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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bassa - Bassée, La.

bäude ruht, auch die Grundstimme genannt. Nach seiner Natur verträgt, ja fordert der B., von dem Gewebe der übrigen Stimmen, die gern nahe zusammenhalten, entfernter zu bleiben, um eine Oktave und noch weiter von ihnen abzustehen und mit besonderer Deutlichkeit in einem langsamern Gang einherzuschreiten. Dabei bewegt er sich gern durch die Grundtöne der Akkorde quarten- und quintenweise, auch in Oktavenschritten. Allerdings kann der B. in der kontrapunktischen oder polyphonen Schreibart seinen Charakter des Ruhenden und Stützenden teilweise verleugnen und an dem bewegten Fluß der Stimmen teilnehmen, um so mehr, als er eine äußere Stimme ist und in seiner Entfaltung und Bewegung nach der Tiefe, wie der Sopran nach der Höhe zu, unverdeckt und uneingeschränkt ist. Indessen ist diese Beweglichkeit des Basses seiner Natur nach immer nur relativ zu nehmen, und es ist darauf zu achten, daß nicht die Deutlichkeit etwa durch zu schnelle Figuren leide. Je bewegter der B. ist, desto mehr verliert er seinen Charakter als Fundament, und man findet daher in mehrstimmigen Gesangswerken mit Instrumenten vielfach neben dem Singbaß noch einen selbständigen Instrumentalbaß, welcher den Charakter der Stützstimme bewahrt, wenn der Singbaß an der Figuration teilnimmt. Die gute Führung des Basses bedingt einen großen Teil der Wirkung eines Musikstücks und ist eins der sichersten Kennzeichen einer tüchtigen Bildung im Satze. Zur Zeit der Blüte des imitatorischen Stils, der strengen Polyphonie der Niederländer (14.-16. Jahrh.; vgl. Musik, Geschichte), in der es eine selbständige Instrumentalmusik bis auf einfache Tanzstücke noch nicht gab, existierte auch eine Baßstimme in unserm Sinne noch nicht, wenn auch gewisse unabweisliche Rücksichten sich schon damals geltend machten (Quarten- oder Quintenschritt in Kadenzen). Der Erfinder der Baßstimme im modernen Sinn ist Viadana (s. d.); sein Basso continuo ist eine wirkliche Stützstimme. Man muß wohl unterscheiden Basso continuo oder Generalbaß und Fundamental- oder Grundbaß; der letztere, eine Erfindung Rameaus, ist gar keine reelle Stimme, sondern eine bei der Analyse einer Komposition theoretisch konstruierte, die Folge der Grundtöne der einander folgenden Harmonien.

Bassa (ital., "tief") in Verbindung mit dem Oktavenzeichen (8va ^[8^{va}]... bassa) bedeutet, daß eine Musikstelle um eine Oktave tiefer gespielt werden soll, als sie notiert ist.

Bassa, türk. Statthalter, Heerführer, s. v. w. Pascha.

Bassä, griech. Dorf im südwestlichen Arkadien, bei Phigalia, 1131 m hoch gelegen, berühmt durch seinen Apollontempel mit dem kolossalen Erzbild des Gottes, welches später nach Megalopolis kam. Das Heiligtum wurde zu Anfang des Peloponnesischen Kriegs von Iktinos, dem Erbauer des Parthenon, gebaut. Von den 38 dorischen Säulen desselben stehen noch 35, samt ihrem Architrav trefflich erhalten, wie denn der Tempel zu den besterhaltenen antiken Gebäuden Griechenlands gehört. Reliefs vom Fries befinden sich seit 1811 im Britischen Museum. Vgl. v. Stackelberg, Der Apollotempel zu B. (Frankf. 1826); Cockerell, The temples of Jupiter Panhellenius at Aegina and of Apollo Epicurius at B. (Lond. 1860).

Bassadewitz (Bassarowitz), Kartenspiel unter vier Personen mit einer deutschen Karte oder auch mit einer Pikettkarte.

