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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Barbatelli; Barbātus; Barbauld; Barbe; Barbé-Marbois; Barbecue; Barbédienne

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Barbatelli - Barbé-Marbois.

Barbatelli, Bernardo, Maler, s. Poccetti.

Barbātus (lat.), bärtig.

Barbauld (spr. -boh), Anna Lätitia, geborne Aikin, engl. Dichterin und Schriftstellerin, geb. 20. Juni 1743 zu Kilworth-Harcourt in Leicester, wo ihr Vater Geistlicher war, veröffentlichte 1773 "Poems", die in Jahresfrist vier Auflagen erlebten, und gewann so Mut, sofort "Miscellaneous pieces in prosa" (Lond. 1773) folgen zu lassen, welche ebenfalls großen Beifall fanden. Seit 1774 Gemahlin Rochemont Barbaulds, eines Dissentergeistlichen und Vorstehers einer Privaterziehungsanstalt zu Palgrave in Suffolk, widmete sie sich vorzugsweise dem Jugendunterricht, verweilte, als ihr Gatte die Anstalt aufgab, mit demselben 1785 und 1786 in der Schweiz und in Frankreich, ließ sich dann zu Hampstead in Middlesex und 1802 zu Stoke-Newington nieder, wohin ihr Gatte als Geistlicher berufen war, verließ 1801, durch eine hämische Kritik tief verletzt, die schriftstellerische Laufbahn und starb 9. März 1825. Nachdem sie 1775 ihre "Devotional pieces" nach biblischen Motiven herausgegeben, schrieb sie für ihre Kinderschar die "Hymns in prose", die in viele Sprachen (deutsch von Jolowicz, Bromb. 1869) übersetzt wurden, und förderte die Kunst der ersten Erziehung durch die epochemachenden "Early lessons" (letzte Ausg. 1869). Späterhin lieferte sie Ausgaben der "Pleasures of imagination" von Akenside und der Oden Collins', eine Auswahl der Briefe Sam. Richardsons, eine Ausgabe der englischen Romandichter (1810, 50 Bde.), alles mit kritischen und biographischen Zuthaten, endlich "Selections from the Spectator, Tatler etc." (neue Ausg. 1864, 2 Bde.). Eine Auswahl ihrer Schriften ist: "The female speaker" (Lond. 1811). Ihren letzten poetischen Aufschwung nahm sie in der Ode "Eigtheen hundred and eleven" ^[richtig: Eighteen hundred and eleven] (1811). Eine Sammlung der ältern Werke der B. veranstaltete ihre Nichte Lucy Aikin (mit Biographie, Lond. 1825, 2 Bde.). Dieselbe gab auch noch aus den Papieren der Dichterin "A legacy for young ladies" (Lond. 1826) heraus. Scharfsinn, Wärme und Zartheit des Gefühls, verbunden mit Klarheit und Eleganz des Stils, sind bemerkenswerte Vorzüge der Verfasserin. Vgl. A. Le Breton, Memoir of Mrs. B. (Lond. 1874); Murch, Mrs. B. and her contemporaries (das. 1877).

Barbe, Geistlicher bei den Waldensern; Streifen von Spitzen an Frauenhauben. - In der Kupferstecherkunst der rauhe, etwas erhabene und zackige Rand, welcher durch die Arbeit des Stichels und der kalten Nadel hinterlassen wird und durch das Schabeisen hinweg genommen werden muß.

