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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Balzstifte; Bam; Bambaja; Bambara; Bamberg

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Balzstifte - Bamberg (Bistum).

in der "Comédie humaine", wie er selbst die Gesamtheit seiner Schriften bezeichnete, vereinigte er: "Scènes de la vie privée" ("La femme de trente ans", "La grenadière", im ganzen 27 Werke); "Scènes de la vie de province" ("Eugénie Grandet" etc.); "Scènes de la vie parisienne" ("La dernière incarnation de Vautrin", "Le père Goriot", "Grandeur et décadence de César Birotteau", "La cousine Bette"); "Scènes de la vie politique"; "Scènes de la vie militaire"; "Scènes de la vie de campagne"; "Études philosophiques" ("La peau de chagrin", "Louis Lambert"); "Études analytiques" ("La physiologie du mariage"). Dazu kommen noch: "Cent contes drolatiques" (3 Bde.), in Geschmack und Sprache Rabelais'; einige Dramen, mit denen er aber keinen Beifall fand, wie "Vautrin" (1840 einmal aufgeführt, dann wegen Immoralität verboten), "La Marâtre" (1848); einige Komödien: "Les ressources de Quinola" (1842) und "Mercadet, ou le faiseur" (1851), welches sehr gefiel und 1868 mit Erfolg wieder aufgenommen wurde. Sein letztes Werk, der Roman "Les parents pauvres", ist auch wohl sein reifstes. Balzacs Romane zeigen eine vorzügliche Schilderung des bürgerlichen Lebens, dem er den Glanz des Reichtums und die eleganten Formen und hochtönenden Namen der Aristokratie andichtet, ohne daß darum seine Personen in Manier und Gesittung ihre Parvenünatur verleugnen. Deshalb fällt auch Balzacs Erfolg mit dem Bürgerkönigtum zusammen. Mit der Julirevolution ging sein Stern auf, in der Februarrevolution, die den vierten Stand zur Herrschaft brachte, erbleichte er, und als B. sich gerade in die neue Lage gefunden hatte, starb er 20. Aug. 1850. Eine andre, wesentliche Stütze seines Ruhms hatte er in der Frauenwelt gefunden, deren Herz er gewann durch "La femme de trente ans" (1831). Weil er die Frauen dies eine Mal vorzüglich getroffen hatte, so glaubten sie ihm nun aufs Wort; ja, selbst seine Übertreibungen wurden dadurch wahr, daß man sie nachahmte. Seinen Erfolg in Frankreich übertraf aber bei weitem der in Europa; überall wurde B. gelesen, man kopierte das Leben seiner Helden und Heldinnen und möblierte sich à la B. So schrieb er Romane auf Romane, ohne die Nachfrage des Publikums und seinen eignen Durst nach Reichtum und Genuß befriedigen zu können. Aber seine ungeheure Produktivität erschöpfte bald seine dichterische Phantasie, und er mußte den niedrigsten Leidenschaften der Menge schmeicheln. In seinen "Contes drolatiques", der "Physiologie du mariage" etc. ist er dem nacktesten Realismus verfallen, und mit Recht nennen ihn die Zola und Genossen ihren Herrn und Meister. So ist der Wert der Schriften Balzacs auch nur ein geringer. Allerdings haben wenige Schriftsteller es verstanden, so treu die Sitten der Zeit und des Landes zu schildern, so tief in die Herzen der Menschen einzudringen und das Beobachtete zu einem lebendigen, überraschend wahren Bild zu vereinigen. Aber seine Schilderungen sind jedes idealen Elements bar, die letzten Gründe menschlicher Handlungen führt er auf die Leidenschaften und den gemeinsten Egoismus zurück, besonders seine Schilderungen des weiblichen Herzens sind oft von empörendem Naturalismus. Dazu kommen häufig eine große Flüchtigkeit in der Anordnung des Stoffes, Geschmacklosigkeit im Ausdruck und so viele Mängel im Stil, daß man über die Langmut der in diesem Punkte doch so fein fühlenden Franzosen staunen muß. Balzacs Werke erscheinen in einzelnen Ausgaben noch jedes Jahr und sind auch mehrmals gesammelt worden, z. B. 1856-59, 45 Bde., und 1869-75, 25 Bde. (der letzte enthält Balzacs Briefwechsel von 1819 bis 1850); eine Ergänzung bildet die "Histoire des œuvres de H. de B." von Lovenjoul (1879). Vgl. Laura Surville (Balzacs Schwester), B., sa vie et ses œuvres (Par. 1858); E. Zola, Über B. (in "Nord und Süd", April 1880); G. Brandes in der "Deutschen Rundschau" (Januar 1881).

