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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baja; Bajä; Bajada del Parana; Bajadēren

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Baja - Bajaderen.

nitzsche Ausgabe des "Cicero" (Bd. 6-11, Leipz. 1863-69). Sonst nennen wir die mit Orelli und Winckelmann besorgte Ausgabe des Platon (Zür. 1839-42, 2 Bde.; auch in kleinerm Format, das. 1839 bis 1841, 21 Bdchn., zum Teil in mehreren Auflagen) sowie die mit Orelli bearbeitete Ausgabe der neuentdeckten "Fabellae jambicae" des Babrios (das. 1845).

Baja, Stadt im ungar. Komitat Bács-Bodrog, an der Donau und der neueröffneten Eisenbahnlinie B.-Maria-Theresiopol, mit prächtigem Schloß, Kavalleriekaserne, katholischer und reform. Kirche, Franziskaner- und Cistercienserkloster, Präparandie, Synagoge, kath. Gymnasium (seit 1815) und Bezirksgericht, großem Getreide- und Schweinehandel und (1881) 19,241 Einw.

Bajä, im Altertum Badeort in Kampanien, westlich von Neapolis am Busen von B. (jetzt Golf von Pozzuoli), Puteoli gegenüber, durch die Schönheit seiner Umgebung, seine heilkräftigen Quellen (früher Aquae Cumanae genannt) und die genußreiche Badesaison in der ganzen römischen Welt hochberühmt. Die herrliche Lage der Stadt am Strande, das milde Klima, die zahlreichen Naturmerkwürdigkeiten und interessanten Punkte in der Umgegend (der geheimnisvolle Averner See und der Lukriner See, die Grotte der Sibylle, die Elysäischen Felder, das uralte Cumä, der Acherusische See, der Hafen von Misenum, wo die römische Mittelmeerflotte stationierte, das aussichtsreiche Vorgebirge Misenum etc.), ebenso die ausgewählte Gesellschaft, welche man dort antraf, luden bereits zur Zeit der Republik (um 90 v. Chr.) zahlreiche vornehme Römer zur Ansiedelung ein, und bald war der Strand des Golfs und die ihn umsäumenden Hügel mit Palästen, glänzenden Villen, Tempeln und allerlei Anlagen so dicht besetzt, daß sich von B. bis zum gegenüberliegenden Puteoli (Pozzuoli) nur Eine große Stadt auszudehnen schien. Die Bäder von B. waren warme Mineralquellen, vorzüglich aber natürliche Schwefeldampfbäder. Die Dämpfe brachen an mehreren Orten hervor und wurden zu Schwitzbädern benutzt. Von dem Gewühl und Getöse in den Badeanstalten der Stadt gibt Seneca (Ep. 56) aus eigner Anschauung eine lebendige Schilderung. Aber außerdem war B. auch mit glänzenden Bauten und Einrichtungen für die Gesunden, die in noch größerer Anzahl zu ihrem Vergnügen nach B. kamen, aufs reichste ausgestattet. Immer neue kaiserliche Paläste entstanden, in deren Pracht jeder Herrscher seinen Vorgänger zu überbieten suchte; selbst Alexander Severus ließ noch prunkende Paläste und künstliche Teiche (Piscinen) anlegen. So war B. neben dem berühmtesten Badeort der römischen Welt auch der Zentralpunkt der römischen Eleganz und Üppigkeit geworden. Die Zügellosigkeit des Badelebens daselbst war sprichwörtlich und wird von Varro, Cicero, Seneca, Propertius u. a. scharf gerügt. Vgl. Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms, Bd. 2 (5. Aufl., Leipz. 1881). In der römischen Geschichte wird B. mehrmals, aber fast nur bei unerfreulichen Ereignissen, genannt. Hier schlossen Cäsar, Pompejus und Crassus das Bündnis zum Untergang der Republik; hier war es, wo Nero seine Mutter Agrippina in das Schiff begleitete, in welchem sie den Tod finden sollte; hier starb Hadrian. Durch die Einfälle der Sarazenen begannen die Ufer des Golfs von B. zuerst zu veröden; aber noch Sannázar (gest. 1536) in seinem Roman "Arcadia" besingt die verführerische Stadt, und der Dichter Pontanus (gest. 1530) nennt sie noch den Ruin der Alten und Jungen. Endlich während der Kriege Ludwigs XII. wurde B. ganz verlassen. Jetzt ist die Gegend verödet, und verpestete Luft weht daselbst; nur Bauern und Fischer wohnen in ärmlichen Hütten zwischen den Trümmern der alten Prachtstadt. Unter den Ruinen sind die sogen. Tempel des Merkur (ein Rundbau mit Lichtöffnung, wahrscheinlich ein großes Frigidarium, 44 m im Durchmesser), der Diana und der Venus die imposantesten. Südlich davon das Kastell von B., das der Vizekönig Peter von Toledo zum Schutz des Hafens gegen die Türken errichten ließ.

