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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bast; Bast.; Basta; Basta!; Bastanthal; Bastard

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Bast - Bastard.

Italien und Frankreich, verfertigt. - B. ist auch der Name eines vierbindig geköperten Baumwollenzeugs mit Einer rechten Seite, auf welcher die feine Kette zu dreivierteln über dem viel gröbern Eintrag flott liegt. Beim halbseidenen B. besteht der Einschuß aus Baumwolle, die Kette aus Seide. Über den sogen. Ägyptischen B. s. Papyrus. - In der Jägersprache heißt B. die rauhe, wollige Bedeckung des Hirsch- und Rehgehörns, die, sobald dasselbe ausgewachsen und erhärtet (vereckt) ist, durch das "Fegen" abgescheuert wird. Der abgefegte B., ein Faserstaub, heißt das Gefege (s. Geweih).

Bast, ägypt. Gottheit, von den Griechen mit Artemis identifiziert, des Osiris und der Isis Tochter, Schwester des Horos, teilte mit ihrer Mutter das Walten über den Mond, so daß diese nur Voll- und abnehmenden Mond behielt. Ihr war als nachtwandelndes Tier die Katze heilig. In der nach ihr benannten Stadt Bubastis (s. d.), wo sie einen berühmten Tempel hatte, wurde ihr alljährlich ein großes Fest unter den ausgelassensten Lustbarkeiten gefeiert, zu welchem Hunderttausende von Menschen zusammenströmten. Auch alle toten Katzen wurden daselbst beigesetzt. Dargestellt wurde B. als Säugling mit Horos an der Brust der Isis, oder mit Zepter und Schlüssel hinter ihrer Mutter sitzend, oder als Jungfrau mit Katzenkopf und einer Mondscheibe darüber. Verschieden von ihr ist die löwenköpfige Sechet oder Pacht, die Braut des Ptha, welche die Sonnenscheibe mit der Uräusschlange auf dem Haupte trägt und öfters als eine furchtbare solare Gottheit gilt.

Bast., bei paläontolog. Namen Abkürzung für P. Basterot (Petrefakten von Bordeaux, 1825 etc.).

Basta! (ital.), es ist genug! genug hiervon! Bastant, ausreichend, tauglich.

Basta (deutsch Baste), im L'hombrespiel der dritthöchste Trumpf (das Treff-As), in gewissen Arten des Schafkopfspiels der zweithöchste (der Grünober).

Basta, Georg, Freiherr von Sult, Graf in Huszt und Waemmosch, kaiserlicher General, geb. 30. Jan. 1550 zu Rocca bei Tarent in Neapel, Sohn eines (angeblich) albanesischen Edelmanns, machte seine militärischen Lehrjahre in der trefflichen spanisch-italienischen Kriegsschule unter Alexander Farnese auf dem Boden der Niederlande durch (1589-90), trat unter die kaiserliche Fahne und wurde als General von bedeutender Begabung, Unerschrockenheit und eiserner Ausdauer zur Okkupation des vom Haus Habsburg 1598 vertragsweise erworbenen Siebenbürgen abgeordnet, gerade als der frühere Fürst Siebenbürgens, Sigismund Báthori, den mit Rudolf II. geschlossenen Abtretungsvertrag bereuend, seinem Vetter, dem jungen Kardinal Andreas Báthori, das Land zusprach, anderseits der kriegerische Woiwod der Walachei, Michael der Tapfere, Siebenbürgen erobern wollte. Im Herbst 1599 schlug er den Kardinalfürsten Andreas Báthori, dieser wurde erschlagen und Michael (20. Nov. 1599) als Statthalter des Kaisers, B. neben ihm als Militärkommandant bestellt. Doch gerieten beide bald in Streit. B. besiegte den "verräterischen Walachen" bei Mirißló (18. Sept. 1600) und jagte ihn aus dem Land. Jetzt aber wollte sich Sigismund Báthori Siebenbürgens bemächtigen, und Michael eilte zum Kaiser, um dessen Gunst wiederzuerlangen. Vereinigt schlugen nun B. und Michael (3. Aug. 1601) bei Goroßló Sigismund Báthori. Jedoch schon 19. Aug. ließ B. den verhaßten Michael überfallen und ermorden. Sein eisernes Schreckensregiment rief indes 1603 eine Erhebung Siebenbürgens unter Moses Szákely hervor, welche er unterdrückte; bei einer zweiten unter Stephan Bocskay 1604 wurde er nach Ungarn gegen die Türken abberufen, doch zersprengte er 1605 Bocskays Heiduckenheer bei Osgyan. Als 1606 der Friede von Zsitvatorok mit den Türken geschlossen wurde, trat B. ins Privatleben zurück und starb, seit 1605 in den Reichsgrafen- und den österreichischen Herrenstand aufgenommen, 26. Aug. 1607 in Wien. Wie richtig B. die Zustände Siebenbürgens beurteilte, beweist eine von ihm verfaßte Denkschrift, worin er den Nutzen einer ausgedehnten deutschen Kolonisation darlegte. Die Kriegswissenschaft verdankt ihm zwei Werke: "Il maëstro di campo generale" und "Governo della cavalliera leggiera" (gedruckt 1606-12; deutsch von de Bryms, 1614-17).

