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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bastion - Basuto.

allen waren Schriftsteller, Zeitungsschreiber, Buchhändler, Buchdrucker etc. die regelmäßigen Bewohner der B. Eine nicht geringere Anzahl von Opfern lieferte auch die Inquisition der B. Sogar Kinder wurden wegen jansenistischer Umtriebe in die B. gesperrt. Endlich verschloß man darin auch Sachen, zumal Bücher und Manuskripte, welche dem Hof mißfielen, und zwar selbst rein wissenschaftliche Abhandlungen. Nach der Erstürmung der B. fand man eine Menge solcher Schriften. Die Zahl der Gefangenen in der B. war mitunter auf 10-20 beschränkt, stieg aber auch auf 40-60 und darüber, ja 1741 zählten ihre Kerker 71, 1755: 70 Bewohner. Unter dem milden Ludwig XVI. verminderte sich die Zahl der Gefangenen, so daß man bei der Erstürmung der B. nur 7 vorfand; 4 davon saßen als wirkliche Verbrecher wegen Wechselfälschung, einer wegen unbestimmter Beschuldigungen schon seit 30 Jahren, ein andrer war wahnsinnig geworden, und der dritte, ein Graf Solages, verhaftet, weil er in jugendlicher Hitze einen Bauern erschlagen hatte, wartete schon seit 1782 auf ein richterliches Verhör. Seit langem hatte man in der B. einen Mittel- und Stützpunkt für die Tyrannei des Königtums gesehen. Daher strömte bei Beginn der französischen Revolution die durch die Entlassung Neckers aufgeregte Menge 14. Juli 1789 zusammen, um die Feste des Despotismus zu zerstören. Diese wurde von ungefähr 80 Invaliden und 40 Schweizern unter dem Gouverneur de Launay verteidigt. Nach mehrstündigem Feuern, in dem einige aus der Volksmenge getötet oder schwer verwundet wurden, unternahmen die Bürger, durch einige Soldaten unter Helie und Hulin verstärkt, einen Angriff, worauf de Launay gegen die Bedingung freien Abzugs kapitulierte. Trotzdem wurde der Gouverneur nebst mehreren seiner Leute von der rohen Menge ermordet. Gleich am folgenden Tag schritt man zur Zerstörung der Feste. Unter dem Donner der Kanonen begannen 50 Arbeiter das Werk und vollendeten es unter unermeßlichem Jubel des Volks. Die Namen der 654 Individuen, die bei der Erstürmung der B. mitgewirkt, trägt die eine Seite der Julisäule, die 1840 auf dem Bastilleplatz errichtet wurde. Vgl. Linguet, Mémoires sur la B. (Lond. 1783; neue Ausg., Par. 1864); Delort, Histoire de la B. (das. 1827); v. Bojanowski, Die Erstürmung der B. (Weim. 1865, nach einem schon 1793 deutsch veröffentlichten Bericht von Pitra). Die "Archives de la B., documents inédits" werden seit 1870 von Ravaisson herausgegeben (bis jetzt 14 Bde.).

Bastion (Bollwerk), ursprünglich ein behufs der Belagerung oder Verteidigung eines Platzes aufgeführtes Pfahlwerk; dann ein von der Umwallung einer Festung vorspringender Teil, der aus zwei nach dem Feld zu gerichteten Walllinien, den Facen oder Gesichtslinien, und zwei zur Flankierung der Nachbarbastionen bestimmten Flanken besteht. Erstere stoßen in einem selten unter 60° betragenden ausspringenden Winkel (Saillant oder Bastionswinkel) zusammen. An die Facen schließen sich die Flanken mit einem stumpfen Winkel (Schulterwinkel) im Schulterpunkt an. Das andre Ende der Flanken schließt sich mittels eines eingehenden Winkels an den Zwischenwall oder die Kurtine an, welche je zwei Bastione miteinander verbindet. Der Punkt, wo Flanke und Kurtine zusammenstoßen, heißt der Kurtinenpunkt. Die Verlängerung der Facen nach rückwärts auf den gegenüberstehenden Kurtinenpunkt heißt die Defenslinie, die hintere offene Seite eines Bastions Kehle. Ist der innere Raum eines Bastions mit Erde ausgefüllt, so ist es ein volles, andernfalls ein hohles; ist es durch einen schmalen Graben von den hintern Werken getrennt, ein detachiertes B.; halbe Bastione sind solche, die nur eine Face und eine Flanke haben, deren andre Hälfte aber ganz fehlt. Bastione scheinen zuerst 1527 von Micheli bei Verona angewendet worden zu sein, nächstdem das Bastionärsystem durch Vauban. Vgl. Festung.

