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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baden

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Baden (Städte: B. bei Wien).

und Gefäßsystem gefordert wird, besonders bei vorwaltender torpider Schwäche. Das Wasser wirkt auf das Lymph- und Drüsensystem, befördert die Thätigkeit des Darmkanals, die Funktionen der Haut und der Nieren und ist besonders wirksam gegen chronische Katarrhe der Luftwege, leichtere Formen der Skrofulosis, Gicht und Rheumatismus, Krankheiten der Haut-, Verdauungs- und Harnorgane, Lähmungen etc. Der Badeschlamm wird seiner auflösenden und erweichenden Wirkung wegen bei empfindlichen Geschwüren, Steifheit der Gelenke, Schwerhörigkeit u. dgl. verordnet. Neben diesen warmen Quellen hat B. drei schwache Stahlquellen (2° C. kühler als die mittlere Temperatur der Erde), die in der Falkenhalde (für das "Stahlbad") und in Lichtenthal zu Tage treten und besonders zu Nachkuren beim Gebrauch der Thermen benutzt werden. Die Saison dauert vom 1. Mai bis 31. Okt. und erreicht ihre Höhe im Juli und August. Die eigentlichen Zentralpunkte des Badelebens bilden das Konversationshaus mit prachtvollen Sälen für die verschiedensten Zwecke (darunter das Lesekabinett mit über 150 Zeitungen in allen Sprachen) und die Trinkhalle, wo das Wasser der Badener Quelle (55° C.) genossen wird und zugleich 40 Sorten fremder Mineralwässer sowie warme Kuh- und Ziegenmilch zu haben sind. Über dem "Ursprung" befindet sich das ältere Dampfbad; das von Dernfeld entworfene und im Renaissancestil ausgeführte Friedrichsbad (1877 eröffnet) ist die eleganteste derartige Anstalt in Europa. Einrichtungen zu Wannenbädern mit Thermalwasser finden sich in den meisten Gasthäusern; für mittellose Kurgäste ist ein Armenbad vorhanden. Unter den Anlagen im Freien nimmt die "Promenade" mit ihren großartigen Verkaufsläden den ersten Platz ein. Die Zahl der Badegäste belief sich 1883 auf über 50,000. Unter ihnen ist die vornehme und abenteuernde Welt aller Nationen vertreten; die Hauptrolle aber spielten seit Jahrzehnten die Franzosen, welche B. als einen Lieblingsausflug ansahen und dort französischen Ton und französisches Leben mehr als wünschenswert einführten. Mit Aufhebung der Spielbank (Ende 1872) nahm der Besuch ein wenig ab; es entwickelte sich aber dafür eine mehr und mehr an Bedeutung gewinnende Wintersaison, und für den Schaden, welcher B. aus dem Wegfall des Hasardspiels zu erwachsen drohte, hat die badische Regierung die Gründung eines besondern Badefonds verfügt, aus welchem nicht nur das neue Friedrichsbad gebaut ward, sondern auch die nötigen Mittel beschafft werden sollen, um die bestehenden Vergnügungen zum größern Teil auch ferner durchführen zu können.

Die Umgegend Badens ist überaus schön und anmutig. Der nächste und gewöhnlichste Spaziergang ist die schnurgerade Lichtenthaler Allee (gegen Abend der Korso der Badewelt); sie führt nach dem nahen, an eine steile, mit Tannen besetzte Bergwand gelehnten Cistercienser-Nonnenkloster Lichtenthal, das (1245 gestiftet) sich durch alle Stürme der Zeit erhalten hat. Ein Seitenkanal des Oosbachs leitet zum Geroldsauer Wasserfall. Unter den weitern Touren ist das Murgthal die besuchteste. Andre besuchte Punkte sind: das alte Schloß (Hohenbaden, ebenfalls 1689 durch die Franzosen zerstört) mit seinen großartigen Ruinen und seiner prachtvollen Aussicht in die Rheinebene, die 6 km davon liegenden Trümmer der Burg Alten-Eberstein, der Staufen- oder Merkuriusberg, Gernsbach, das neue Schloß Eberstein (Privateigentum des Großherzogs), die Yburg und der Fremersberg sowie Balg, Scheuern, Neuwier, Steinbach, Iffezheim (mit der eleganten Rennbahn für die berühmten Pferderennen) u. a.

