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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baisalz; Baisch; Baïse; Baiser; Baisse; Baiter

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Baisalz - Baiter.

zu Anfang des 18. Jahrh. gegründete, aus einer einzigen Straße bestehende Stadt mit dem ehemaligen, jetzt zum Militärhospital eingerichteten Kapitelhaus des Ordens de la Sincérité, aus dem der preußische Rote Adlerorden hervorging. Die Zahl der Einwohner betrug Ende 1880 mit Einschluß des Militärs (Stab der 5. Infanteriebrigade, 7. Infanterieregiment, 6. Chevau-leger-Regiment) 22,072 (3280 Katholiken und 357 Juden), deren industrielle Thätigkeit sich vornehmlich auf mechanische Baumwollspinnerei (mit 60,000 Spindeln), Flachsspinnerei, Zwirnerei, Weberei, Eisengießerei, Zuckerraffinerie, Bierbrauerei, Granitschleiferei, auf die Fabrikation von Zement, Pianofortes, Möbeln, Holzschnitzwaren etc. erstreckt; auch gibt es große Viehmärkte, eine Gas- und eine vorzügliche Wasserleitung. An höhern Unterrichtsanstalten besitzt B. ein Gymnasium, eine lateinische Schule, eine Kreisrealschule, eine Landwirtschaftsschule, eine höhere Töchterschule; daneben besteht ein Historischer und ein Kunstverein, ein Kreisnaturalienkabinett. B. ist eine unmittelbare Stadt, Sitz der Regierung von Oberfranken, eines Landgerichts nebst Kammer für Handelssachen (für die zehn Amtsgerichte zu B., Berneck, Hollfeld, Kulmbach, Pegnitz, Pottenstein, Stadtsteinach, Thurnau, Weidenberg und Weismain), des Schwurgerichts für Oberfranken, einer Filiale der Königlich Bayrischen Bank, eines Bezirksamts, eines Magistrats von 16 und einer Stadtvertretung von 36 Mitgliedern, eines evangelischen Konsistoriums, der Handels- und Gewerbekammer für Oberfranken, eines Forst-, eines Bergamts, hat eine Kreisirrenanstalt, eine Gefangenanstalt etc. - In der Umgebung von B. deuten drei Lustschlösser auf die ehemalige Residenzstadt. Das nächste ist die 3 km entfernte Eremitage bei dem Dorf St. Johann, eine 1718 vom Markgrafen Georg Wilhelm gegründete Anlage im übertriebenen Rokokostil, mit einem Schloß (der eigentlichen Eremitage, worin der Markgraf und seine Begleiter als Einsiedler verkleidet hausten), einem Park, reichen Wasserkünsten etc., alles herabgekommen, aber vielbesucht. An der Allee zur Eremitage, 3 km von der Stadt, steht das durch Jean Paul berühmte Wirtshaus "Zur Rollwenzelin" (mit dem noch wohlerhaltenen Arbeitsstübchen des Dichters). Das zweite Lustschloß, Fantasie, mit einem großen, reizenden Park, in dessen Bereich durch prachtvolle Perspektiven die ganze Umgegend gezogen erscheint, liegt 10 km von B., an der Straße nach Bamberg, auf dem Kamm eines dicht bewaldeten Abhanges. Es wurde 1758 erbaut und war bis 1882 Besitztum des Herzogs Alexander von Württemberg. Unfern desselben ist die Heilanstalt St. Gilgenberg. Das dritte Lustschloß, Sanspareil, liegt am weitesten von B., jetzt im Verfall. - B. wird urkundlich zuerst 1194 genannt und kam 1248 durch Erbschaft in den Besitz Friedrichs III., Burggrafen von Nürnberg. 1430 wurde es von den Hussiten verheert, 1553 von Heinrich Reuß von Plauen fast gänzlich zerstört und im Dreißigjährigen Krieg wiederholt erobert und geplündert. Residenz wurde B. 1604 unter Markgraf Christian. Mit dem Aussterben der Linie Brandenburg-B. (1769) hörte die Stadt auf, Residenz zu sein. Vgl. Holle, Alte Geschichte der Stadt B. bis 1792 (Bair. 1833).

Baisalz, aus Meerwasser gewonnenes Kochsalz.

