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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baden-Baden; Badenweiler

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Baden (in der Schweiz) - Badenweiler.

beträgt (1880) mit den Vorstädten Gutenbrunn und Leesdorf 9645, mit der anstoßenden Ortsgemeinde Weikersdorf 13,342, und ihre hauptsächlichste Erwerbsquelle ist der Fremdenverkehr, daneben auch ausgezeichneter Weinbau und Weichselrohrerzeugung. Seit Jahren befindet sich bei der Stadt eine Filiale der Züricher Maschinenfabrik von Escher-Wyß. Zu Promenaden dienen der schöne Kurpark, der Vereinigungsplatz der eleganten Welt, mit Musikpavillon, Kursaal und Trinkhalle (in der Nähe Statue des Dichters Grillparzer, gest. 1872); daran angrenzend der Kalvarienberg mit prächtiger Aussicht und schönen Anlagen, der Doblhof- und Sauerhofgarten, die Alexandrowitschschen und Schönfeldschen Anlagen, die Anlagen nächst der Weilburg, das Jägerhaus und die Jägerwiese, die Hauswiese etc. Die umliegenden Berge sind mit Ruinen gekrönt (Rauheneck, Scharfeneck, Rauhenstein). Weitere Ausflüge bilden die Krainerhütte, der Lindkogel oder das Eiserne Thor (830 m) mit Aussichtsturm und großartiger Fernsicht, Meierling, Heiligenkreuz, Vöslau, Merkenstein, Schönau etc. Vom Bahnhof führt eine Pferdebahn durch die Stadt bis nach Rauhenstein im Helenenthal. Die Wiener Wasserleitung, welche auch B. mit Trinkwasser versorgt, überschreitet dieses Thal unmittelbar hinter der Stadt mit einem großen Aquädukt. Das Klima ist gesund, aber scharfen Temperaturwechseln ausgesetzt.

Die Mineralquellen von B. gehören zu den erdig-salinischen Schwefelthermen und haben eine Temperatur von 29-35° C. Man zählt 13 selbständige Quellen, von denen die Hauptquelle, der Ursprung, täglich 8710 hl liefert. Ihrer Zusammensetzung nach enthält diese Hauptquelle in 1 Lit. schwefelsauren Kalk 0,735 g, schwefelsaures Natron 0,301 g, schwefelsaures Kali 0,073 g, kohlensauren Kalk 0,205 g, kohlensaures Natron 0,094 g, kohlensaure Magnesia 0,143 g, Chlornatrium 0,256 g, Chlormagnesium 0,231 g, Kohlensäure 44,78 ccm, Schwefelwasserstoff 2,56 ccm, Stickstoff 14,53 ccm, Sauerstoff 1,62 ccm. Das Wasser ist vollkommen klar, wird aber an der Luft leicht trübe und besitzt einen durchdringenden Schwefelgeruch und -Geschmack. Die dem Wasser entsteigenden flüchtigen Bestandteile veranlassen an den Wänden ein Sublimat von zarten Kristallen, welches als "Badener Salz" in den Handel kommt. Die Badener Quellen werden zum Baden, die Ursprungquelle auch zum Trinken verwendet; sie sind besonders wirksam bei katarrhalischen Affektionen der Luftwege, insbesondere Kehlkopfkatarrh, Skrofulose, Gicht, Rheumatismus, hysterischen Beschwerden, Stockungen im Leber- und Pfortadersystem, chronischen Krankheiten des Uterinsystems, chronischen Hautausschlägen, hartnäckigen Geschwüren. Die Bäder sind meist Vollbäder, in denen beide Geschlechter gemeinsam baden; doch gibt es auch Separatbäder, ferner eine Mineral- und eine Kaltwasserschwimmanstalt, Einrichtungen für Schlammbäder, Dampfbäder und Molkenkur. Die besteingerichteten Badeanstalten sind das 1877 umgebaute Frauen- und Karolinenbad, das Herzogs- und Antonsbad, das Johannesbad und die Mineralschwimmanstalt. Für Winterkurgäste ist das Herzogs- und Antonsbad eingerichtet. Die Kurfrequenz belief sich 1883 auf 10,400 Personen. Bei der reizenden Lage des Orts und der Nähe von Wien ist B. übrigens mehr Vergnügungs- als Kurort; zahlreiche Wiener nehmen hier ihren Sommeraufenthalt, und an Sonn- und Feiertagen strömt ein großer Teil der Bewohner Wiens nach B. und in dessen Umgebungen. - Die Bäder sind seit den Römerzeiten bekannt; schon Marcus Aurelius gedenkt ihrer unter dem Namen Aquae Pannonicae. Im 11. und 12. Jahrh., als die Babenberger ihre Residenz in der Nähe nahmen, hoben sie sich wieder. Zwar hatte der Ort (seit 1480 Stadt) durch die Ungarn unter M. Corvinus und 1529 und 1683 durch die Türken viel zu leiden und wurde im letztern Jahr fast gänzlich zerstört; aber immer wieder erstand er aus den Trümmern, aus denen die Quellen unversiegbar hervorsprudelten. Rühmlichst wird ihrer im 16. und 17. Jahrh. gedacht; 1767 und 1797 fand man noch Überreste römischer Bäder. Im J. 1812 litt die Stadt durch einen großen Brand; seitdem aber nahm sie einen fortgesetzten Aufschwung. Vgl. Bersch, Der Kurort B. in Niederösterreich (6. Aufl., Bad. 1884); Czuberka, Die Schwefelthermen zu B. (das. 1882).

