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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bellas; Bellātrix; Bellavitis; Belle; Belle-Alliance, La; Belle-Isle; Belleau; Bellegarde

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Bellas - Belle-Isle.

Bellas, Stadt und besuchter Badeort in der portug. Provinz Estremadura, 10 km nordwestlich von Lissabon, mit prächtigem Schloß, Villen, eisenhaltigen Mineralquellen und (1878) 2645 Einw. Von hier nimmt die Lissaboner Wasserleitung ihren Ausgang.

Bellātrix (lat., "die Kriegerin"), Name des Sterns γ im Orion.

Bellavitis, Justus, Graf, ital. Mathematiker, geb. 22. Nov. 1803 zu Bassano, erhielt eine mangelhafte Schulbildung, studierte aber schon frühzeitig selbständig Mathematik und wurde infolge seiner Leistungen in dieser Wissenschaft 1840 zum Mitglied des venezianischen Instituts sowie 1841 zum Professor der Mathematik am Lyceum zu Vicenza ernannt. 1845 erhielt er die Professur der darstellenden Geometrie in Padua, später die der höhern Algebra und analytischen Geometrie. Er starb 6. Nov. 1880. Seine Hauptschöpfung ist die Methode der Äquipollenzen, ein auf die geometrische Addition und Multiplikation (vgl. Komplexe Größen) gegründetes Verfahren, das er schon 1832 erfand. Außer zahlreichen Arbeiten in Zeitschriften veröffentlichte er Lehrbücher über darstellende Geometrie (Padua 1851, 2. Aufl. 1868), analytische Geometrie (das. 1870), Algebra (das. 1875) u. a. Vgl. Favaro in Schlömilchs "Zeitschrift für Mathematik etc.", Bd. 26.

Belle, ein lottoartiges, im 17. Jahrh. aus Italien nach Paris verpflanztes Hasardspiel. Man gebraucht dazu eine Tafel mit 104 Nummern in 13 Kolumnen, jede zu 8 Nummern, die mit andern aus einem Beutel zu ziehenden Gewinnnummern übereinstimmen. B., Fluß und Einunddreißig, ein mit drei Tellern für die Einsätze mit Karten gespieltes Hasardspiel.

Belle-Alliance, La (spr. bäl-alljāngs), Vorwerk in der belg. Provinz Südbrabant, Arrondissement Nivelles, südöstlich von Brüssel an der Straße nach Charleroi gelegen, nach welchem die Preußen die Schlacht von Waterloo (s. d.) benennen.

Belleau (spr. -loh), Remy, franz. Dichter, Mitglied der "Plejade", geb. 1528 zu Nogent le Rotrou, ward Präzeptor Karls von Lothringen, Herzogs von Elboeuf, und starb 6. März 1577 in Paris. Seine Gedichte zeichnen sich durch Wohllaut, Kraft und Fülle aus und leiden weniger als die seiner Zeitgenossen an Gespreiztheit und Unnatur. Er schrieb: "La Bergerie" (1572); "Les amours et échanges des pierres précieuses etc." (1576); "Les odes d'Anacréon", eine recht gelungene Übersetzung; "Dictamen metrificum de bello huguenotico", ein sogen. makkaronisches Gedicht; "La Reconnue", eine fünfaktige Komödie in achtsilbigen Versen, u. a. Seine gesammelten Werke erschienen Paris 1578, 2 Bde. (neue Ausgabe 1879, 2 Bde.).

Bellegarde (spr. bälgárd), 1) Ort im franz. Departement Ain, Arrondissement Nantua, an der Mündung der Valserine in den Rhône und an der Eisenbahn Mâcon-Genf, welche die Valserine auf einem mächtigen Viadukt überschreitet, mit (1876) 630 Einw. Dabei die sogen. Perte du Rhône, ein ca. 40 m langer Schlund, den der Rhône in die Kalkfelsen eingerissen hat. Der Strom wird hier von seiner bisherigen Breite von ca. 60 m auf einige Meter zusammengedrängt und verlor sich früher bei niedrigem Wasserstand ganz unter den Felsen; in neuerer Zeit hat man durch Felsensprengung zum Behuf der Holzflößerei den Schlund etwas erweitert. -

2) Festung zweiten Ranges im franz. Departement Ostpyrenäen, an der spanischen Grenze, auf einem Felsen, beherrscht die große Pyrenäenstraße, welche von Perpignan über den Col de Pertuis nach Figueras in Katalonien führt. Sie wurde unter Ludwig XIV. 1679 erbaut, 25. Juni 1793 von den Spaniern genommen, aber im September 1794 von den Franzosen zurückerobert.

