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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bamberg

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Bamberg (Stadt).

und von Kaiser Friedrich II. den Titel eines Fürstbischofs. Der 30. Bischof, Lambert von Brunn (1374 bis 1398), Kanzler Kaiser Karls IV., führte neue Abgaben ein, namentlich den Bierpfennig, der noch nach Jahrhunderten der Lambertiner hieß. Friedrich von Aufseß (1421-31) legte teils wegen des Hussitenkriegs, teils wegen der Begünstigung der bambergischen Bürger durch Kaiser Siegmund 1431 die Regierung nieder und starb 1440. Philipp, Graf von Henneberg (1475-87), vertrieb die Juden aus B. und sammelte große Schätze, die seinem Nachfolger Heinrich III., Groß von Trockau (1487-1501), in seinen Kämpfen gegen den Markgrafen Kasimir von Brandenburg sehr zu statten kamen. Der 39. Bischof, Georg III., Erbschenk von Limburg (1505-22), ließ 1507 durch Johann von Schwarzenberg die berühmte Halsgerichtsordnung herausgeben, war vertrauter Ratgeber des Kaisers Maximilian I., besonders 1518 auf dem Reichstag zu Augsburg, korrespondierte mit berühmten Gelehrten und selbst mit Luther und verbot die Bekanntmachung der päpstlichen Bulle gegen letztern. Der 46. Bischof, Ernst von Mengersdorf (1583-91), gründete 1586 das ernestinische Priesterhaus und das Gymnasium illustre und erbaute das Residenzschloß Geyerswörth. Johann Gottfried von Aschhausen (1609-22) rief 1610 die Jesuiten nach B., verfolgte die Protestanten und wurde 1612 Fürstbischof von Würzburg. Johann Georg II., Fuchs von Dornheim (1623-33), verfolgte die Protestanten und floh 1631 vor den Schweden nach Kärnten, wo er starb. Auch Franz von Hatzfeld (1633-42), zugleich Fürstbischof von Würzburg, mußte flüchten; Herzog Bernhard von Weimar bemächtigte sich des Landes und wollte aus den beiden Fürstentümern B. und Würzburg ein Herzogtum Franken bilden, was sein früher Tod vereitelte. Melchior Otto, Voit von Salzburg (1642-53), verwandelte 1648 das Gymnasium illustre in eine Universität. Lothar Franz, Graf von Schönborn (1693-1729), zugleich Koadjutor und Erzbischof von Mainz, leistete in den Kriegen jener Zeit Österreich wichtige Dienste gegen Frankreich, erbaute von 1702 an die jetzige Residenz zu B., 1711-1719 die Schlösser Pommersfelden und Gaibach und versah dieselben mit Gemäldegalerien. Friedrich Karl, Graf von Schönborn (1729-46), zugleich Fürstbischof von Würzburg, gab der Universität 1735 eine medizinische und juristische Fakultät. Der letzte Fürstbischof von B., Christoph Franz von Busek (1795-1805), floh 1796 vor den Franzosen nach Prag und 1799 nach Saalfeld. Nach seiner zweiten Rückkehr ließ er (1800) seinen Neffen, den Fürstbischof Georg Karl von Fechenbach zu Würzburg, zum Koadjutor und Nachfolger bestellen. Aber schon 1802 wurde das Hochstift säkularisiert und dem Kurfürsten von Bayern übergeben. Infolge des Konkordats von 1817 trat später an die Stelle des ehemaligen Bischofs von B. ein Erzbischof, dessen Diözese den nördlichen Teil von Bayern umfaßt, und welchem die Bischöfe von Würzburg, Eichstätt und Speier untergeordnet sind. Vgl. Jäck; Geschichte der Provinz B. 1006-1811 (Bamb. 1811, 4 Bde.); Derselbe, Bambergische Jahrbücher von 741 bis 1833 (das. 1829 bis 1834, 5 Bde.); "Monumenta Bambergensia", herausgegeben von Jaffé (Berl. 1869).