Baisch, Hermann, Maler, geb. 12. Juli 1846 zu Dresden, begann seine Studien auf der Kunstschule in Stuttgart und begab sich 1868 nach Paris, wo er durch das Studium nach den alten Meistern auf die modernen Vertreter der paysage intime, besonders auf Th. Rousseau, gelenkt wurde. 1869 setzte er diese Studien in München bei Ad. Lier fort. Wie dieser, entlehnte er die Motive zu seinen Landschaften, deren Reihe mit dem Anfang der 70er Jahre anhebt, der Münchener Hochebene und suchte namentlich die wechselnden Luft- und Lichterscheinungen, an welchen das genannte Gebiet so außerordentlich reich ist, in seinen stimmungsvollen Landschaften festzuhalten. Er liebt es, dieselben durch eine Staffage von weidendem oder ruhendem Rindvieh zu beleben, welches gewöhnlich den farbigen Mittelpunkt für die überaus zarte, silberige Gesamtstimmung seines flüssigen Kolorits bildet. Auf der Wiener Weltausstellung von 1873 war er mit drei solchen Landschaften mit Kühen vertreten, welche Morgen-, Mittag- und Abendstimmung reflektierten und die ihm eine Medaille einbrachten. Eine Mühle bei Mondschein wurde 1878 für die Staatsgalerie in Stuttgart angekauft. 1880 wurde er als Professor der Landschaftsmalerei an die Kunstschule in Karlsruhe berufen. Die Münchener internationale Kunstausstellung von 1883, auf welcher er mit vier Gemälden: Frühlingsmorgen, an der Tränke (städtische Galerie in Hannover), Spätsommer und Landschaft, vertreten war, brachte ihm eine Medaille erster Klasse.

Baïse (Bayse), Fluß im südlichen Frankreich, entspringt im Departement Oberpyrenäen, am Plateau von Lannemézan, verfolgt fast direkte nördliche Richtung, nimmt die Gelise auf und mündet bei Port de Pascau in die Garonne. Er hat eine Länge von 180 km, wovon 50 km (von Condom an) mit Hilfe von Schleusen schiffbar sind.

Baiser (franz., spr. bäseh), Kuß; Zuckergebäck, welches aus zwei Halbkugeln besteht, die mit Schlagsahne gefüllt sind.

Baisse (franz., spr. bäß), Fallen, Sinken des Kurses von Wertpapieren; die darauf gerichtete Spekulation wird Spekulation à la b. genannt. Baissier (spr. bäßjeh), auch Fixer, Kontermineur, der an der Börse auf den Fall der Kurse spekulierende Verkäufer. Der Baissier stellt seine Verkäufe auf festen oder fixen Termin, vor dem der Käufer die Lieferung nicht verlangen darf; daher der Name Fixer. Der Gegensatz ist Haussier oder Mineur. In England wird der Baissier Bear (spr. behr, "Bär"), der Haussier Bull (spr. bull, "Stier") genannt.

Baiter, Johann Georg, Philolog, geb. 31. Mai 1801 zu Zürich, studierte daselbst und seit 1824 in München, Göttingen und Königsberg bis 1829, ward 1833 Oberlehrer am Gymnasium in Zürich (dessen Prorektor er 1837-39, 1843-45 und 1849-65 war), erhielt gleichzeitig eine außerordentliche Professur an der dortigen Hochschule, die er jedoch 1849 niederlegte, und starb daselbst 10. Okt. 1877. Seine Hauptbedeutung liegt in seiner kritischen Thätigkeit, besonders zu den griechischen Rednern und zu Cicero. So ließ er den "Panegyrikos" des Isokrates (Leipz. 1831) erscheinen, war als Mitarbeiter an Bremis Ausgabe des Isokrates (Gotha 1831, Bd. 1) thätig, verband sich mit Sauppe zur Herausgabe des Lykurg (Zür. 1834) und vor allem der "Oratores attici" (das. 1838-50, 9 Bde.; der Text auch in 8 Teilen, das. 1838-43) und lieferte den "Isokrates" für die Didotsche Sammlung der griechischen Klassiker (Par. 1846). Anderseits beteiligte er sich an Orellis "Ciceronis scholiastae" (Zür. 1833) und dessen "Onomasticum Tullianum" (das. 1836-38, 3 Bde.), besorgte mit Orelli den 1. und 3., mit Halm den 2. und 4. Band der 2. Auflage von Orellis "Cicero" (das. 1845-61) und bearbeitete mit Kaiser die Tauch-^[folgende Seite]