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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baden

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Baden (Städte: B.-Baden).

Lehrer ihrer Konfession zugestanden werden. Die Kammern gaben 28. Juni 1876 ihre Zustimmung. Auch das Pfarrdotationsgesetz wurde mit einigen Modifikationen angenommen, ebenso das Gesetz über die Oberrechnungskammer und die Erwerbsteuer, worauf der Landtag 15. Juli 1876 geschlossen wurde. Da aber inzwischen am Hof eine strengere kirchliche Richtung Einfluß erlangt hatte, welche mehrere Zugeständnisse Jollys bei der Schulgesetzverhandlung mißbilligte und dessen Forderung, daß auch die evangelischen Geistlichen den für eine Erhöhung der Dotation geforderten Revers unterzeichnen sollten, besonders übel aufnahm, so erhielt Jolly 21. Sept. 1876 plötzlich seine Entlassung. Infolgedessen reichte das gesamte Ministerium seine Entlassung ein, und der Präsident des Handelsministeriums, Turban, ward am 23. beauftragt, "auf Grundlage der bisher maßgebend gewesenen Richtung der Regierung sowohl in betreff der innern Politik als auch in Bezug auf die nationalen Entwickelungsaufgaben ein freisinniges Ministerium neu zu bilden". Außer Jolly schied nur noch Freydorf aus dem Ministerium aus, die übrigen Minister blieben. Das Ministerium des Innern übernahm Stösser, das der Justiz Grimm; Turban wurde Staatsminister und Ministerpräsident. Das neue Ministerium vereinbarte 1878 und 1879 mit dem Landtag die umfassenden Einführungsgesetze zur Reichsjustizreform und das Gesetz über die Aufbringung des Gemeindeaufwandes. Darauf trat es 1880 mit den seit langem vorbereiteten Vorschlägen über eine Aussöhnung mit der Kurie hervor, indem es beantragte, die durch die Verordnung von 1867 und durch Gesetz von 1874 befohlene besondere Staatsprüfung für Geistliche fallen zu lassen und sich mit der Anwesenheit eines Staatskommissars bei der gewöhnlichen Prüfung zu begnügen. Die Zweite Kammer indes lehnte den Antrag ab, da die Freiburger Kurie selbst die Nachsuchung des Dispenses für die ältern Geistlichen nicht erlauben wollte, und nahm einen neuen Gesetzentwurf, welcher bloß den Nachweis des Maturitätsexamens und dreijährigen Universitätsbesuchs forderte, erst an, nachdem die Kurie die Einholung des Dispenses gestattet hatte. Die Folge dieser Verhandlungen war der Sturz Stössers. Indes bewirkte die nachgiebige Haltung der Regierung doch ein solches Erstarken der Ultramontanen und ihr zeitweiliger Zerfall mit der liberalen Kammermajorität eine solche Schwächung der letztern, daß bei den Ergänzungswahlen 1881 die Nationalliberalen die unbedingte Mehrheit verloren und die Ultramontanen auf 22 Mitglieder stiegen. Es trat daher eine Stockung in der Gesetzgebung ein, bis 1883 die Nationalliberalen sich wieder auf Kosten der Ultramontanen auf 34 (von 63) verstärkten. Regierung und Landtag gingen nun an eine Reform der innern Verwaltung.

Vgl. Vierordt, Badische Geschichte bis zum Ende des Mittelalters (Tübing. 1865); Bader, Badische Landesgeschichte (2. Ausg., Karlsr. 1838); Preuschen, Badische Geschichte (das. 1842); Drais, Geschichte von B. unter Karl Friedrich (das. 1816-18); Nebenius, Karl Friedrich von B. (das. 1868), v. Weech, B. unter den Großherzögen Karl Friedrich, Karl, Ludwig, 1738-1830 (Freiburg 1863); Schöchlin, Geschichte von B. unter Großherzog Leopold (Karlsr. 1856); Mone, Quellensammlung zur badischen Landesgeschichte (das. 1848-67, Bd. 1-4); Häusser, Denkwürdigkeiten zur Geschichte der badischen Revolution von 1844 bis 1849 (Heidelb. 1851); Bekk, Die Bewegung in B. (Mannh. 1850); v. Weech, B. in den Jahren 1852-77 (Karlsr. 1877); Derselbe, Geschichte der badischen Verfassung (das. 1868); Derselbe, Badische Biographien (Heidelb. 1875, 2 Bde.; Nachtrag 1881).

