Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bambusa; Bambuskampfer; Bamian

306

Bambusa - Bamian.

durch Karawanen an die Europäer verhandeln. Sie sind noch größtenteils Heiden ohne besondern Kultus. Ihre Sprache ist ein vielfach mit portugiesischen Wörtern versetzter unreiner Dialekt der Mandinkasprache. In politischer Hinsicht zerfällt das Land in eine große Anzahl kleiner Mandinkastaaten. Der bedeutendste Ort ist Farabana. B. ward schon von den Portugiesen im 15. Jahrh. besetzt, die aber schlecht wirtschafteten, so daß sie von den Einwohnern wieder vertrieben wurden. Die geographische Untersuchung Bambuks ging zuerst von der Französisch-Afrikanischen Handelsgesellschaft des vorigen Jahrhunderts aus, welche das von den Fulbe und Mandinka in den Handel gebrachte Gold aus nächster Quelle haben wollte. Mit Überwindung der schwierigsten Verhältnisse wurden Niederlassungen in Galam gegründet, von wo aus der Baumeister de Compagnon 1716 seine Reise unternahm. Um die Mitte des 18. Jahrh. waren an verschiedenen Orten Bambuks kleine Kontore errichtet, welche mittlerweile verloren gingen, aber in neuerer Zeit (wie das zu Farabana) wiederhergestellt wurden. Im 18. Jahrh. trugen Mungo Park und besonders der Major Houghton viel zur Kenntnis von B. bei, und zum besondern Gegenstand ihrer Untersuchung machte es eine französische Expedition 1843 bis 1844, deren Resultate Raffenel in seiner "Voyage dans l'Afrique occidentale" (Par. 1846) mitgeteilt hat. Seit die Franzosen immer weiter am Senegal vordrangen, kamen sie in freundliche Beziehungen zu B., dessen Bewohner sie gegen die Raubzüge des Hadsch Omar beschützten, welcher bis hierher sein mohammedanisches Reich ausdehnen wollte. Durch Leutnant S. L. Pascal, dem wir eine gute Schilderung des Landes verdanken, wurde 1859 zwischen den Franzosen und den Mandinkahäuptlingen ein Freundschaftsbündnis abgeschlossen.

