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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Baumrinde; Baumrutscher; Baumsatz

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Baumrinde - Baumsatz.

(Salix fragilis L., S. pentandra L., S. viminalis L. u. a.). Im Schatten großer Bäume (durch Wälder) gedeiht der Faulbaum (Prunus Padus L.) am besten. An Eisenbahnen werden B. zum Schutz gegen Schnee nach Art der Hecken (s. d.) ausgeführt, Eisenbahndämme aber durch Pflanzungen mit für Boden und Lage passenden Sträuchern befestigt. Das Pflanzen selbst s. unter Baumsatz.

Baumrinde, s. Rinde.

Baumrutscher, s. v. w. Kleiber.

Baumsatz (Baum setzen). Große Bäume werden zum Zweck des Verpflanzens mit möglichster Schonung der Wurzeln ausgehoben, indem mit 1-2 m Radius rund um den Baum ein genügend breiter Graben so tief ausgehoben wird, daß alle Wurzeln abgestoßen werden können. Entweder bleibt der Wurzelballen unberührt, oder man befreit die Wurzeln von Erde mittels Durchstechens mit spitzen Pfählen oder durch Hin- und Herziehen des Stammes. Bei besonders schwierigen Baumarten empfiehlt sich das Ausfüllen des oben erwähnten Grabens mit guter Erde, in der neue Faserwurzeln sich üppig entwickeln und das Anwachsen des ½-1 Jahr später versetzten Baums erleichtern. Durch Flaschenzug oder sonstige Hebevorrichtung wird der Baum, nachdem alle Wurzeln durchschnitten wurden, hoch gewunden, wobei die Rinde des Stammes durch Umwickeln mit Stroh oder Decken vor Beschädigung zu schützen ist. Unter den Ballen geschobene Bohlenstücke, welche durch Ketten zusammengehalten werden, erleichtern die Arbeit und sichern die Schonung der Wurzeln. Der Transport nach der Pflanzstätte geschieht durch Tragen oder Schleifen auf dicht am Wurzelballen untergeschobenen Bäumen oder auf einem besonders hierzu konstruierten Wagen (Burmeister, Jürgens, Barron u. Sohn), auf dem der Baum entweder senkrecht auf einer Brücke zwischen Vorder- und Hinterwagen steht, oder in liegender Stellung befestigt wird. Die Wurzeln sollten durch Decken vor der Einwirkung der Luft geschützt werden. Alle beschädigten Wurzeln sind vor dem Pflanzen glatt zu schneiden. Das Pflanzloch muß ein wenig tiefer und weiter sein, als für den Wurzelballen nötig, damit derselbe auf allen Seiten mit guter Pflanzerde umgeben werden kann, und damit der Baum ein klein wenig tiefer zu stehen kommt, als er früher gestanden (beim Höherpflanzen der Bäume ist der Mißerfolg ziemlich sicher). Die Pflanzerde ist durch Einschlämmen mit Wasser dicht um die Wurzeln zu legen, ein Festtreten oder Stampfen aber zu vermeiden. Der Baum ist mittels dreier Drähte in seiner Stellung zu befestigen, die durch einen dicht unter der Krone angebrachten, um einen Leinwandlappen od. dgl. gelegten Ring zu ziehen und durch Pflöcke in der Erde festzuhalten sind. Der B. geschieht am besten im Frühherbst; dann sind aber sämtliche Blätter abzustreifen, weil durch sie der Baum alle seine Säfte verdunstet und dann trotz wiederholten Gießens vertrocknet; auch im Spätherbst und Frühjahr kann gepflanzt werden, im Winter mit Frostballen (s. Ballenpflanzung), was besonders für größere Koniferen zu empfehlen ist. Die Äste neugepflanzter Bäume dürfen im Frühjahr wohl ausgelichtet, aber die zurückbleibenden nicht gekürzt werden. Wiederholtes Gießen und Bespritzen im Lauf des nächsten Sommers wirkt sehr günstig. Linde, Eiche, Ahorn, Pappel, Esche u. a. lassen sich in ziemlich starken Exemplaren versetzen. Im allgemeinen pflanzt man in hartem Klima und auf nassem (saurem), nicht entwässertem Boden und weiche (leicht erfrierende) Baumarten im Frühjahr, in allen andern Fällen aber im Herbst, am besten bald nach Abschluß des Wachstums, im September. Die im Herbst gepflanzten Bäume beginnen gewöhnlich sofort mit der Bildung neuer Wurzeln, während im Frühjahr gepflanzte Bäume erst gleichzeitig mit der Entwickelung der Blätter sich von neuem bewurzeln. Alle Baum-, namentlich Obstpflanzungen sollten nur auf säurefreiem oder drainiertem Boden angelegt werden; aber auf sehr bindigem oder nassem Boden, der aus irgend einer Ursache nicht oder nur unvollständig entwässert werden konnte, pflanzt man oben auf der Erde nach folgender, der Manteuffelschen Hügelpflanzung nachgebildeten Methode: Die Standpunkte der Bäume werden mit feststehenden Baumpfählen, für Zwergbäume mit 1,5 m langen Pflöcken bezeichnet; um jeden derselben legt man ein Häufchen halb verwestes Laub, Stroh, Unkraut, auch wohl Dünger, über Ziegelstücke, darauf eine dünne Schicht fruchtbaren Mutterboden oder Komposterde, und darauf setzt man dicht an den Pfahl oder Pflock den Baum mit ausgebreiteten, an ihren Wunden glatt geschnittenen Wurzeln, welche mit Komposterde zu decken sind. Es entsteht dadurch ein kegelförmiger oder halbkugeliger Hügel von etwa 1 m Höhe und ebenso weitem untern Durchmesser; er wird mit Rasen, die Grasseite nach unten, gedeckt und damit vollständig abgeschlossen. Das Laub od. dgl. erzeugt im weitern Verfaulen Feuchtigkeit und Wärme, welche den Hügel durchdringen und, von der Rasendecke einigermaßen zurückgehalten, bewirken, daß ein so gepflanzter Baum beinahe nie fehlschlägt, obwohl er selten oder niemals gegossen wird. Er soll auch, damit er vom Wind nicht geschädigt werde, sofort am Pfahl oder Pflock festgebunden werden. Die Wurzeln sind bei dieser Pflanzweise nicht allein auf den kleinen Hügel angewiesen, sondern holen ihre Nahrung aus dem unterliegenden Erdboden und den Ziegelstücken, gehen aber nie so tief wie die der in Gruben gepflanzten Bäume, weshalb sie auch weniger von der Nässe des Bodens leiden.

