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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bastianinseln; Bastiat

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Bastianinseln - Bastiat.

er einige Zeit in Kairo, fuhr dann den Nil hinauf, ritt durch die Wüste nach Kosseir am Roten Meer, schiffte nach Dschidda und schloß sich in Mokka einer Karawane an, die nach Aden zog. Darauf ging er nach Mauritius und über das Kap der Guten Hoffnung nach Loanda. Ins Innere der portugiesischen Besitzungen in Südwestafrika vorgedrungen, wagte er die Reise nach der Königsstadt San Salvador, welche seit zwei Jahrhunderten kein gebildeter Europäer betreten. Dann segelte er an der afrikanischen Küste hinauf nach der Insel Fernando Po, drang von dort in das Nigerdelta ein, bereiste Liberia, Sierra Leone und Senegambien und kehrte nach achtjähriger Abwesenheit nach Europa zurück, wo er noch Portugal, Spanien, die Türkei, Rußland, Schweden und Norwegen besuchte, ehe er nach Bremen heimkehrte. B. brachte eine große wissenschaftliche Ausbeute zurück. Als Vorläufer größerer Arbeiten ließ er erscheinen: "Ein Besuch in San Salvador, der Hauptstadt des Königreichs Congo" (Brem. 1859). Eine weitere Frucht dieser achtjährigen Reise war das ungemein gelehrte Werk "Der Mensch in der Geschichte; zur Begründung einer psychologischen Weltanschauung" (Leipz. 1860, 3 Bde.). Sogleich nach Vollendung dieser Arbeit trat er 1861 seine zweite große, diesmal fünfjährige Reise an. Nach längerm Aufenthalt in London ging er nach Madras und von dort nach Rangun, fuhr den Irawadi hinauf und widmete sich in der Hauptstadt des Birmanenreichs ein Jahr lang dem Studium der Sprache und Litteratur der Birmanen; dann ging er von Maulmain nach Bangkok, studierte hier Sprache und Litteratur der Siamesen und wandte sich nun von Kambodscha nach Saigon, um sich nach Singapur einzuschiffen. 1864 und 1865 reiste er durch den Archipel nach Japan und verfolgte den Überlandweg von Peking durch die Mongolei und Sibirien nach dem Kaukasus.

