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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Barbăra; Barbarelli; Barbareskenstaaten; Barbari; Barbarismus; Barbarossa; Barbaroux; Barbastro

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Barbara - Barbastro.

derstanden. Mit besonderer Rücksicht auf die Sprache gebrauchte man das Wort barbarisch auch von allem Fehlerhaften im mündlichen und schriftlichen Ausdruck, und diesen Sinn neben der Bedeutung von Roheit und Grausamkeit hat das Wort bis heute bewahrt (s. Barbarismus). Vgl. Roth, Über Sinn und Gebrauch des Worts B. (Nürnb. 1843).

Barbăra, bei den alten Logikern ein Schlußmodus der ersten Figur, in welchem alle drei Sätze allgemein bejahend sind (A A A), z. B.: Alle Menschen sind sterblich, alle Gelehrten sind Menschen, also sind alle Gelehrten sterblich. Vgl. Schluß.

Barbăra ("die Fremde"), Heilige und Märtyrerin, nach der Legende aus Nikomedia in Kleinasien gebürtig, wurde von ihrem Vater, weil sie Christin geworden, in einen Turm gesperrt, dann von dem Prokonsul Marianus verstümmelt und schließlich von ihrem Vater, welchen zur Strafe dafür der Blitz traf, ums Jahr 240 (nach andern 306) enthauptet. Ihr Gedächtnistag ist der 4. Dezember. Sie ist die Schutzpatronin der Krieger, insbesondere der Artilleristen, wird zum Schutz gegen das Gewitter und von allen denen angerufen, die von einem unbußfertigen Tod bedroht sind, namentlich von Bergleuten in Stollen. In der bildenden Kunst wird sie mit einem Turm, der drei Fenster hat (Symbole der Dreieinigkeit), mit Kanonenläufen, mit Palme und Monstranz, bez. Kelch, abgebildet. Ihre berühmteste Darstellung ist das Altarbild von Palma Vecchio in San Maria Formosa zu Venedig. Auf französischen Kriegsschiffen hieß früher die ihrem Schutz befohlene Pulverkammer Sainte-Barbe.

Barbarelli, Giorgio, ital. Maler, s. Giorgione da Castelfranco.

Barbareskenstaaten, s. Berberei.

Barbari, Jacopo de', ital. Maler, bildete sich unter dem Einfluß des Giov. Bellini, war von 1472 bis gegen 1500 in Venedig thätig, ging dann nach Deutschland, wo er unter dem Namen Jakob Walch, d. h. der Welsche, zu großem Ansehen gelangte. In Nürnberg wurde er mit Dürer bekannt und übte auf ihn und Hans von Kulmbach großen Einfluß. Er trat dann in die Dienste des Grafen Philipp von Burgund und war zuletzt Hofmaler der Erzherzogin Margarete in Brüssel, wo er vor 1515 starb. Seine Gemälde sind selten. Eine Madonna mit zwei Heiligen in Paris und eine Madonna mit zwei Heiligen und der Stifterin im Berliner Museum zeigen noch ganz die bellineske Art. Die Galerie zu Weimar besitzt einen Christuskopf, die Galerie in Augsburg ein Stillleben von 1504. Seine Gemälde und Kupferstiche tragen meist einen Merkurstab als Zeichen. Daher wird er auch Meister mit dem Caduceus genannt.

Barbarismus (griech.), in der Rhetorik s. v. w. Sprachwidrigkeit, fehlerhafter Gebrauch eines Worts oder Mischung der einheimischen Rede mit fremden Formen oder Worten. In der Poesie dient er zuweilen als Mittel zu komischen Darstellungen, wie z. B. in der makkaronischen Poesie. Vgl. Barbar und Antibarbarus.

Barbarossa (ital., "Rotbart"), Beiname Kaiser Friedrichs I. (s. d.).

Barbarossa, 1) Horuk (Aruk oder Urudsch), gefürchteter Seeräuber des 16. Jahrh., Gründer der Osmanenherrschaft in Nordafrika, geboren um 1473, war der Sohn eines zum Islam übergetretenen Töpfers zu Mytilene (Kastro) auf Lesbos. Mit seinem Bruder trat er in die Dienste Mohammeds, des Emirs von Tunis, und wurde bald an die Spitze einer großen Flotte gestellt. 1515 vom Emir Eutemi von Algier gegen die Spanier zu Hilfe gerufen, verjagte er die spanische Flotte, ließ aber den Emir erdrosseln und sich selbst zum Herrscher Algiers ausrufen. Nach vielen Siegen ward er bei Oran von dem spanischen Statthalter Marchese de Gomarez geschlagen und auf der Flucht 1518 getötet.