Bassanello (ital.), jetzt veraltetes Holzblasinstrument, dem Fagott verwandt, mit doppeltem Rohrblatt, das in ein trichterförmiges Mundstück gesteckt wurde; es hatte auch einen gebogenen Hals (S) und wurde in drei verschiedenen Größen gebaut.

Bassāno, Distriktshauptstadt in der ital. Provinz Vicenza, am linken Ufer der Brenta bei ihrem Austritt in die Ebene, an einer Zweiglinie der Oberitalienischen Eisenbahn gelegen, ist von alten Mauern mit sechs Thoren (eins von Palladio erbaut) umgeben und mit der gegenüberliegenden Vorstadt Vicentino durch eine Brücke verbunden, hat einen großen, hohen Turm (von Ezzelino da Romano erbaut), einen Dom, ein Gymnasium, ein Museum mit sehenswerter Gemäldegalerie, eine Bibliothek mit 40,000 Bänden und wertvollen Manuskripten, ein modernes Theater und (1881) 6086 Einw., welche rege Industrie (besonders in Seide und Strohhüten) unterhalten und berühmten Wein-, Oliven- und Spargelbau treiben. Die Stadt ist der Geburtsort der Maler Francesco, Giacomo und Leandro da Ponte, die sich deshalb auch Bassano nannten. B. kommt als Bassanum erst seit dem 10. Jahrh. vor. Es war fast immer den benachbarten Städten Vicenza, Treviso, Padua und seit 1404 Venedig unterworfen; nur eine Zeitlang hatte es eigne Podestas und wurde von dem Tyrannen Ezzelino da Romano beherrscht. Da es an einer wichtigen, Verona umgehenden Seitenstraße ins Etschthal liegt, so ist auch um B. in der Napoleonischen Zeit viel gekämpft worden: 1796, 1801, 1805, 1809, 1813; Napoleon verlieh seinem Ministerstaatssekretär Maret den Titel eines Herzogs von B. Vgl. Brentari, Storia di B. (Bassano 1884).

Bassāno, 1) Jacopo da, eigentlich da Ponte, ital. Maler, geb. 1510 zu Bassano, gest. 13. Febr. 1592 daselbst, bildete sich in Venedig nach Bonifazio und Tizian. Er malte heilige Gegenstände in gewöhnlicher Auffassung, aber kecker, leuchtender Farbe; gern brachte er Tiere und allerlei Gerätschaften in dieselben hinein, doch malte er auch reine Genrebilder. Sehr vortrefflich, in Tintorettos Art, sind seine Porträte. - Seine Söhne, unter denen Francesco (1551-1592) und Leandro (1558-1623) die bekanntesten sind, pflegten mit ihm gemeinsam an den Bildern zu malen und dieselben in fabrikartiger Weise zu vervielfältigen. Doch war Leandro als Bildnismaler ein sehr hervorragender Künstler.

2) Hugues Bernard, Herzog von, s. Maret.

3) Napoléon Joseph Hugues Maret, Herzog von, Sohn des vorigen, geb. 3. Juli 1803, ward 1835 von Ludwig Philipp als Herzog von B. anerkannt und Attaché, dann Sekretär bei der französischen Gesandtschaft zu Brüssel, nach der Februarrevolution von 1848 jedoch abberufen. Er trat zur bonapartistischen Partei über, ward, nachdem er 1849 das Kriegsministerium abgelehnt, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister Frankreichs am badischen, 1851 am belgischen Hof und 1853 Senator und Großkammerherr.

Bassansgans, s. Tölpel.

Bassareus, Beiname des phrygisch-thrak. Bakchos von dem Fuchs-, Luchs- oder Pardelfell, das er trug. Daher Bassariden, s. v. w. Bacchantinnen, und bassarisch, s. v. w. bacchisch, bacchantisch.

Bassarowitz, Kartenspiel, s. Bassadewitz.

Basse contrainte (franz., spr. baß kongträngt), s. v. w. Ostinato.

Basse-contre (franz., spr. baß-kóngtr'), die tiefe Baßstimme (zweiter Baß).

Bassée, La, Stadt im franz. Departement Nord, Arrondissement Lille, am gleichnamigen Kanal und an der Eisenbahn von Lille nach Béthune, hat (1876