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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bartonĭa; Bartonische Knöpfe; Bartonische Stufe; Bartoszewicz; Bartsch

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Bartonia - Bartsch.

2) Bernhard, engl. Dichter, bezeichnet als "The Quaker Poet", geb. 31. Jan. 1784 zu London, war gleich seinem Vater, einem Quäker, Kaufmann, dann eine Zeitlang Privatlehrer in Liverpool, bis er 1810 zu Woodbridge als Kommis in ein Bankgeschäft eintrat. Gleich seine ersten poetischen Erzeugnisse, die er 1812 unter dem Titel: "Metrical effusions" herausgab, sprachen allgemein an; seine "Poems by an amateur" (1818) gewannen ihm die Freundschaft und Unterstützung des Londoner Buchhändlers Baldwin, die darauf folgenden "Poems" (1820, 4. Aufl. 1825) fanden bei den hervorragendsten Geistern, wie Southey, Charles Lamb und sogar Byron, Anerkennung. Hierdurch ermutigt, veröffentlichte er noch zahlreiche Sammlungen, die alle die Religiosität der Quäker atmen und durchweg anmutig und leicht gehalten sind, so: "Napoleon and other poems", "Verses on the death of Shelley" (1822), "Minor poems", "Poetic vigils" (1824), "Devotional verses" (1826), "A widow's tale and other poems" (1827), "A new-year's eve and other poems" (1828), "Fisher's juvenile scrap book" (1836), "The reliquary" (1836) und "Household verses" (1845). Er starb 19. Febr. 1849. - Seine Tochter Lucy veröffentlichte außer eignen geistlichen Jugendschriften die "Selections from the poems and letters of Bernard B." (1849, neue Ausg. 1860).

Bartonĭa Lindl., Gattung aus der Familie der Loasaceen, einjährige oder zweijährige Gewächse in Chile und im Südwesten Nordamerikas, mit gelappten oder fiederteiligen Blättern, großen, einzeln stehenden Blüten und einfächeriger Kapsel. B. aurea Lindl. ist eine der schönsten neuern Sommerzierpflanzen, 63-80 cm hoch, mit glänzend goldgelben, pomeranzenfarbig gefleckten Blüten.

Bartonische Knöpfe (Irisknöpfe), s. Beugung des Lichts.

Bartonische Stufe, s. Tertiärformation.

Bartoszewicz (spr. -toschéwitsch), Julian, poln. Geschichtsforscher, geb. 1821 zu Biala in Litauen, studierte auf der Petersburger Universität, war dann 1842-66 als Gymnasiallehrer in Warschau angestellt; starb 5. Nov. 1870 daselbst. Unter seinen zahlreichen, auf gründlichen Quellenforschungen beruhenden Werken sind hervorzuheben: "Historya literatury polskiei" ("Polnische Litteraturgeschichte", Warsch. 1861); ferner "Hetmani polscy" ("Die polnischen Krongroßfeldherren"); "Historya Polski" ("Polnische Geschichte"); "Dzieje Unii" ("Geschichte der griechisch-katholischen Union"); "O Annie Jagielonce" ("Über die Jagellonin Anna") etc. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erscheint seit 1878 zu Krakau. B. war ein gewissenhafter Forscher, aber verbittert und oft einseitig in der Darstellung.

Bartsch, rechter Nebenfluß der Oder in Posen und Schlesien, entspringt in sumpfiger Gegend östlich von Odenau, ist 165 km lang, hat ein schwaches Gefälle und mündet bei Schwusen; ihr Thal ist reich an Teichen.