Bambusa Schreb. (Bambus), Gattung aus der Familie der Gramineen, in welcher diese letztere ihre höchste Entwickelung erreicht, baumartige Gewächse mit schlanken, holzigen, nicht selten verzweigten Halmen, luftigen, zierlichen Blätterkronen, grasartigen Blättern und bisweilen riesigen Blütenrispen. Man kennt über 180 Arten in Asien, Amerika und Afrika; sie gehören überall den wärmern Ländern an, doch bildet B. (Chusquea) aristata Mart. in der östlichen Andenkette noch bei 4700 m Höhe undurchdringliche Dickichte und geht selbst bis zur Schneegrenze, auch im Himalaja steigen einige Arten bis 3800 m, und B. Metake Sieb. aus Japan und mehrere chinesische Arten gedeihen in Frankreich und Belgien. Die Bambusen erreichen riesige Dimensionen (B. Brandisii Shuttl. wird 38 m hoch bei 80 cm Stammumfang). Sie gehören zu den nützlichsten Gewächsen, und B. arundinacea Willd. (das gemeine Bambusrohr, s. Tafel "Nahrungspflanzen III") ist in dieser Hinsicht nur mit der Kokospalme zu vergleichen. Seine eigentliche Heimat ist unbekannt, man findet es in beiden Hemisphären, und es gedeiht in Algerien und in Südfrankreich üppig. Aus dem Rhizom schießen zahlreiche Halme 18 m und höher mit großer Schnelligkeit auf, die Blätter sind 16 cm lang, aber nur 1,3 cm breit, die Blüten sollen erst im 25. Jahr und dann so reichlich erscheinen, daß die Pflanzen durch die große Produktion von Früchten erschöpft werden und ganz oder bis auf das Rhizom absterben. B. gigantea Poir. blüht erst im 30. Lebensjahr. B. Tulda Miq. in Hinterindien erreicht in einem Monat die Höhe von 22 m. Im Gebiet des Amazonenstroms ist B. latifolia Mart. ein hervorragender Bestandteil der Vegetation. Aus China und Japan sind buntblätterige Bambusen eingeführt, von denen besonders die japanische, niedrig bleibende B. Fortunei hort. als hübsche Zierpflanze empfehlenswert ist. Die jungen Schößlinge des Bambusrohrs werden als Gemüse genossen oder in Essig eingemacht und kommen als Achia in den Handel; das haferähnliche Korn hat als Brotfrucht eine große Bedeutung. Aus dem zähen, leichten und sehr harten Holz werden Häuser erbaut, und oft ist zu einem ganzen Dorf kein andres Material als Bambus verwendet; fast die ganze Hauptstadt von Siam schwimmt auf Bambusflößen; aus Bambus baut man Brücken und Wasserleitungen, fertigt Möbel und allerlei Hausgerät, auch zierliche Kunstsachen, wie Körbchen, Vorhänge, Dosen. etc.; langes, krauses Geschabsel dient zum Polstern; ein Span von keilförmigem Querschnitt, dessen scharfe Kante von der kieselreichen äußern, ungemein harten Schicht gebildet wird, gibt ein sehr scharfes Messer; dieselbe äußere Schicht dient als Wetzstein für eiserne Messer. In einer Bambusröhre, die dabei zwar verkohlt, aber nicht verbrennt, kocht der Javaner an einem Bambusfeuer junge Bambustriebe. In China wird das meiste Papier aus jungen Bambustrieben erzeugt und auf Jamaica sehr viel Bambusfaser für die nordamerikanische Papierfabrikation gewonnen. Aus schmalen Streifen flicht man Hüte, Körbe, Reusen; zerklopfter Bambussplint liefert Pinsel. Für den Krieg macht man aus Bambus Blasrohre, Pfeilschäfte und Pfeilspitzen, Lanzen, Palissaden. B. spinosa Ham. gibt undurchdringliche Hecken, eine kletternde Art wird zu allerlei Flechtwerk, Säcken, selbst Jacken verarbeitet; die Verwendung zu Stöcken (Pfefferrohr), Regenschirmstielen ist auch bei uns bekannt. In Java, China, Tahiti liefert der Bambus allerlei Musikinstrumente. In den Knoten alter Halme bildet sich eine Kieselkonkretion, der Bambuskampfer (Bambuszucker, Tabascheer), welcher in der chinesischen Medizin, auch als Poliermittel benutzt und in großer Menge nach Arabien exportiert wird. Vgl. Rivière, Les Bambous (Par. 1879).

Bambuskampfer (Bambuszucker), s. Bambusa.

Bamian, Name eines Gebirgsthals im nördlichen Afghanistan, durch welches der gangbarste Paßübergang über das Hindukuschgebirge führt, der selbst für schwere Fuhrwerke und Artillerie brauchbar ist. Es ist etwa 2 km breit und mit steil abfallenden Konglomeratmassen eingefaßt; die Meereshöhe des Orts B. wird zu 2587 m angegeben. Merkwürdig ist das Thal wegen der bewundernswürdigen Altertümer, die es umschließt, und deren genaue Beschreibung und Entzifferung noch der Zeit vorbehalten ist, wo dieses Gebiet Europäern ohne Gefahr zugänglich sein wird. Am bekanntesten darunter sind die buddhistischen Denkmäler, welche sich an den senkrechten Felsenwänden zu beiden Seiten des Thals und zwar auf der nördlichen Seite in einer ununterbrochenen Reihe von etwa 11 km Länge befinden. Hier stehen die beiden größten Figuren in Nischen; es sind in Stein ausgehauene Standbilder des Buddha in der Stellung als Lehrer, 32-48 m hoch. Noch im 7. Jahrh. n. Chr. sah sie der chinesische Pilgrim Hiuen Thsang gut erhalten in Kolorit und Vergoldung; jetzt sind die vorstehenden Teile der Arme etc. abgeschlagen, und ebenso beschädigt sind die Basreliefs und Verzierungen an den Wänden. An die ausgedehnten Höhlen in diesem Engpaß knüpfen sich viele Sagen, sie dienen den Reisenden auch als Schutz. Im englisch-afghanischen Krieg wurde Dost Mohammed 18. Sept. 1840 in den Defileen, zwischen denen der Abstieg nach B. stattfindet, durch Oberst Dannie auf Chulm