Diesen Reisen entsprechend ist Bastians großes Werk, dessen Ausarbeitung er alsbald nach seiner Rückkehr begann, und das erst 1871 vollendet wurde: "Die Völker des östlichen Asien", angelegt. In sechs Bänden (Jena 1866-71) führt es uns die gesamten Völker von Ostasien, namentlich nach der geschichtlichen, sprachlichen und religiösen Seite hin, vor. Das Werk ist weniger eine Reisebeschreibung als eine kolossale Stoffansammlung von erdrückender Fülle, ungegliedert, ohne jegliche Anmut der Darstellung, aber, wie alle seine auch später erschienenen Werke, von tiefster Gelehrsamkeit strotzend. B. ließ sich in Berlin nieder, wo er sich an der Universität als Dozent für Erdkunde habilitierte und zum Vorstand des ethnographischen Museums und der Gesellschaft für Erdkunde ernannt wurde. Große Verdienste erwarb er sich neuerdings um das Zustandekommen der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung Innerafrikas, als deren Vorsitzender er 1873 einen mehrmonatlichen Ausflug nach der afrikanischen Westküste unternahm, um daselbst die Einbruchsstation bei Tschintschotscho zu errichten und Erkundigungen einzuziehen. 1875-76 machte er auf Veranlassung des königlichen Museums in Berlin eine Reise nach den Küsten von Peru und Ecuador, ging durch Kolumbien nach Guatemala, dann nach San Francisco, und nachdem er über Land durch die Union gereist, besuchte er auf dem Rückweg nach Europa die Antillen. Er brachte die reichsten ethnographischen Sammlungen mit, mit deren Ordnung und Aufstellung er seitdem beschäftigt war. Im Sommer 1878 trat er eine neue Reise auf dem Überlandweg durch Persien an, während welcher er namentlich Assam und verschiedene der indischen und ozeanischen Inselgruppen genau untersuchte, und von der er über Nordamerika und Westindien 11. Aug. 1880 wieder in Berlin eintraf. Von seinen Schriften nennen wir noch: "Beiträge zur vergleichenden Psychologie" (Berl. 1868); "Das Beständige in den Menschenrassen und die Spielweite ihrer Veränderlichkeit" (das. 1868); die Vorträge "Mexiko", "A. v. Humboldt" (1869); "Sprachvergleichende Studien, besonders auf dem Gebiet der indochinesischen Sprachen" (Leipz. 1870); "Die Weltauffassung der Buddhisten" (das. 1870); "Ethnologische Forschungen" (das. 1871-73, 2 Bde.); "Die Rechtsverhältnisse bei verschiedenen Völkern" (Berl. 1872); "Geographische und ethnologische Bilder" (das. 1873); "Offener Brief an Herrn Professor E. Häckel" (das. 1874), worin B. als Gegner des extremen Darwinismus auftritt; "Die deutsche Expedition an der Loangoküste Afrikas" (Jena 1874, 2 Bde.); "Schöpfung oder Entstehung" (das. 1875); "Die Vorstellungen von der Seele" (Berl. 1875); "Die Kulturländer des alten Amerika" (das. 1878, 2 Bde.); "Die heilige Sage der Polynesier" (Leipz. 1881); "Vorgeschichte der Ethnologie" (Berl. 1881); "Der Völkergedanke im Aufbau einer Wissenschaft vom Menschen" (das. 1881); "Der Buddhismus in seiner Psychologie" (das. 1882); "Zur naturwissenschaftlichen Behandlung der Psychologie" (das. 1883); "Völkerstämme am Brahmaputra" (Leipz. 1883); "Inselgruppen in Ozeanien" (das. 1883); "Zur Kenntnis Hawaiis" (Berl. 1883); "Allgemeine Grundzüge der Ethnologie" (das. 1884); "Religionsphilosophische Probleme" (das. 1884); "Indonesien oder die Inseln des malaiischen Archipels" (das. 1884 ff.); "Der Fetisch an der Küste Guineas" (das. 1885) u. a. Seit 1869 gibt B. im Verein mit Virchow und Rob. Hartmann die "Zeitschrift für Ethnologie" heraus.

2) Henry Charlton, Mediziner, geb. 26. April 1837 zu Truro, wurde 1867 Professor der pathologischen Anatomie in London, 1868 Assistent am Hospital für Gelähmte und Epileptische, 1871 Arzt am Hospital der Universität. B. hat besonders die Pathologie des Nervensystems bearbeitet und gilt als Autorität auf diesem Gebiet. Er schrieb: "The modes of origin of lowest organisms" (Lond. 1871); "The beginnings of life" (1872, 2 Bde.); "Clinical lectures on the common forms of paralysis" (1875); "The brain as an organ of mind" (1880; deutsch, Leipz. 1882).

Bastianinseln, s. Hinlopenstraße.

Bastiat (spr. -stia), Frédéric, franz. Nationalökonom, geb. 29. Juni 1801 zu Bayonne, 1831 Friedensrichter zu Mugron im Departement Landes, begann seine schriftstellerische Laufbahn 1844 mit einer im "Journal des économistes" veröffentlichten Abhandlung: "De l'influence des tarifs français et anglais sur l'avenir des deux peuples". Von einer Reise nach England zurückgekehrt, ließ er die in den englischen Freihandelsvereinen gehaltenen Reden unter dem Titel: "Cobden et la ligue, ou l'agitation anglaise pour la liberté du commerce" (Par. 1848) erscheinen. Auf Veranlassung seiner Freunde ging B. nach Paris, wo er zunächst die "Sophismes économiques" (1846; deutsch von Noback, Berl. 1847) herausgab, welche das Prohibitivsystem bekämpften und großes Aufsehen erregten. Ihnen folgten neben zahlreichen kleinern Schriften ("Propriété et loi, justice et fraternité", 1848; "Protectionnisme et communisme", "Capital et rente", "L'état. Maudit argent", "Paix et liberté, ou le budget républicain", "Incompatibilités parlementaires", 1849) die "Harmonies