Bajada del Parana (B. da Santa Fé), Hauptstadt der Provinz Entre Rias in der Argentinischen Republik in Südamerika, am linken Ufer des Parana, Santa Fé gegenüber, gelegen, 1730 gegründet, war 1852-61 Bundeshauptstadt der ganzen Republik und hat sich während dieser Zeit ungemein rasch vergrößert. Sie besitzt mehrere Kirchen, einen eleganten Regierungspalast, ein Theater etc., macht aber, seit sie zur Provinzialhauptstadt herabgesunken ist, einen öden, ruinenhaften Eindruck. Die vorwiegend Handel treibende Bevölkerung beziffert sich auf etwa 6000 Einw.

Bajadēren, ursprünglich portugiesische, dann allgemein üblich gewordene Benennung der indischen Tänzerinnen und Buhldirnen. In Indien heißen sie Dewedaschies ("Dienerinnen der Götter"), weil sie dem Dienste der Tempel geweiht sind, in einigen Ländern, wie in Ceylon, Pegu, Siam etc., Arambhé, nach der Göttin des Tanzes, Rambhâ. Die B. opfern jährlich der Rambhâ sowie deren Mutter und dem Liebesgott Kâma. Ihr Hauptgeschäft ist, vor ihrem Gott zu tanzen und sein Lob zu singen; auch müssen sie die Tempel und die Wohnungen der Priester rein erhalten. Es ist ein großer Unterschied zwischen den B. der Haupttempel und denen, welche zur Belustigung der Gäste zu den Natsches (Festen) oder zu den Mahlzeiten gerufen werden. Einige von ihnen führen ein Nomadenleben, ziehen zu zehn oder zwölf im Land umher mit ihren Musikern, welche an dem Gewinn Anteil haben; andre stehen unter der Obhut der Dayas, ausgedienter B., welche die jüngern im Tanz unterweisen; wieder andre sind förmlich Sklavinnen, welche die Matronen sich zur Pflege im Alter verschaffen. Die eigentlichen Dewedaschies zerfallen in zwei Klassen. Zur ersten und vornehmsten gehören die den Hauptgottheiten Wischnu und Siwa, zur zweiten die den Untergottheiten dienenden. Erstere müssen innerhalb der Ringmauer des Tempels wohnen und dürfen dieselbe ohne Erlaubnis des Oberpriesters nicht verlassen; die andern wohnen in Städten und Dörfern, wo sie völlige Freiheit genießen, nur daß sie der Reihe nach in der Pagode Dienst thun und gewissen Feierlichkeiten beiwohnen müssen. Obwohl sie aber völlig frei sind, mischen sie sich doch nie unter die unreinen Parias oder Mauren und Europäer. Noch schwieriger in der Wahl ihres Umganges sind die B. höhern Ranges. Das Strafgesetz bedroht jede Vertraulichkeit einer Person der untern Klassen mit einer Dewedaschie mit Verstümmelung und Verbannung; der strafbaren Dewedaschie aber schert man den Kopf, schneidet ihr die Ohren ab und läßt sie öffentlich geißeln. Die Dewedaschies werden von Kindheit an zu B. erzogen; die vom ersten Rang nimmt man aus den zwei höhern Kasten, die vom zweiten aus den Angesehensten der Sudrakaste. Eine Dewedaschie muß schön von Gesicht, schlank von Wuchs, gelenk in den Gliedern sein, darf nicht den mindesten Körperfehler haben, auch nicht verlobt sein. Bei den B. des zweiten Ranges ist man weniger streng. Vor dem Eintritt wird die Bajadere durch den Ober-^[folgende Seite]