Bartsch, 1) Adam, Ritter von, Kupferstecher und Kunstschriftsteller, geb. 17. Aug. 1757 zu Wien, bildete sich unter Domaneck und Schmutzer zum Kupferstecher aus und erhielt bald nachher eine Anstellung an der k. k. Bibliothek und bei der von Eugen von Savoyen gestifteten Kupferstichsammlung. Er ward 1816 zum ersten Kustos derselben ernannt, 1812 in den Ritterstand erhoben und starb 21. Aug. 1821 in Hietzing bei Wien. Sein Hauptwerk ist der "Peintre-graveur" (Wien 1802-1821, 21 Bde.; neue Ausg., Leipz. 1866), womit B. der Begründer der neuern Kupferstichwissenschaft wurde. Trotz großer Lücken genießt das Werk noch heutzutage klassisches Ansehen. Außerdem gab er kritische Verzeichnisse ("Catalogues raisonnés") der Werke von Guido Reni (Wien 1795), Rembrandt (das. 1797), Lukas van Leiden (das. 1798), Molitor (Nürnb. 1813) u. a. heraus und besorgte auch Neudrucke von vier alten Holzschnittwerken Dürers ("Ehrenpforte"), Hans Burgkmairs u. a., welche die Person und Familie Kaiser Maximilians I. verherrlichen. Seine letzte Schrift war die "Anleitung zur Kupferstichkunde" (Wien 1820, 2 Bde.). Seine in Kupfer gestochenen Blätter belaufen sich auf 505, sie sind teils nach Originalzeichnungen berühmter Meister, teils nach eigner Erfindung in verschiedenen Methoden gefertigt. Er verband mit Sicherheit und Geschmack die Nadel mit dem Grabstichel und verstand in hohem Grade, den Geist seiner Originale klar aufzufassen und treu wiederzugeben. Zu B.' besten Platten gehören zwölf Tierstücke nach den Zeichnungen von H. Roos. Ein Verzeichnis seiner Werke lieferte sein Sohn Friedrich Jos. Adam, Ritter von B., geb. 12. Juli 1798 zu Wien, seit 1827 Kustos der Wiener Hofbibliothek, gest. 12. Mai 1873, im "Catalogue des estampes de J. A. de B." (Wien 1818). Er schrieb auch: "Chronologie der griechischen und römischen Künstler" (Wien 1835) und "Die Kupferstichsammlung der k. k. Hofbibliothek" (das. 1854).

2) Karl, Philolog, besonders im Fach der ältern deutschen und romanischen Litteratur ausgezeichnet, geb. 25. Febr. 1832 zu Sprottau, studierte seit 1849 in Breslau anfänglich klassische Philologie, wandte sich aber bald, unter Weinholds Leitung, dem Studium der germanischen und romanischen Sprachen zu und setzte dasselbe 1851-52 in Berlin unter Maßmann, Aufrecht, W. Grimm u. a. fort. Nachdem er seit 1853 in London, Paris und Oxford die provençalischen Handschriften der dortigen Bibliotheken durchforscht, ward er 1855 Kustos der Bibliothek des Germanischen Museums in Nürnberg, 1858 Professor der deutschen und romanischen Philologie in Rostock und 1871 Holtzmanns Nachfolger an der Universität zu Heidelberg, wo er noch gegenwärtig lehrt und seit 1873 zugleich das Seminar für neuere Sprachen leitet. B.' Leistungen bestehen zunächst in Ausgaben von ältern deutschen Gedichten; es erschienen von ihm z. B. Strickers "Karl d. Gr." (Quedlinb. 1857); "Berthold von Holle" (Nürnb. 1858); "Mittelhochdeutsche Gedichte" (Stuttg. 1860); "Meleranz von dem Pleier" (das. 1861); die "Meisterlieder der Kolmarer Handschrift" (das. 1862); die "Deutschen Liederdichter des 12.-14. Jahrhunderts" (2. Aufl., das. 1879); "Herzog Ernst" (Wien 1869); Konrad von Würzburgs "Partonopier und Meliur" (das. 1871); "Reinfried von Braunschweig" (Stuttg. 1872); "Hugo von Montfort" (Tübing., Litterar. Verein, 1879) u. a. Daran reihen sich die Schriften: "Über Karlmeinet" (Nürnb. 1861); "Albrecht von Halberstadt und Ovid im Mittelalter" (Quedlinb. 1861); "Beiträge zur Geschichte und Kritik der Kudrun" (Wien 1865) und "Untersuchungen über das Nibelungenlied" (das. 1865), sein bedeutendstes Werk, wodurch die Nibelungenfrage in ein neues Stadium gerückt ward (s. Nibelungenlied). Eine Ergänzung dieses Werks bildet seine große Ausgabe von "Der Nibelunge nôt", mit Lesarten und Wörterbuch (Leipz. 1870-80, 3 Bde.), und der "Klage" (das. 1875) sowie eine kleinere Ausgabe des Nibelungenliedes (5. Aufl. 1879), die er für Pfeiffers "Klassiker des deutschen Mittelalters" lieferte. An diesem Sammelwerk, dessen Leitung er nach dem Tod Pfeiffers