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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baake; Baal; Baalbek

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Baake - Baalbek.

Konversation war so sprudelnd, daß sie Schelling mit dem "Austeilen geistiger Almosen" verglich; demungeachtet machte er weder als Schriftsteller noch als akademischer Lehrer besonderes Glück, weil er, obgleich in stets neuem Brillantfeuer des Witzes, sich immer wiederholte und nicht über Anfänge hinauskam. Seine zahlreichen Schriften sind meist subjektive Ergüsse, Briefe, Kritiken, Gelegenheitsschriften. Die bedeutendsten sind seine "Fermenta cognitionis" (Berl. u. Leipz. 1822-25, 6 Hefte), deren Hauptzweck war, auf Jakob Böhme, den er den "ersten Naturkundigen Deutschlands und der Welt" nennt, aufmerksam zu machen und in der Polemik gegen bestehende Systeme zugleich den darin verborgenen Samen der gärenden Wahrheit aufzudecken. Im Sinn einer philosophischen Deduktion des religiösen Glaubensinhalts veröffentlichte er 1827 seine Vorlesungen an der Münchener Universität: "Über religiöse Philosophie". Hierauf folgten seine "Philosophischen Schriften und Aufsätze" (Münst. 1831-32, 2 Bde.) und seine "Vorlesungen über spekulative Dogmatik" (Heft 1, Stuttg. 1828; Heft 2-5, Münst. 1830-38). Ferner schrieb er: "Über den christlichen Begriff der Unsterblichkeit" (Würzb. 1835); "Vorlesungen über eine künftige Theorie des Opfers oder des Kultus" (Münst. 1836); "Über das Leben Jesu von Strauß" (Münch. 1836); "Revision der Philosopheme der Hegelschen Schule bezüglich auf das Christentum" (Stuttg. 1839) etc. Auch in den konfessionellen und kirchlichen Streitigkeiten der neuesten Zeit versuchte er vermittelnd aufzutreten, so in der nach seinem Tod im Druck erschienenen Schrift "Der morgenländische und abendländische Katholizismus" (Leipz. 1841). Eine Gesamtausgabe seiner Werke, welche den Reichtum u. die Vielseitigkeit seines Geistes und die seltene Reinheit seines durchaus edlen Charakters zeigt, besorgten Franz Hoffmann u. a. (Leipz. 1850-60, 16 Bde.), mit wertvollen Einleitungen, der Biographie und dem Briefwechsel Baaders. Vgl. auch Hoffmanns Schriften: "Vorhalle zur spekulativen Lehre Fr. Baaders" (Aschaffenb. 1836); "Die Weltalter. Lichtstrahlen aus Baaders Werken" (Erlang. 1868) und "Grundzüge der Societätsphilosophie Baaders" (Würzb. 1837).

Baake, s. Bake.

Baal (Bel, "Herr"), eine der männlichen Hauptgottheiten der alten semitischen Völker, namentlich der Babylonier (Bel) und Phöniker, wird in den assyrischen Inschriften als "Fürst der Götter", "Krieger", "Leuchte der Götter" und "Herr und Ordner des Alls" bezeichnet und ist ursprünglich als Personifikation der wohlthätig wirkenden Kraft der Sonne aufzufassen, woraus sich später der Inbegriff des Erhabenen, Guten und Schönen auch in der moralischen Welt entwickelte. Er wurde in Babylon gewöhnlich in menschlicher Gestalt dargestellt und zwar in Königstracht, die Tiara mit Stierhörnern geschmückt. Die Phöniker hatten keine Bilder vom B., wohl aber dachte man sich ihn in kegelförmigen Steinen wohnend, die anfangs unter freiem Himmel, später in Tempeln standen und wahrscheinlich eine phallische Bedeutung hatten. Die älteste Form seiner Verehrung war hier dem entsprechend ein Naturdienst auf Bergeshöhen; die Midianiter und Amalekiter verehrten ihn auf dem Horeb und Sinai, die Moabiter auf dem Berg Peor (wo sie in Bedrängnissen seinen Zorn auch durch Menschenopfer zu sühnen suchten), die Phöniker vorzüglich auf dem Karmel, die Kanaaniter des Binnenlandes auf dem Hermon. Zahlreiche nach ihm benannte Orte in Kanaan bezeugen, welch ausgedehnte Verehrung er daselbst genoß. Das weibliche Seitenstück des B., als Göttin der Zeugung und Fruchtbarkeit, war bei den Babyloniern die Mylitta (s. d.), bei den Phönikern die ihr entsprechende Baaltis ("Herrin") oder Aschera (s. d.). Dagegen stand ihm hier als lebenfeindliche Naturkraft Moloch (s. d.), der Gott der Sonne in ihrer verderblichen Gewalt, gegenüber. Später flossen beide, B. und Moloch, ineinander in der Person des Melkart (s. d.), des höchsten Gottes der Phöniker ("B. von Tyros"), der beide Seiten des Naturlebens in sich vereinigt Wiederholt fand der Dienst des B. in verschiedenen Formen Eingang bei den Israeliten; zuerst aber versuchte König Ahab, durch seine syrische Gemahlin Isebel verleitet, ihn unter gewaltsamer Unterdrückung des Jehovahdienstes zum herrschenden Kultus zu erheben. Der vom Propheten Elias geleitete Widerstand dagegen hatte nur vorübergehenden Erfolg (1. Kön. 18 ff.); erst durch Jehus Thronrevolution wurde der Baalsdienst wieder ausgerottet. - Baalspfaffe, Bezeichnung eines heuchlerischen Priesters.