Balzstifte, s. Stifte.

Bam, Stadt in der pers. Provinz Kirman, südöstlich von der Stadt Kirman, auf einer Anhöhe, welche die weite Ebene gegen Belutschistan beherrscht, hat drei Moscheen, lebhaften Handel und 10,000 Einw. Die Umgegend liefert vortreffliche Granatäpfel.

Bambaja, Bildhauer, s. Busti.

Bambara (Bamara, Bamana), Negervolk im westlichen Nordafrika (Sudân), mit den Mandinka (s. d.) stammverwandt, deren Verbündete und Rivalen sie abwechselnd auf dem Felde der Eroberungen gewesen sind. Sie bewohnen das Land Segu am obern Niger (Dscholiba) vor dem Zusammenfluß desselben mit dem Bachoy und werden auf 2 Mill. Seelen geschätzt. Physisch und psychisch stehen sie den Mandinka nach, sind überaus kriegerisch und haben durch ihre Beutelust in jüngster Zeit den französischen Expeditionen (Gallieni) großen Schaden bereitet. Sie sind übrigens auch tüchtige Landbebauer, treiben eine lebhafte Web-, Gold- und Eisenindustrie und bekennen sich zum Islam. Zu ihren Schöpfungen gehören außerdem das Reich Segu und das früher bedeutende Dschinni. Das Königtum ist in der Bruderlinie erblich. Die Sprache der B. gehört mit dem Mandinka, Susu und Vei zu den Mandesprachen.

Bamberg, ehemaliges reichsunmittelbares deutsches Bistum, hatte vor der Säkularisation 3580 qkm (65 QM.) mit 207,000 Einw., kaum die Hälfte der Bevölkerung, die es vor der Reformation besaß. Von Kaiser Heinrich II. gestiftet, wurde das Bistum 1007 von Papst Johann VIII. bestätigt. In weltlichen Dingen stand es unter dem besondern Schutz des deutschen Königs, in geistlichen unter dem Papst. Von den 62 Bischöfen war der 1. Heinrichs II. Kanzler Eberhard, 1007-40, die bedeutenden folgende: Der 2., Suidger, wurde 1046 als Clemens II. Papst. Der 6., Hermann, beförderte die Stiftung der Benediktinerabtei Banz durch die Gräfin Alberada (1071), gründete 1073 das Augustinerstift St. Jakob zu Bamberg, wurde später wegen Simonie und Verschwendung beim Papst angeklagt und 1075 abgesetzt. Sein Nachfolger Rupert (gest. 1102) ward, weil er sich 1076 aus der Reichsversammlung zu Worms gegen Gregor VII. erklärte, mit dem Bann belegt, später aber losgesprochen und wieder eingesetzt. Der 8. Bischof, Otto I. von Mistelbach, wurde der berühmte "Apostel der Pommern" 1124, starb 1139 und ward 1189 heilig gesprochen. Von nun an wurden die Bischöfe vom Domkapitel gewählt, obgleich die Kaiser bis 1398 das Ernennungsrecht beanspruchten. Der 15. Bischof, Graf Ekbert von Andechs (1203-37), war Gegner König Philipps und kam 1208 in Verdacht, mit Otto von Wittelsbach bei der Ermordung Philipps einverstanden gewesen zu sein. Er flüchtete sich zu seinem Schwager, König Andreas von Ungarn, wurde seiner bischöflichen Würde entsetzt, geächtet und erst 1214 wieder eingesetzt. Sein zweiter Nachfolger, Poppo, Sohn des Markgrafen Berchtold III. von Istrien, wurde 1242 wegen Vergeudung der Kirchengüter und andrer Vergehen vom Kaiser Friedrich II. entsetzt. Der 18. Bischof, Heinrich von Schmiedefeld (1242-58), erlangte zuerst besondere Hoheitsrechte