Bamberg, unmittelbare Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, sonst die Hauptstadt des Fürstbistums B., liegt (242 m ü. M.) an der Regnitz, die 3,5 km unterhalb in den Main geht, in einer der fruchtbarsten, anmutigsten Gegenden Deutschlands, an den Linien München-Ingolstadt-B.-Hof und B.-Würzburg der Bayrischen Staatsbahn. Die Stadt selbst liegt der Hauptmasse nach in der Thalebene, ein großer Teil derselben aber (auf dem linken Ufer der Regnitz) zieht sich amphitheatralisch über fünf Hügel hinan; der Stadtteil jenseit des rechten Arms der Regnitz, mit der lebhaften Königs- und der neuen Eisenbahnstraße, steht mit der Stadt durch die Ludwigs-Kettenbrücke (1828-29 erbaut) und die Sophienbrücke (Gitterbrücke, 1867 erbaut) in Verbindung. Unter den übrigen acht Brücken ist die in der Mitte der Stadt liegende Obere Brücke beachtenswert, die schon 1452-56 von Hans Forchheimer errichtet wurde. Öffentliche Plätze sind der Domplatz, der Maximiliansplatz mit einem monumentalen Brunnen, der Schönleinsplatz mit Büste des Arztes Schönlein und der Schillerplatz. Unter den Gebäuden nimmt der auf einer Anhöhe in majestätischer Pracht sich erhebende Dom (s. Tafel "Baukunst IX", Fig. 3-5), eins der ausgezeichnetsten Werke der spätromanischen Architektur, die oberste Stelle ein. Derselbe wurde um 1004 von Kaiser Heinrich II. gegründet und 1012 vom Patriarchen von Aquileja eingeweiht, brannte dann 1081 und später nieder, wurde im 13. Jahrh. wieder aufgebaut und 1828-1837 durch König Ludwig I. vollständig restauriert. Er hat ein von N. nach S. gerichtetes, verkürztes Hauptschiff; die Länge beträgt 105,3, die Breite 30,7 m. An den beiden Enden des Hauptschiffs schließen sich zwei Chöre an: das Georgenchor gegen O. und das Peterschor gegen W. Unter dem erstern Chor liegt eine große, auf Säulen ruhende Krypte (mit einem Ziehbrunnen und dem Sarkophag des deutschen Königs Konrad III.). Die Hauptzierde des Doms sind seine vier Türme von denen je zwei sich neben den Chören erheben. Die Kirche hat vier Portale, von welchen das Portal der nördlichen Langseite (die "Fürstenthür", mit dem Jüngsten Gericht) am reichsten verziert ist. Im Innern, das durch großartige Einfachheit und Majestät imponiert, tragen zehn Hauptpfeiler das Gewölbe des Schiffs. Unter zahlreichen Grabmälern ist das ausgezeichnetste das des Kaisers Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde, im Schiff der Kirche, von Tillmann Riemschneider 1499-1513 aus weißem Salzburger Marmor gearbeitet. An trefflichen Bildhauerwerken sind vorhanden eine Reiterstatue (wohl Konrads III., nicht Stephans des Heiligen von Ungarn), das prachtvolle, 8½ kg schwere Elfenbeinkruzifix auf dem Marienaltar (angeblich aus dem 4. Jahrh. und vom Kaiser Heinrich II. dem Dom geschenkt), das moderne eherne Christusbild auf dem Altar des Georgenchors (nach Schwanthaler), die 22 Heiligen-Hautreliefs (von Schönlaub) und die alten Chorstühle ebendaselbst. Der Domschatz enthält wertvolle Reliquien, namentlich von Kaiser Heinrich II. und seiner Gemahlin (z. B. seinen Schädel, seine Krone, sein Trinkhorn und Messer, ferner der Kaiserin Kamm etc.). Von den übrigen Kirchen (B. hat im ganzen 14 Kirchen, darunter 1 protestantische und 1 Synagoge) verdienen noch Erwähnung: die Jakobskirche, eine Säulenbasilika (zwischen 1073 und 1109 errichtet), die St. Martinskirche, am Markt (1686-1720 von den Jesuiten erbaut), und die Obere Pfarr- oder Marienkirche, im reinsten gotischen Stil (1320-87 errichtet). Von Klöstern besitzt B. nur

^[Abb.: Wappen von Bamberg.]