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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bauernkrieg

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Bauernkrieg (Unterdrückung der Bewegung).

lichem und warnte die Bauern, die evangelische Freiheit nicht zum Schanddeckel ihres unchristlichen Treibens zu machen. Als nun aber der Aufruhr immer ärger und blutiger wurde, ward Luther von grimmigem Zorn ergriffen und schrieb in der leidenschaftlichen Schrift "Wider die räuberischen und mörderischen Bauern": Jetzt müsse jedermann zum Schwert greifen, um die Mordpropheten und Rottengeister niederzuschlagen; hundertmal solle ein frommer Christ den Tod leiden, ehe er eine Haaresbreite in die Sache der Bauern willige; die Obrigkeit solle kein Erbarmen haben, die Zeit des Zorns und des Schwerts sei gekommen, sie solle dreinschlagen, weil sie eine Ader regen könne, das sei die göttliche Pflicht, die ihr obliege. Wer in diesem Dienst umkomme, der sei ein Märtyrer Christi. Hiermit waren die Bauern als wilde Empörer gebrandmarkt, und nun ermannten sich die weltlichen Gewalten, um dem drohenden Umsturz des Bestehenden vorzubeugen. Landgraf Philipp von Hessen verband sich, nachdem er durch Unterwerfung des Fulda- und Werragebiets eine Vereinigung der fränkischen und thüringischen Haufen verhindert hatte, mit Kurfürst Johann und den Herzögen Georg und Heinrich von Sachsen und griff 15. Mai 1525 die Bauern an, welche unter Münzers Führung an den Anhöhen über Frankenhausen Stellung genommen hatten. Die Fürsten errangen über den ungeordneten, schlecht bewaffneten Haufen einen leichten, aber vollständigen Sieg. Über 5000 Bauern wurden auf dem Schlachtfeld und auf der Flucht getötet, Mühlhausen fiel, ohne eine ernstliche Verteidigung zu wagen; Münzer ward in dem Lager vor der Stadt, wo er unumschränkt geherrscht hatte, hingerichtet.

Um dieselbe Zeit begann auch in allen übrigen vom Aufstand ergriffenen Gegenden die nachdrückliche Bekämpfung desselben von seiten der Fürsten und Herren. Zuerst wurden die Unruhen im Elsaß gedämpft und zwar durch den Herzog Anton von Lothringen. Nachdem er einige zerstreute Bauernhaufen im freien Feld zersprengt hatte, kapitulierten die in Zabern versammelten Aufständischen. Da man sie aber beschuldigte, daß sie den Frieden nicht gehalten und die Landsknechte zum Abfall gereizt hätten, wurden sie am Morgen des 19. Mai, als sie aus der Stadt auszogen, angegriffen und, an der Zahl 18,000, niedergemetzelt. Einen nicht weniger unglücklichen Ausgang nahm die Sache der Bauern in Schwaben. Ihr Besieger war hier der Hauptmann des Schwäbischen Bundes, Georg Truchseß v. Waldburg. Durch einen Vertrag mit den Seebauern, unter denen die Empörung den thatkräftigsten Charakter angenommen hatte, im Rücken vor einem Angriff ziemlich gesichert, rückte er gegen die württembergischen Bauern vor und erreichte und schlug sie bei Böblingen. 9000 Bauern sollen hier erschlagen worden sein. Auch hier war mit dieser einen Niederlage die Kraft des Widerstandes in den Bauern gebrochen; alle Ortschaften, welche an dem Aufstand teilgenommen hatten, fielen ohne Verzug in die Gewalt des Siegers. Darauf wandte sich Truchseß über Weinsberg, welches zur Strafe in Asche gelegt wurde, nach Franken, wo die Kurfürsten von der Pfalz und von Trier von Bruchsal her zu ihm stießen; das vereinigte Heer, 8000 Mann zu Fuß und 2500 Reiter, zog Ende Mai nach Würzburg. Hier hatten sich die Bauern seit 14 Tagen vergeblich bemüht, den tapfer verteidigten Frauenberg zu erstürmen. Auf die Kunde vom Herannahen des Fürstenheers rückte der Odenwälder Haufe ihm entgegen, löste sich aber auf dem Marsch auf, zumal der Führer Götz von Berlichingen heimlich entwich. Nur 2000 Bauern unter Metzler hatten den Mut, bei Königshofen dem Feinde die Spitze zu bieten, wurden aber 2. Juni gänzlich vernichtet. Eine falsche Siegesnachricht lockte auch die vor Würzburg zurückgebliebenen Haufen herbei, die nun ein gleiches Geschick ereilte. Das Frankenland war jetzt der Züchtigung und Gewaltthat der ergrimmten Herren wehrlos preisgegeben. Würzburg, dessen Bürgerschaft sich den Bauern angeschlossen hatte, mußte sich 7. Juni auf Gnade und Ungnade ergeben; 60 besonders Beteiligte aus der Stadt und Umgegend wurden mit dem Schwert hingerichtet. Die Bürgerschaft von Würzburg mußte alle Waffen ausliefern, bedeutende Brandschatzungen zahlen und dem Bischof von neuem Gehorsam schwören. Markgraf Kasimir von Brandenburg-Ansbach durchzog das ganze übrige Frankenland und warf überall die Aufständischen nieder. 57 Bürgern von Kitzingen ließ er die Augen ausstechen, weil sie einst gerufen, sie wollten keinen Markgrafen mehr sehen! Keine einzige Stadt leistete ernsten Widerstand; Schweinfurt, Bamberg, Rotenburg und andre Städte beugten sich demütig dem Sieger und erkauften Schonung um schwere Geldbußen. In Rotenburg wurde ein strenges Blutgericht gehalten; die Haupträdelsführer des Aufstandes wurden enthauptet. Götz von Berlichingen wurde zwei Jahre in Augsburg gefangen gehalten und dann innerhalb der Markung seines Schlosses Hornberg interniert. Metzler war spurlos verschwunden; Wendel Hippeler starb im Gefängnis.