Baden, 1) (Baden-Baden) Hauptstadt des bad. Kreises B. (1045 qkm, 19 QM., mit [1880] 134,511 Einw.), liegt südlich von Rastatt im anmutigen Thal der Oos, durch eine Zweigbahn mit der Rheinthalbahn verbunden, und ist berühmt als einer der glänzendsten und besuchtesten Badeorte Europas. Die Stadt, 183 m ü. M., ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Bezirksamts, hat 7 Kirchen (3 kath., 1 evang., 2 russische und 1 anglikanische), 1 Gymnasium (mit Realgymnasium verbunden), 1 höhere Töchterschule, 1 Gewerbeschule, 1 Kranken-, 1 Armenhaus, 1 Gasanstalt und (1888) 11,923 Einw. (2507 Evangelische). B. ist zwar die alte Stamm- und Hauptstadt Badens, aber jetzt seinem größern Teil nach eine ganz moderne Anlage, reich an prachtvollen Hotels und in edlem Stil gebauten Villen und Privatwohnungen. Die katholische Stadtpfarrkirche (aus dem 15. Jahrh.), auf dem Platz eines römischen Tempels, enthält die Grabmäler von 14 Mitgliedern des markgräflich badischen Hauses sowie neue, schöne Glasgemälde und ist seit 1864 im gotischen Stil schön restauriert. Die evangelische Kirche ist nach dem Plan von Eisenlohr im gotischen Stil neu erbaut; die neue russische Kirche von 1882 enthält herrliche Freskomalereien; die griechische Kapelle auf dem Michaelsberg, mit goldener Kuppel, ist eine prachtvolle Schöpfung Klenzes (1866 eingeweiht). Auch die anglikanische Kirche (im normännischen Stil) und die Grabkapelle (von Hübsch) auf dem Friedhof sowie das Theater (seit 1863) sind neue Bauten. Als sonstige Hauptgebäude sind das Konversationshaus (1822-24 im Renaissancestil erbaut), die großartige neue Trinkhalle (ein 85 m langer Arkadenbau, nach Hübsch' Plan 1839-42 ausgeführt, mit einer Galerie berühmter Fresken von Götzenberger) zu erwähnen. Über der Stadt erhebt sich das sogen. Neue Schloß, die sommerliche Privatwohnung des Großherzogs von Baden, vom Markgrafen Jakob 1479 auf römischen Fundamenten angelegt und nach der Zerstörung durch die Franzosen (1689) in seiner jetzigen Form hergestellt, mit prächtiger Aussicht.

Die Thermen Badens, seit den Zeiten der Römer bekannt und immer stark besucht, entspringen in der sogen. Hölle aus Gneisfelsen und kommen aus einer Tiefe von etwa 1350 m (750,000 Lit. in 24 Stunden). Es sind ihrer mehr als 20, deren Wasser jedoch nur hinsichtlich der Temperatur (71-47° C.), nicht ihrem chemischen Gehalt nach verschieden ist. Sie haben warm einen etwas salzigen, fleischbrühartigen Geschmack. Die Hauptquelle (62,7°) enthält in 1 L. 2,015 g Chlornatrium, 0,053 g Chlorlithium, 0,0007 g arsensauren Kalk, auch Chlorrubidium und Chlorcäsium. Die Hauptquelle ist der "Ursprung", mit der durch neuere Schürfungen der Brühbrunnen, die Felsenquelle und die Judenquelle vereinigt sind. Andre Quellen sind die Klosterquelle, die Büttenquellen, die Fett-, Murr-, Ungemachquelle etc. Die Thermen von B. werden benutzt als Wasserbäder, als Getränk, als Douche oder als Einspritzung bei Krankheiten des Uterinsystems und in Form von Thermaldämpfen. Im allgemeinen ist ihr Gebrauch in allen Fällen indiziert, wo eine kräftige, erregende Einwirkung auf Nerven-^[ERGÄNZUNGSSTRICH!]

^[Abb.: Wappen von Baden-Baden.]