Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bast.

lich identisch mit Colarbasus. Er leugnete die menschliche Natur Christi und die Auferstehung des Fleisches, verteidigte den Glauben an den Einfluß der Planeten auf die Geburt und das Leben der Menschen sowie an die magische Kraft des griechischen Alphabets (weil sich Christus das Α und Ω genannt habe). Seine Anhänger hießen Bassianer.

Bast, eine zunächst unter der Rinde der meisten Pflanzenstengel und -Stämme liegende, einwärts durch die zarte Kambiumschicht von dem Holz geschiedene, verhältnismäßig dünne Lage, welche durch Biegsamkeit, Zähigkeit und meist ausgeprägt längsfaserige Textur von den genannten andern Teilen unterschieden ist. - In der Pflanzenanatomie bedeutet B., abweichend von dem gewöhnlichen Sprachgebrauch, einen Teil der Gefäßbündel oder Fibrovasalstränge, und zwar nimmt in der Regel der gegen die Oberfläche der Pflanze gekehrte Teil des Gefäßbündels die Ausbildung des Bastes an und wird dann Bastteil des Gefäßbündels (Phloem) genannt. Bei den Monokotyledonen stehen die Gefäßbündel einzeln und zerstreut im Grundgewebe, und es gibt somit ebenso viele getrennte Bastteile, welche daher bei diesen Pflanzen weniger hervortreten. In dem Stengel der meisten Dikotyledonengewächse sind dagegen die Gefäßbündel zwischen Rinde und Mark in einem der Oberfläche konzentrischen Kreis angeordnet und oft zu einer ringförmigen Zone verbunden. Hier wird der äußere zusammenhängende Teil dieser Zone von den Bastteilen der einzelnen Gefäßbündel gebildet und stellt dasjenige Zellgewebe unter der Rinde dar, welches gewöhnlich B. genannt wird. Nach dem Gesagten ist der B. ein Zellgewebe, dessen Zellen, die Bastzellen, von verschiedener Beschaffenheit sind und dadurch die verschiedene Struktur des Bastes der einzelnen Gewächse bedingen. Die Hauptmasse dieses Gewebes besteht aus dünn- und zartwandigen, safterfüllten Zellen, welche fest aneinander schließen, ohne Intercellulargänge zu bilden. Diesen Teil bezeichnet man als Weichbast. Stellenweise finden sich unter den Zellen desselben dergleichen von größerer Weite: es sind dies reihenförmig übereinander stehende cylindrische Zellen, welche sehr dicke, durch zahlreiche Poren siebartig durchlöcherte Querwände haben, durch deren Öffnungen der Inhalt der übereinander stehenden Zellen kommuniziert. Man nennt diese Organe Gitterzellen oder Siebröhren (s. d.). Außer den Siebröhren finden sich im Weichbast oft noch sehr enge, verlängerte, ebenfalls dünnwandige Zellen, die bisweilen die vorherrschende Zellform sind und als kambiform bezeichnet werden. Der Weichbast ist ein für das Leben der Pflanze äußerst wichtiges Organ, indem sowohl die geschlossenen Zellen desselben als besonders auch die Siebröhren den Weg darstellen, auf welchem ein großer Teil der assimilierten Nahrungsstoffe aus den Blättern nach allen Teilen der Pflanze zurückgeführt wird (vgl. Ernährung der Pflanze). Bei den meisten Gewächsen wird der Weichbast von langgestreckten, in einzelne Bündel oder Zonen vereinigten, faserförmigen, zähen und festen Zellen mit äußerst stark verdickten Membranen, den echten Bastfasern (Fig. a u. b), begleitet. In der Regel liegen sie auf der Grenze zwischen Weichbast und Rinde. Diese Bastfasern sind entweder die einzigen dieser Art, oder es treten dergleichen auch zonenweise im Weichbast auf, wie bei vielen Holzgewächsen. Sie sind der die Festigkeit und Zähigkeit des technisch verwendeten Bastes bedingende Bestandteil; ein B., dem diese fehlen, ist nicht brauchbar. Bastfasern, die besonders lang und fest sind, wie dies z. B. unter den Urtikaceen bei der Nessel, beim Hanf, beim Maulbeerbaum, bei der Broussonetia papyrifera, desgleichen unter den Lineen beim Lein etc. der Fall ist, können als Gespinstmaterial dienen. Bei manchen Pflanzen verlaufen im B. auch Milchsaftgefäße, seltener finden sich in demselben Intercellularkanäle, welche Milchsaft führen, wie z. B. beim Sumach (Rhus).

Um den B. zu gewinnen, trennt man mit Keilen, Beilen oder ähnlichen Werkzeugen die Rinde im Frühjahr von den Stämmen der Bäume und legt erstere 6-8 Wochen lang ins Wasser, worauf sich der B. von den Rindenstücken leicht ablösen läßt. Im Wasser wird der B. zugleich so geschmeidig, daß man ihn leicht in bandförmige Streifen zu zerteilen im stande ist. Aus solchen Streifen macht man dann Bastseile sowie die zur Reinigung von Küchengeschirren u. dgl. bestimmten Bastwische, oder man flicht oder webt daraus auf einem sehr einfachen Webstuhl Bastmatten oder Bastdecken. Letztere werden vornehmlich zum Einpacken von Waren, auch zur Bedeckung der Fußböden, zu Wagendecken, Netzen, Sieben, Segeln gebraucht. Sie kommen entweder als besondere Ware einfach, doppelt, ein- und mehrfarbig, glatt u. façonniert oder als Emballage andrer Waren besonders aus Rußland, wo die Verfertigung von Lindenbastmatten (bogòsha) vom Volk schwunghaft betrieben wird, in den Handel. Die leichtern heißen Deckmatten, die schwereren Sackmatten. Am haltbarsten sind die geköperten. Es werden in Rußland jährlich 14 Mill. Stück Matten verfertigt, wozu fast 1 Mill. Lindenbäume gefällt werden müssen, und wovon 3½ Mill. Stück ins Ausland gehen. In den Gouvernements Wjatka, Kostroma, Kasan u. Nishnij Nowgorod wird diese Industrie besonders lebhaft betrieben. Die russischen Bastschuhe werden aus dem B. einiger Weidenarten verfertigt. Auch in Frankreich und Italien ist die Mattenfabrikation im Schwange. In Ostindien verarbeitet man den B. mehrerer Bäume wie Flachs und verspinnt ihn zu verschiedenen feinen Geweben, welche einen seidenähnlichen Glanz haben, auch häufig Seidenfäden enthalten und, gewöhnlich braun oder dunkelgelb von Farbe, unter verschiedenen Namen (Biambonnes, Cherquemolles, Foulas, Foutalonges, Nillas, Pinasses, Romals etc.) in den Handel kommen. Auch Hüte und Papiere werden aus B. fabriziert; die bekannten sogen. Basthüte aber werden meist aus Streifen von wirklichem Holz (Pappel-, Linden- oder Weidenholz), vornehmlich in Österreich,

^[Abb.: Formen von Bastzellen. a Unverzweigte, b verzweigte Bastzelle.]