2) Chaireddin (Dschereddin), jüngerer Bruder des vorigen, brachte 1519 durch einen Vertrag mit Sultan Selim I. Algier unter die Oberherrlichkeit der Pforte, wurde zum Pascha ernannt und erhielt den Oberbefehl über ein Korps von 10,000 Janitscharen. Nun vertrieb er die Spanier aus Algier und nahm 1533 Tunis, wo er den Usurpator Mulei Hassan verjagte. Um den unerträglichen Seeräuberzügen Barbarossas Einhalt zu thun und zu Hilfe gerufen von den Maltesern und dem vertriebenen Mulei Hassan, landete Kaiser Karl V. 18. Juli 1535 mit 500 Schiffen und 30,000 Mann Landtruppen bei Tunis, worauf Goletta erstürmt und die feindliche Flotte von 86 Schiffen nebst ungeheuern Vorräten erbeutet wurden. Dann brach das Christenheer gegen Tunis selbst aus; Chaireddin ward 20. Juli geschlagen und fand, als er zur Stadt zurückfloh, die Citadelle in der Gewalt von 8000 Christensklaven, welche sich befreit hatten. Karl V. setzte Mulei Hassan als spanischen Vasallen ein. B. flüchtete nach Algier und setzte von hier aus seine Räubereien fort. 1536 wurde er vom Sultan Soliman II. zum Oberbefehlshaber der türkischen Seemacht (Beglerbeg des Meers) ernannt. Er schleppte die Einwohner von Port Mahon auf Menorca weg, verwüstete die Ionischen Inseln, schlug im Golf von Arta selbst den kaiserlichen Admiral Doria, eroberte 1539 nach langer Belagerung Castelnuovo an der dalmatischen Küste, vernichtete 1540 eine christliche Flotte bei der Insel Kandia, plünderte 1543 mit Frankreich im Bund Nizza und starb, bald darauf mit 7000 Gefangenen in Konstantinopel angelangt, hier 4. Juli 1546 in hohem Alter.

Barbaroux (spr. -ruh), Charles Jean, Girondist, geb. 6. März 1767 zu Marseille, war beim Ausbruch der Revolution dort Advokat, trug durch sein Journal "L'observateur marseillais" wesentlich zum Anschluß Marseilles an die Revolution bei und wurde Sekretär der Stadtgemeinde. Ein schöner, feuriger Mann, beherrschte er durch seine Beredsamkeit die Menge und führte 1792 die Demokraten von Marseille zum Schutz der Republikaner nach Paris, wo er an den Ereignissen des 10. August hervorragenden Anteil nahm. Er wurde darauf in den Konvent gewählt und schloß sich hier den Girondisten (s. d.) an. Für den Tod des Königs stimmte er mit Vorbehalt der Appellation an das Volk. Mit großer Kühnheit trat er gegen Marat und Robespierre auf und ward daher 2. Juni 1793 trotz seiner beredten Verteidigung als Royalist und Feind der Republik verhaftet. Er entkam nach dem Calvados und flüchtete von hier mit einigen Parteifreunden in die Gironde. Da sie aber dort keine Unterstützung fanden und in dem Versteck zu St.-Emilion, wohin sie geflüchtet, entdeckt wurden, suchte B. sich durch einen Pistolenschuß zu töten. Da dies mißlang, wurde er ergriffen und 25. Juni 1794 mit Guadet und Salles zu Bordeaux guillotiniert. Seine Memoiren sind abgedruckt in den von Baudouin herausgegebenen "Mémoires relatifs à la Révolution" (1822).

Barbastro, Bezirksstadt in der span. Provinz Huesca, rechts am Vero, der sich unterhalb mit dem Cinca vereinigt, und an einem Zweig der Eisenbahn Barcelona-Saragossa gelegen, Bischofsitz, mit alter Kathedrale und (1878) 8164 Einw.