Bellegarde (spr. bälgárd), Heinrich Joseph Johann, Graf von, österreich. Feldherr und Staatsmann, geb. 29. Aug. 1756 zu Dresden, trat zuerst in sächsische, dann seit 1771 in österreichische Staatsdienste, kämpfte im Türkenkrieg von 1788 mit Auszeichnung, wurde 1792 Generalmajor und kämpfte 1793-94 in den Niederlanden, als Generalstabschef Wurmsers am Oberrhein. Als der Erzherzog Karl im Februar 1796 das Kommando der Armee in Deutschland übernahm, wurde B. Mitglied seines Kriegsrats und bald darauf Feldmarschallleutnant. Im April 1797 schloß er gemeinschaftlich mit Merveldt den Waffenstillstand von Judenburg und dann später die Friedenspräliminarien von Leoben ab. 1799 befehligte er ein zur Unterhaltung der Verbindung zwischen Suworow und dem Erzherzog Karl bestimmtes Korps von 25,000 Mann, siegte 20. März über den General Lecourbe bei Finstermünz, wurde aber, mit der Blockade von Tortona beauftragt, 20. Juni bei Giuliano von Moreau geschlagen und genötigt, über die Bormida zurückzugehen. Nachdem er darauf an der Schlacht bei Novi teilgenommen, befehligte er 1800 unter Melas den linken Flügel des österreichischen Heers und focht gegen Masséna bei Santa Giustina, ward jedoch am Var von Suchet zurückgeschlagen. Nach der Schlacht von Marengo und dem Vertrag von Alessandria statt Melas' mit dem Oberbefehl betraut, eröffnete er die Feindseligkeiten mit dem hartnäckigen Treffen bei Pozzolo (25. Dez.) gegen Dupont, ward aber geschlagen und mußte hinter die Etsch zurückgehen. In den Hofkriegsrat berufen, führte er seit 1805 das Präsidium in demselben. Im Feldzug von 1805 befehligte er in der Schlacht bei Caldiero den rechten Flügel der Österreicher. Bald darauf ward er Generalgouverneur der venezianischen Provinzen, 1806 Feldmarschall, Generalgouverneur beider Galizien und Gouverneur des Kronprinzen. 1809 befehligte B. auf dem linken Donauufer das 1. und 2. Armeekorps, vertrieb den Marschall Davoût aus Regensburg, ging dann über die Donau und vereinigte sich mit dem Erzherzog Karl. Bei Aspern, Wagram und Znaim führte er das 1. Armeekorps. Nach dem Wiener Frieden wurde ihm abermals das Gouvernement von Galizien anvertraut; 1813, beim Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Österreich und Frankreich, war B. abermals Präsident des Hofkriegsrats. Im Dezember d. J. zum Oberbefehlshaber der österreichischen Armee in Italien ernannt, bewirkte er durch geschickte Unterhandlungen den Abfall Murats von Napoleon I. sowie einen Vergleich mit dem Vizekönig Eugen und ward dann Generalgouverneur der Lombardei und Venedigs. 1816 begab sich B. nach Paris, lebte daselbst einige Zeit als Privatmann, trat aber nach seiner Rückkehr von neuem in den Wiener Hofkriegsrat, wurde 1820 Präsident desselben an Schwarzenbergs Stelle und Staats- und Konferenzminister, nahm wegen Augenschwäche 1825 seine Entlassung und starb 22. Juli 1845 in Wien. Vgl. K. v. Smola, Das Leben des Feldmarschalls Heinrich Graf von B. (Wien 1847).

Belle-Isle, 1) (spr. bäl-ihl) B. en Mer, franz. Insel im Atlantischen Ozean, südlich von Lorient, zum Departement Morbihan gehörig, 87 qkm (1,6 QM.) groß mit (1876) 11,000 Einw. Sie ist von Felsen umgeben, im Innern aber reich an fruchtbarem Weide- und Ackerland. Die Einwohner treiben Ackerbau, Pferdezucht, Fischerei (besonders Sardellenfang), Salzschlämmerei, Han-^[folgende Seite]