Gewöhnlich pflanzt man in Gruben (Löcher) von 1-1,3 m Durchmesser und 0,6-1 m Tiefe und macht größere Gruben in schlechtem, kleinere in besserm Boden. Man mischt die verschiedenen Bodenlager durcheinander, behält aber stets einen Teil bester Erde zur Bedeckung der Wurzeln zurück oder hält zu diesem Zweck nahrhafte Pflanz- (Kompost-) Erde bereit. In den Gruben setzt man die Pfähle fest, füllt eine Lage Ziegelstücke und dann von der ausgeworfenen Erde bis zu entsprechender Höhe wieder ein, stellt den Baum dicht an den Pfahl, deckt die Wurzeln, die man vorher gleichmäßig verteilt, mit oben erwähnter Pflanzerde und mit dem Reste des aufgeworfenen Bodens so, daß die obersten derselben, also der Wurzelhals, sich noch 6-8 cm unter der Erdoberfläche befinden; die geringere Decke macht man bei schwerem, die größere bei leichtem Boden. Dieser setzt sich nach und nach fester zusammen, er sinkt, mit ihm der Baum, der deshalb vorerst nur lose am Pfahl anzuhängen ist. Der Baum soll beim Pflanzen niemals eingerüttelt, der Boden niemals festgetreten, kaum leicht angedrückt werden. Im Frühjahr oder Frühherbst gepflanzte Bäume gieße man wiederholt kräftig an, zu welchem Zweck man eine Vertiefung, einen "Kranz", um den Stamm bildet, den man zur Verhinderung des Aufspringens, das namentlich in bindigem Boden häufig und schädlich ist, mit halb verfaultem Laub, Mist od. dgl. belegt. Ein Beschneiden der Äste (Krone) eines neugepflanzten Baums sollte nicht vor dem Beginn der Blattentwickelung vorgenommen werden, weil sonst die Bildung von