Geschichte. B. ist die altrömische Bäderstadt Colonia Aurelia Aquensis oder Aquae Aureliae und soll zu gleicher Zeit mit Rom oder wenigstens zur Zeit des Tarquinius Priscus gegründet worden sein. Wahrscheinlich ist es aber eine Schöpfung Hadrians, die besonders unter Caracalla zu hohem Flor gedieh. Von den Alemannen 234 zerstört, wurde der Ort von Aurelius Probus, der 277 die Alemannen zurücktrieb, wieder aufgebaut. Nach seinem Tod fiel B. wieder in die Hände der Alemannen und nach deren Unterwerfung an das fränkische, später Deutsche Reich. Es wechselte oft die Herren: nacheinander waren es die Mönche des Klosters Weißenburg, die Grafen von Kalw, schon vor 1102 die Zähringer, von denen sich der jüngere Zweig zuerst 1112 Markgrafen von Baden nannte. Durch den Bau des Neuen Schlosses (1479) und die Erteilung wichtiger Privilegien hob sich B. immer mehr, bis es durch den Dreißigjährigen Krieg und besonders durch den pfälzischen Erbfolgekrieg wieder sehr geschädigt und endlich 1689 von den Franzosen fast gänzlich zerstört wurde. Markgraf Ludwig Wilhelm der Siegreiche verlegte 1706 die Residenz nach Rastatt. Die erste Grundlage zur heutigen Bedeutung Badens als Badeort wurde durch die zahlreichen französischen Emigranten gelegt, welche zur Zeit der großen Revolution nach B. kamen, das dann durch den Rastatter Friedenskongreß (9. Dez. 1797 bis 28. April 1799) noch mehr in Aufnahme kam. Jetzt erschienen Beschreibungen von B., Bauten erhoben sich, 1802 erstand die Antiquitätenhalle, 1808 das Gesellschaftshaus, 1822 das Konversationshaus, und der Pachter der Hasardspiele bezahlte schon 29,000 Fl. jährliches Pachtgeld. Besonders seit 1814 hat B. seinen fast zweitausendjährigen Ruhm wieder erlangt und ist Mode- und Weltbad geblieben, auch nachdem die Hasardspiele 1872 verboten wurden. Vgl. Schnars, B. und Umgegend (3. Aufl., Bad. 1882); "B., Wegweiser durch Stadt und Umgebung" (10. Aufl., das. 1884); Seefels, Badens Bäder und der Gebrauch derselben vor 200 Jahren (Lahr 1872); Biermann, Baden-Baden als Kurort (Heidelb. 1872); Heiligenthal, Die Thermen in B. (Bad. 1877).

2) (B. bei Wien) Stadt und berühmter Badeort im Erzherzogtum Niederösterreich, liegt 27 km südlich von Wien an der Schwechat, am Eingang des lieblichen Helenenthals, 212 m ü. M. und steht mit Wien durch die Südbahn in Verbindung. B. zählt jetzt unter die schönsten Badestädte in Österreich und ist reicher als andre an prachtvollen Villen, reizenden Gärten und schöner Umgebung. Hervorragende Gebäude sind die schöne Pfarrkirche, die von van der Nüll und Siccardsburg 1848 erbaute Mineral-Schwimm- und Badeanstalt mit großem Bassin, das Kaiserhaus, das Rathaus, die auf einer Anhöhe des Helenenthals vom Erzherzog Karl 1823 erbaute Weilburg, jetzt seinem Sohn, Erzherzog Albrecht, gehörig, mit gotischer Hauskapelle und schönen Anlagen und die neue Villa des Erzherzogs Wilhelm. B. ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein Landesrealgymnasium mit Museum, gewerbliche Fortbildungsschule, Sparkasse, Theater und Arena. Seit 1866 ist die Gasbeleuchtung eingeführt. An Humanitätsanstalten befinden sich hier: ein Wohlthätigkeitshaus für Arme aus Niederösterreich zum Gebrauch der Bäder (mit 240 Betten), das Marienspital, das k. k. Militärspital; wo jährlich 1800-1900 Soldaten verpflegt werden, das Bürgerspital, Lazarett etc. Die Zahl der Einwohner von B.