebungen. Im S. erhebt sich das Kalkplateau Larzac (850-921 m), das Zentrum zwischen den Thälern des Tarn und A. nimmt das kahle, granitische Lévezougebirge (1116 m) ein. Diese zum Cevennensystem gehörigen Gebirgszüge sind reich an merkwürdigen Bildungen, wie Höhlen, Stalaktitengrotten, ein brennendes Steinkohlenlager (bei Fontaynes) u. a. Das Departement gehört zum Flußgebiet der Garonne und wird von den Flüssen Lot mit Truyère, A. mit Viaur, Tarn mit Dourdou und Rance bewässert, welche in ostwestlicher Hauptrichtung strömen. Das Klima ist in den Gebirgen und Hochebenen rauh und kalt, im W., wo sich die Flußthäler ausbreiten, mild und angenehm. Die Zahl der Einwohner beträgt (1881) 415,075. Sie leben meist auf einzelnen Höfen, selten in geschlossenen Dorfschaften. Der Boden ist im allgemeinen wenig ergiebig, nur etwa 41 Proz. der Bodenfläche sind angebaut. Der Weinstock liefert, mit wenigen Ausnahmen, nur ein mittelmäßiges Getränk, das größtenteils zur Branntweinbrennerei verwendet wird. Von Ackerbauprodukten gedeiht Weizen nur in den Flußthälern, sonst aber Roggen, Hafer, Gerste, Kartoffeln, Hanf, Rüben und Hülsenfrüchte. Der Kastanienbaum trägt selbst in den rauhern Gegenden so reichlich, daß seine Früchte hier und da das Brot ersetzen. Die Wälder, etwa 10 Proz. der Oberfläche bedeckend, bestehen vorzugsweise aus Eichen, Buchen und Nadelholz; wo die erstern vorherrschen, finden sich Trüffeln in Menge. Groß ist der Reichtum des Landes an Wiesen und Weideplätzen, daher es sich ganz vorzüglich zur Viehzucht eignet. Schafe namentlich werden in Menge (gegen 800,000 Stück) gehalten und liefern jährlich 1-2 Mill. kg Wolle, und ihre Milch, mit Ziegenmilch gemischt, gibt den berühmten Roquefortkäse. Das Departement ist außerordentlich reich an Mineralschätzen, welche aber noch nicht genügend ausgebeutet werden, namentlich an Steinkohlen (1882: 794,347 metr. Ton.), Anthracit, Eisen, Blei, Kupfer, Zink, Alaun und verschiedenen Steinarten. Auch Mineralquellen finden sich in größerer Zahl vor, die bekanntesten zu Cransac. Die Industrie hat sich in den letzten Jahrzehnten bedeutend gehoben. In erster Reihe stehen die Eisen- und Stahlguß- und Walzwerke, die Kupfer und Zinkhütten. Andre lebhaft betriebene Erwerbszweige sind Leinen- und Schafwollweberei, Wirkerei, Gerberei, Glas- und Papierfabrikation. Die Kommunikationswege ließen bis auf die neueste Zeit viel zu wünschen übrig; die zwischen Rodez und Millau 1880 vollendete Eisenbahnlinie von Figeac nach der Mittelmeerküste hat in dieser Beziehung einem lebhaft gefühlten Bedürfnis abgeholfen. Das Departement zerfällt in die fünf Arrondissements: Rodez, Millau, Villefranche, St.-Affrique und Espalion. Hauptstadt ist Rodez.

Avezac de Castera Macaya (spr. aw'sack), Marie Amand Pascal d', franz. Geograph, geb. 18. April 1800 zu Tarbes, war erst als Advokat in Paris thätig, erhielt dann eine Stelle im Marineministerium, wandte sich aber schließlich ganz der Geographie zu, indem er sich vorzugsweise mit den Forschungen in Afrika, später mit der Entdeckungsgeschichte von Amerika beschäftigte. A. war sechsmal Präsident der Geographischen Gesellschaft sowie Mitgründer der Ethnologischen Gesellschaft zu Paris, Mitglied des Instituts etc. und starb 14. Jan. 1875 daselbst. Seine Hauptwerke sind: "Essais historiques sur le Bigorre" (1823, 2 Bde.); "Études de géographie critique sur l'Afrique septentrionale" (1837); "Esquisse générale de l'Afrique et l'Afrique ancienne" (1844); "Iles de l'Afrique" (1848); "Les îles fantastiques de l'Océan occidental au moyen-âge" (1845); "Notice sur le pays et le peuple de Yebous" (1845). Auch erschienen viele Abhandlungen von ihm im Bulletin der Pariser Geographischen Gesellschaft, in den "Annales de voyages" und andern Fachblättern.

Avezzāna, Giuseppe, ital. General, geb. 1789 zu Chieri in Piemont, trat 1805 in das 4. Regiment der "Ehrengarde" ein und kämpfte unter Napoleon, ward 1814 Leutnant in der sardinischen Armee und flüchtete 1821 nach dem Mißlingen des Komplotts von San Salvario, das die Erteilung einer Verfassung bezweckte, nach Spanien, wo er in das Heer der dortigen liberalen Regierung eintrat, aber 1824 von den Franzosen gefangen genommen und nach Amerika deportiert wurde. Er entfloh nach Mexiko und ließ sich in Tampico nieder, wo er ein bedeutender Industrieller und Kaufmann wurde, aber auch an den Parteikämpfen der Republik eifrigen Anteil nahm und den Posten des kommandierenden Generals von Tamaulipas erhielt. Im J. 1848 kehrte er nach Italien zurück und ward, nachdem er sich am Aufstand in Genua beteiligt, Kriegsminister der römischen Republik, nach deren Sturz er 1849 nach Amerika zurückging. Im J. 1860 schloß er sich der Freischar Garibaldis an, kämpfte in derselben am Volturno, 1866 in den Alpen und betrieb 1867 eifrig den Einfall in den Kirchenstaat.