Baalbek ("Höhe des Thals", griech. Heliopolis, "Sonnenstadt"), einst eine der prachtvollsten Städte. Syriens, jetzt ein armseliger Ort von einigen Hundert Häusern, 1170 m ü. M., in der Thalebene El Beka (dem alten Kölesyrien) zwischen dem Libanon und Antilibanon gelegen und berühmt durch die noch vorhandenen Trümmer der alten Stadt. Dieselben bestehen in drei größern, westlich vom heutigen Dorf B. gelegenen Ruinen: dem großen Tempel, einem zweiten kleinern, sogen. Sonnentempel und südwestlich davon einem dritten Tempel von runder Form. Das Ganze wird von einer 3-4 m hohen krenelierten Mauer mit viereckigen Türmen umschlossen. Man unterscheidet drei Altersperioden der Ruinen. Aus der ersten rühren die Substruktionen der Plattform her, auf welcher die Tempel stehen; aus der zweiten die eigentlichen Tempelruinen; aus der dritten die Bauten der Araber, welche namentlich die alte Mauer durch spätere Zuthaten in Befestigungen umgewandelt haben. Der erwähnte Unterbau, 325 m lang, 97 m breit, besteht aus ungeheuern behauenen Kalk- oder Marmorblöcken und enthält mächtige gewölbte, 97-160 m lange Gänge, durch welche Gemächer reihen verbunden sind, und zu welchen Marmortreppen hinabführen. Er ist ein cyklopisches Werk aus alter Zeit und noch wohlerhalten. Auf diesem Unterbau erheben sich die genannten Tempel, die Antoninus Pius errichtet hat. Der Haupteingang des großen Tempels war auf der Ostseite, wo eine breite, nicht mehr vorhandene Treppe zur Plattform der Propyläen führte; er wurde später von den Arabern durch eine dicke Mauer verbaut. Der äußere Portikus war von 12 Säulen gebildet; zur Rechten wie zur Linken desselben standen prachtvolle, mit korinthischen Pilastern verzierte Pavillons, von denen der der rechten Seite noch ziemlich gut erhalten ist; darauf folgte ein sechseckiger, jenseit desselben ein viereckiger Hof, 134 m lang, 113 m breit und auf der Süd- und Nordseite von reichverzierten Gebäuden eingefaßt, die gleichsam Galerien bildeten und Nischen für Statuen enthielten; dann abermals Stufen, die unter doppeltem Säulengang zum innern Portikus des eigentlichen Tempels führten, der 89 m lang und 49 m breit war und 10 Säulen in der Fronte und 19 auf den Seiten (im ganzen 54) enthielt. Vorhanden sind davon nur noch 6 ungeheure stehende Säulen auf einer mächtigen Mauer, die der Südseite angehörte. Ihre Entfernung voneinander beträgt 2,6 m; sie sind nicht kanneliert, tragen aber auf ihren korinthischen Kapitälern ein Gebälk mit reichverziertem Fries und