Barbe (Barbus Cuv.), Fischgattung aus der Ordnung der Edelfische und der Familie der Karpfen (Cyprinoidei), Fische mit gestrecktem, mehr oder minder spindelförmigem Körper, kurzer After- und Rückenflosse, welch letztere mit einem starken Knochenstrahl beginnt, gabeliger Schwanzflosse, lang vorgestreckter Schnauze, vier Bartfäden an der obern Kinnlade des unterständigen Mauls und drei Reihen kegelförmiger, nach hinten hakig umgebogener Zähne, von denen je die beiden hintern löffelförmig ausgehöhlt sind. Die gemeine B. (B. fluviatilis Agass.), bis 70 cm lang und 5, ausnahmsweise 12 kg schwer, ist auf dem Rücken grün, an den Seiten heller, am Bauch grünlichweiß, mit bläulicher Rückenflosse, gleichfarbiger, schwärzlich gesäumter Afterflosse und rötlichen Brust- und Bauchflossen, ist in Flüssen Mitteleuropas sehr häufig, liebt vornehmlich klare Gewässer mit steinigem Boden, hält sich hier zwischen Wasserpflanzen, im Winter unter Steinen oder in Höhlungen in der Tiefe, vergräbt sich auch wohl haufenweise am Uferrand, ist besonders nachts sehr lebendig und nährt sich von kleinen Fischen, Gewürm, Aas, Kot und Wasserpflanzen. Die Barben laichen im dritten Jahr im Mai und Juni auf Steinen, gehen dabei in Zügen von 100 Stück und mehr gegen den Strom und schnellen gern aus dem Wasser heraus. Zu dieser Zeit werden sie sehr häufig gefangen und zum Teil als Viehfutter verkauft. Sie ziehen sehr gern den Flachsrösten nach, besonders in der Weser, und werden daselbst fett und schmackhaft. Die B. eignet sich gut für Teichwirtschaft, weil sie die trägern Karpfen in Bewegung bringt; auch in Aquarien hält sie sich. Das Fleisch ist schmackhaft, der Rogen aber verursacht leicht Erbrechen und Durchfall. Die B. kam schon bei den alten Griechen und Römern häufig auf die Tafel.

Barbe (spr. barb), Insel im franz. Departement Rhône, in der Saône, 3 km von Lyon, in höchst malerischer Lage, 565 m lang und 125 m breit, Lieblingsausflug der Lyoner. Auf dem hohen Nordende stehen zwischen wilden Felsenmassen und Gebüsch die verfallenen Mauern einer alten Burg, an der Südseite ein altertümlicher Turm. Schon im 2. Jahrh. flüchteten sich die Christen vor Antonins Verfolgung auf die Felseninsel, die sie wegen ihres wilden Aussehens Barbara nannten, woraus später B. wurde. Darauf entstand daselbst ein Kloster. Karl d. Gr., dem die Insel gefiel, ließ für sich die erwähnte Burg erbauen und die erste Bibliothek darin anlegen, welche später als Librairie de Charlemagne in Frankreich berühmt war. Die Bibliothek sowie die Abtei selbst wurden 1562 von den Calvinisten verbrannt. Bis zur Revolution waren noch einige Gebäude der Abtei übrig.

Barbecue (spr. bárbekju; korrumpiert aus dem franz. barbe à queue, "vom Maul bis zum Schwanz"), auf den westind. Inseln ein ganzes geröstetes Schwein, in Nordamerika ein so zubereiteter Ochs; in den Südstaaten eine Festlichkeit im Freien, bei welcher ganze Ochsen, Kälber, Schweine, Schafe etc. gebraten und verzehrt werden.

Barbédienne (spr. -djenn), François, franz. Bronzewarenfabrikant, geb. 1810 zu St.-Martin de Fresnoy (Calvados), eröffnete 1838 in Paris ein Atelier zur Reproduktion von Meisterwerken der antiken und modernen Plastik in Bronzeguß und associierte sich mit Achille Collas, dem Erfinder der Reliefmaschine (s. d.). Seine Fabrikate zeichneten sich durch Reinheit des Stils und Vortrefflichkeit der Technik bald derartig aus, daß er 1851 in London zwei große Medaillen erhielt und ihm zu gleicher Zeit die innere Ausstattung des Pariser Stadthauses übertragen wurde. 1855 wurde er auf der Weltausstellung mit der Ehrenmedaille ausgezeichnet und 1874 zum Kommandeur des Ordens der Ehrenlegion ernannt. Seine Fabrik beschäftigt etwa 400 Arbeiter, und etwa 2000 Kunstobjekte, Figuren wie kunstgewerbliche Gegenstände, sind in derselben in Bronze mit vollendeter Meisterschaft reproduziert worden.

Barbé-Marbois (spr. -bŏá), François, Marquis de, franz. Staatsmann, geb. 31. Jan. 1745 zu Metz von bürgerlichen Eltern, war seit 1769 bei Gesandtschaften an mehreren deutschen Höfen beschäftigt, ging 1780 als Geschäftsträger und Generalkonsul nach Amerika und wurde 1785 Generalintendant der Kolonie Santo Domingo. Nach Frankreich 1790 zurückgekehrt, ward er Gesandter beim Reichstag in Regensburg, nahm nach dem Sturz des Königtums seine Entlassung, wurde 1795 Maire von Metz, dann Mit-^[folgende Seite]