Nur noch am Ober- und Mittelrhein hielten sich einige Überreste der Empörer. Die am Mittelrhein wurden 24. Juni von dem sich zurückziehenden pfalz-trierschen Heer bei Pfeddersheim zersprengt und aufgerieben, wobei der kriegerische Erzbischof mit eigner Hand die Fliehenden erlegte. Brandschatzungen, Auslieferung der Waffen, Hinrichtungen erstickten auch hier und im ganzen Rheingau bald jede Spur des Aufstandes; Mainz büßte für seine Befreiungsversuche mit dem Verlust seiner kaum errungenen Freiheiten. Länger dauerte die Unterdrückung der Unruhen am Oberrhein und in den Alpen, wo der Aufruhr seine tiefsten Wurzeln geschlagen hatte und die Bauern noch nicht im entscheidenden Kampf geschlagen worden. Indes von einem nachhaltigen, einmütigen Widerstand konnte auch hier nicht die Rede sein. Meist zerstreuten sich die Bauernhaufen von selbst.

So war endlich die gewaltige Bewegung gedämpft, welche dem gemeinen Wesen in Deutschland eine völlige Umkehr gedroht hatte. Nach der Entscheidung durch die Waffen wurde strenges Kriegsrecht geübt; die grausamsten Exekutionen wurden vollzogen, schwere Strafgelder eingetrieben, und in den meisten Gegenden folgte härterer Druck für die Bauern. Einige Erleichterungen gewannen die Bauern durch den Aufstand nur da, wo sie nicht entscheidende Niederlagen erlitten hatten, wie im Kemptenschen. Im ganzen und großen wirkte der B. verderblich und zerstörend. Es hatten sich zwar im Lauf desselben manche fruchtbare Gedanken zu erkennen gegeben, wie namentlich im Heilbronner Entwurf; aber im allgemeinen fehlte es an Klarheit der Zwecke und Gemeinsamkeit des Handelns, und als das Toben der Bauern die gewaltsame Niederschlagung herausforderte, verschwand bald alle Hoffnung auf eine Besserung. Die Folge war schließlich eine noch größere Unterdrückung des niedern Bauernstandes, eine noch weiter gehende Spaltung der Na-^[folgende Seite]