3) (B. in der Schweiz) Badeort im Schweizer Kanton Aargau, an der Limmat, 382 m ü. M., mit den Trümmern des einst berühmten Schlosses "Stein zu B." und (1880) 3692 Einw., darunter 996 Protestanten. Die Quellen, bei 45-48° C., entspringen unterhalb des Städtchens: 14 auf der linken (große Bäder) und 5 auf der rechten Seite der Limmat (kleine Bäder, Ennetbaden). Sie liefern 370 Lit. Wasser in der Minute. Die Quelle wurde schon 1578 von Pantaleon besprochen. Ihr Wasser enthält in 1 L. schwefelsaures Natron 0,286 g, schwefelsaure Magnesia 0,305 g, schwefelsauren Kalk 1,358 g, Chlorkalium 0,089 g, Chlornatrium 1,630 g, kohlensauren Kalk 0,325 g, Kohlensäure 34,37 ccm, Sauerstoff 6,25 ccm, Stickstoff 127 ccm. Ursprünglich enthalten die Quellen Schwefelwasserstoff, der aber in den Zuleitungsröhren zersetzt wird. Die Quellen werden als Getränk wie in Form von Wannenbädern, Douchen, Dampfbädern und Inhalationen benutzt und besonders gegen Rheumatismen und Gicht, chronische Kehlkopf- und Lungenkatarrhe mit Erfolg angewendet. Die Zahl der Kurgäste beläuft sich jährlich auf ca. 20,000 Personen. B., wohl der älteste Badeort der Schweiz, wurde schon zur Römerzeit um seiner Schwefelthermen willen besucht. Zur Zeit der österreichischen Herrschaft befand ich zeitweilig auf dem "Stein" das herzogliche Hoflager, und als 1415 die Eidgenossen das Gebiet eroberten, verlegte selbst die alte Tagsatzung ihre Sitzungen nach B. (1424-1712). Historisch denkwürdig sind das Religionsgespräch zu B. von 1526, wo Öcolampadius und B. Haller mit Eck disputierten, und der Friede zu B. vom 7. Sept. 1714, zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich abgeschlossen, in welchem der zu Rastatt 6. März d. J. zwischen Österreich und Frankreich vereinbarte Friede mit wenigen Abänderungen bestätigt wurde. Vgl. Mousson, Geologische Skizze der Umgebungen von B. (Zür. 1840); Diebold, Der Kurort B. (Winterth. 1861); Minnich, B. in der Schweiz (2. Aufl., Bad. 1873); Fricker, Geschichte der Stadt und Bäder zu B. (Aarau 1879).

Baden-Baden, s. Baden 1).

Badenweiler, Dorf und Badeort im bad. Kreis Lörrach, 7 km von der Eisenbahnstation Müllheim, am Fuß des Schwarzwaldes (Blauen) unter der Ruine B. und 427 m ü. M. gelegen, mit 572 Einw. Die Heilquelle, eine indifferente Therme von 27½° C., die in 16 Unzen nur 2,2 Gran feste Bestandteile (besonders schwefelsaures Natron, Kali und Kalkerde) enthält, war schon den Römern bekannt und wird vorzugsweise bei beginnender Tuberkulose und Lungenkatarrh angewendet; sie belebt die Thätigkeit der Haut und beruhigt ein allzu reizbares Nervensystem. B. hat auch eine Molkenkuranstalt und wird jährlich von mehr als 4000 Fremden besucht. In der Nähe mehrere Luftkurorte. Im J. 1784 entdeckte man daselbst ein