Bastionärsystem (bastionierte Befestigungsmanier), s. Festung.

Bastionierung, auf größern Kauffahrteischiffen die Erhöhung des Schanzkleides, zuweilen nur vorn und hinten vorhanden.

Bastīt, s. v. w. Schillerspat.

Bastkohle, s. Braunkohle.

Bästling, die weibliche Hanfpflanze.

Bastogne (spr. -stonnj), Hauptstadt eines Arrondissements in der belg. Provinz Luxemburg, an der Wiltz, durch Zweigbahn mit der Linie Brüssel-Arlon verbunden, mit bischöflichem Seminar und (1883) 2901 Einw., welche Gerberei und Handel mit Vieh und Getreide treiben. Berühmt sind die Schinken von B. B. war bis 1688 befestigt.

Bastonnade (franz.), eigentlich Stockprügel; bei den Türken ehemals übliche, aber jetzt gänzlich abgekommene Strafe, Schläge auf die Fußsohlen oder auch aus den Rücken mit einem knotigen Strick oder ledernen Riemen; in Persien noch unter dem Namen Falaka im Gebrauch.

Bastos, Victor, portug. Bildhauer und Maler, geb. 25. Jan. 1832 zu Lissabon, besuchte die dortige Akademie, wurde 1855 Zeichenlehrer an der Universität zu Coimbra und 1860 Professor der Bildhauerkunst in Lissabon. Er begründete seinen Ruf durch eine Reihe von Kohlezeichnungen, z. B. die Samariterin am Brunnen (1855) und den Zinsgroschen (1856), widmete sich dann aber mehr der schon früher von ihm geübten Skulptur und insbesondere der monumentalen Porträtstatue, die er in echt künstlerischem Realismus behandelt. So schuf er 1867 für Lissabon die von acht Marmorstatuen umgebene kolossale Erzstatue des Dichters Camoens, eine Marmorstatue des 1861 gestorbenen Königs Dom Pedro V. für Castelho de Vide (Provinz Alemtejo), eine Bronzestatue des Magelhaens in Lissabon, eine Statue des Generals das Antas.

Bastŭler, im Altertum ein Volk Hispaniens, an der Küste des jetzigen Granada, aus Iberern und Phönikern gemischt, mit den Hafenstädten Bälo, Carteja, Calpe (Gibraltar), Malaca und Abdera (jetzt Adra).

Basuto, einer der 23 Stämme der Betschuanen in Südafrika (die Abteilung der Ostbetschuanen repräsentierend), dessen Gebiet, zwischen dem Oranjefluß-Freistaat und Natal gelegen (s. Karte "Kapland"), im SO. von den Kathlambagebirgen begrenzt, im Innern von der Malulikette durchzogen wird. Bewässert ist das Land vom Caledon, Vaal und Noka Sinku, die nach W. abfließen, und vom Umsimvubo und Utugela, die durch Natal sich dem Indischen Ozean zuwenden. Dieses Volk hat in der südafrikanischen Geschichte der letzten 50 Jahre eine hervorragende Rolle gespielt. Es entstand im Beginn dieses Jahrhunderts aus den Resten verschiedener Betschuanen- und Kaffernstämme, über welche der thatkräftige Motlume herrschte. Ihm folgte (etwa 1828) der Fürst Moschesch, ein interessanter Halbbarbar, der in seiner Weise europäischer Zivilisation nicht abgeneigt war, Missionäre ins Land rief und aus den nur viehzüchtenden B. Ackerbauer zu machen versuchte. Sonst erfüllte ein 40jähriges Kriegen und