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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baume; Baumé; Baumeister

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Baume - Baumeister.

Obergerichtsdirektor nach Rinteln versetzt. Erst 1839 durfte er wieder in den Landtag eintreten, der ihn wiederholt zum Präsidenten wählte. Seit März 1848 war B. Justizminister, bis 23. Febr. 1850 Hassenpflug abermals die oberste Leitung des kurhessischen Staats in seine Hand nahm. B. ward nun Obergerichtspräsident zu Marburg, nahm aber, da er durch sein Verbleiben im Amte den Verfassungsbruch nicht anerkennen wollte, ohne Pension seinen Abschied und siedelte 1863 nach Kassel über, wo er 15. Juni 1871 starb.

2) Louis von, Bruder des vorigen, geb. 22. April 1799, früher Hauptmann in hessischen Diensten, hatte bereits seinen Abschied genommen, als er 1833 in die kurhessische Ständeversammlung trat, in welcher er durch Sachkenntnis und Urteil in Militärangelegenheiten maßgebend wurde. 1837 von der Ritterschaft nicht wieder gewählt, trat er im März 1848 als Bevollmächtigter des Landgrafen von Philippsthal-Barchfeld wieder in die Ständeversammlung ein, die ihn zum Präsidenten erwählte, und in welcher er sich als Anhänger der konstitutionellen Monarchie erwies. Im Frankfurter Parlament, dem er vom 23. Nov. 1848 bis 16. Febr. 1849 angehörte, schloß er sich derjenigen Abteilung des Zentrums an, die ihre Vorberatungen im Augsburger Hof hielt. Auch ward er von der Versammlung dem Wehrausschuß beigeordnet. Mißvergnügt über die politischen Zustände seines Vaterlandes, veräußerte er seine Güter in Hessen und siedelte mit seiner Familie nach Milwaukee in Nordamerika über, wo er als Konsul für mehrere deutsche Staaten thätig war und 26. Jan. 1883 starb. Er schrieb: "Briefe aus den Vereinigten Staaten in die Heimat" (Kass. 1851, Fortsetzung 1856).

3) Rudolf, Dichter, geb. 28. Sept. 1841 zu Kranichfeld in Thüringen, studierte zu Leipzig, Würzburg und Heidelberg Naturwissenschaften, war dann an mehreren Lehranstalten Österreichs thätig und lebt jetzt ausschließlich der Schriftstellern in Triest. Reisen in Italien, Griechenland, Ägypten und der Türkei haben sich nicht bloß für seine Studien, sondern auch für seine Lebensanschauung und seine poetischen Pläne fruchtbar erwiesen. Als Dichter führte er sich ein durch: "Zlatorog, eine slowenische Alpensage" (Leipz. 1877, 3. Aufl. 1881), eine durch Formschönheit, farbenreiche Schilderungen und die Romantik einer jugendfrischen Phantasie ausgezeichnete Dichtung, die allgemein den günstigsten Eindruck machte. Derselbe steigerte sich noch bei den nachfolgenden "Liedern eines fahrenden Gesellen" (Leipz. 1878, 4. Aufl. 1884) und "Neuen Liedern eines fahrenden Gesellen" (das. 1880), dem Gedicht "Horand und Hilde" (das. 1878), dessen Stoff der deutschen Mythologie entnommen ist, und den Dichtungen: "Frau Holde" und "Sommermärchen" (das. 1881); "Spielmannslieder" (das. 1881); "Mein Frühjahr" und "Von der Landstraße" (das. 1882). Die jüngsten Gaben Baumbachs sind: "Abenteuer und Schwänke" (Leipz. 1883); "Truggold", Erzählung in Prosa (Berl. 1883), u. "Der Pate des Todes", Dichtung (Lpz. 1884).

Baume (franz., spr. bohm), Balsam.