Bastanthal, Thal im franz. Departement Oberpyrenäen, in dessen Mitte der Badeort Barèges liegt, wird vom Bastan (einem Nebenflüßchen des Gave de Pau) durchflossen. Kaum 6 km lang, zieht es sich, von steilen, schluchtenreichen Bergen umschlossen, im Gegensatz zu den meisten Pyrenäenthälern von O. nach W.

Bastard (mittelhochdeutsch Basthart und Bastart, welch letztere Schreibart daher als die ältere vorzuziehen ist; neulat. bastardus, franz. bâtard, ital. bastardo, engl. bastard), Mischling, ein aus nicht ebenbürtiger oder in wilder Ehe erzeugtes Kind, s. v. w. natürlicher Sohn oder natürliche Tochter. Der Normannenherzog Wilhelm der Eroberer, der natürliche Sohn des Herzogs Robert, kommt zuerst unter dem Namen bastardus vor und nennt sich so in seinen eignen Briefen. Das Wort könnte demnach französischen Ursprungs scheinen, und man hat es daher von bas (bassus, "niedrig") herleiten wollen, zumal da in spätern Urkunden des 13. und 14. Jahrh. fils de bas und fille de bas für bâtard und bâtarde vorkommt. In andern Urkunden findet sich dagegen fils de bast, womit jene Ableitung fällt. Stammte das Wort aus dem Französischen, so wäre es unerklärlich, warum es nicht früher gebraucht wird, da die natürlichen Sprößlinge der Karolinger genug Anlaß dazu gaben. Der Ausdruck ist daher als ein normännischer, mithin altnordischer anzusehen und hat erst als Beiname jenes Herzogs Wilhelm, des Eroberers von England, in die französische und andre Sprachen Eingang gefunden. Was nun die ursprüngliche Bedeutung des Worts anlangt, so wird in den nordischen Gesetzen bastardr nicht in dem Sinn von spurius ("uneheliches Kind") gebraucht; wohl aber findet es sich als Benennung unechter, gemischter Sachen, wie z. B. das Schwert Sigurds in der "Saga Magnus Erlings-sonar" (Kap. 5) basthardr heißt, d. h. wohl spottweise "hart wie Bast" im Gegensatz zu beinhardr ("steinhart"), also unecht. Wird nun die zweite Silbe des Worts auf einen Mann bezogen, so kann sie allerdings einen homo spurius, einen unehelichen Sohn, dem Erbe und Stand des Vaters entzogen werden, bedeuten. Im Verlauf der Zeit hat es in die französische Sprache allgemein Eingang gefunden und auch in der hochdeutschen als vornehmes und rittermäßiges, aus Frankreich herübergekommenes, obschon ursprünglich germanisches Wort die andern Benennungen derselben Sache, zumal bankhart ("Bankert") und bankrise, verdrängt und in die Sprache des niedern Volks verwiesen.

In der Zoologie heißt B. ein von zwei verschiedenen Arten, die meist, aber nicht immer derselben Gattung angehören, erzeugtes Tier, wie z. B. Maultier und Maulesel. Ein von zwei verschiedenen Rassen abstammendes Tier wird dagegen Blendling genannt. Im allgemeinen sind die Bastarde unfrucht-^[folgende Seite]