Baumé (spr. bo-), Antoine, Chemiker und Pharmazeut, geb. 26. Febr. 1728 zu Senlis, widmete sich, ohne wissenschaftliche Schulbildung genossen zu haben, der Pharmazie, beherrschte später das gesamte Gebiet der Chemie und erhielt 1752 eine Professur an der pharmazeutischen Schule in Paris. Er betrieb bis 1780 eine Fabrik für chemische Präparate; aber die Revolution raubte ihm die Früchte seines Fleißes, und um sein Leben zu fristen, eröffnete er abermals ein chemisches Laboratorium. Er starb 15. Okt. 1804 in Paris. Man verdankt ihm eine Menge verbesserter Methoden zur Darstellung chemischer, technischer und pharmazeutischer Präparate; das nach ihm benannte Aräometer (beschrieben im "Avant-Coureur" 1768 u. 1769) ist noch jetzt im Gebrauch. Seine Hauptschriften: "Dictionnaire des arts et métiers", "Chimie expérimentale et raisonnée" (Par. 1773, 3 Bde.; deutsch von Gehler, Leipz. 1775 u. 1776), "Éléments de pharmacie" (Par. 1762; 9. Aufl. von Bouillon-Lagrange, das. 1818, 2 Bde.), "Opuscules de chimie" (das. 1798; deutsch, Frankf. 1800), "Manuel de chimie" (Par. 1763 u. öfter), enthalten einen reichen Schatz von Beobachtungen.

Baumeister, Bauverständiger, dem von Staats wegen oder im Auftrag einer Gemeinde oder eines Privaten, wonach man Staats-, Gemeinde- und Privatbaumeister unterscheidet (s. Architekt), die Anordnung und Leitung von Bauten obliegt; im Mittelalter in ritterlichen Familien einer der Ganerben oder Miteigentümer einer Burg, welchem die ganze Leitung des Burgwesens mit Einschluß der Aufsicht über die Gebäude, Befestigungswerke etc. von den übrigen (abwesenden) Erben übertragen war. Gehörten zu dem Schloß auch Land und Leute, so erstreckte sich das Baumeistertum auch auf die eigentlichen Regierungsgeschäfte. Daher ist B. in manchen Städten derjenige Senator, welcher nicht bloß die Gemeindebauten zu leiten hat, sondern überhaupt bei der Verwaltung der innern Angelegenheiten des städtischen Wesens den Vorsitz führt. Bei Domkapiteln war ursprünglich einer der Domherren aktiver B., jetzt ist sein Name und Geschäft einem besondern Beamten übertragen. In Süddeutschland wird der Verwalter eines Guts in manchen Gegenden B. genannt.

Baumeister, 1) Johann Wilhelm, Lehrer der Tierzucht und Tierarzneikunde, geb. 27. April 1804 zu Augsburg, bildete sich erst hier, dann aber in München zu einem trefflichen Tiermaler aus und wurde durch seine Tierstudien zur Tierarzneikunde geführt; er bezog 1825 die Tierarzneischule in Stuttgart und praktizierte nach erlangter Approbation in Gmünd als Tierarzt. Nachdem er 1831-39 als Lehrer an der landwirtschaftlichen Akademie zu Hohenheim thätig gewesen war, wurde er als Professor an die Tierarzneischule in Stuttgart berufen, wo er 3. Febr. 1846 starb. Sowohl als Lehrer wie als Schriftsteller hat sich B. großen Ruf erworben. Sein Hauptwerk ist das "Handbuch der landwirtschaftlichen Tierkunde und Tierzucht" (Gesamtausgabe, 4. Aufl., Stuttg. 1863), welches aus folgenden Einzelwerken besteht: "Anleitung zur Kenntnis des Äußern des Pferdes" (6. Aufl. von Rueff, 1870); "Tierärztliche Geburtshilfe" (6. Aufl. von Rueff, 1872); "Anleitung zum Betrieb der Pferdezucht" (4. Aufl. von Rueff, 1873); "Anleitung zum Betrieb der Rindviehzucht" (4. Aufl. 1863); "Anleitung zur Schweinezucht" (4. Aufl. von Rueff, 1871). Mit Duttenhofer gab er heraus: "Gemeinfaßliches Handbuch der Tierheilkunde" (Stuttg. 1843-1844). Seine meist in Federzeichnungen ausgeführten wertvollen Skizzen wurden 1846 herausgegeben.

2) Bernhard, Schauspieler, geb. 28. Sept. 1828 zu Posen, betrat 1847 die Bühne zuerst in Schwerin, kam 1848 nach Hannover, 1850 nach Oldenburg, endlich 1852 an das Hofburgtheater zu Wien, wo er 1857 das Dekret als k. k. Hofschauspieler erhielt. Früher spielte B. Naturburschen und Bonvivants, später übernahm er meist ältere humoristische Rollen (Falstaff, Götz, Petrucchio etc.) und stellt dieselben mit Glück dar. - Sein älterer Bruder, Wilhelm