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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Belladonna - Bellarmin.

Belladonna, s. Atropa.

Belladonnapflaster, s. Pflaster.

Belladonnīn, Alkaloid der Atropa Belladonna L., wird bei der Bereitung des Atropins gewonnen, ist farblos, harzartig, schmeckt brennend scharf, wenig bitter, ist wenig löslich in Wasser, leicht in Alkohol und Äther, reagiert stark alkalisch, bildet mit Säuren Salze, bewirkt wie Atropin Erweiterung der Pupille u. ist als Surrogat dieses Alkaloids empfohlen worden.

Bella gerant alii: tu, felix Austria, nube! ("Andre mögen Kriege führen, du, glückliches Österreich, heirate!"), ein oft angeführter, auf die einträglichen Heiraten des österreichischen Herrscherhauses bezüglicher Vers, als dessen Verfasser in W. Stirlings "Klosterleben Kaiser Karls V." Matthias Corvinus genannt wird.

Bellaggio (spr. -ádscho), Flecken in der ital. Provinz Como, am Comersee aus dem Vorgebirge, welches die beiden Seearme trennt, reizend gelegen, von Fremden vielbesucht, mit prachtvollen Hotels und Villen (darunter die hoch gelegene Villa Serbelloni mit schönem Park und herrlicher Aussicht, Villa Giulia, Villa Frizzoni mit wertvollen Gemälden und unmittelbar am See Villa Melzi, ein wahrhaft fürstlicher Palast mit vielen Kunstwerken) und (1881) 849 Einw.

Bellaire (spr. bellähr), Stadt im nordamerikan. Staat Ohio, am Ohio, 7 km unterhalb Wheeling, mit Glasfabriken u. a., lebhaftem Verkehr und (1880) 8025 Einw.

Bellămy (spr. -mei), Jacobus, holländ. Dichter, geb. 12. Nov. 1757 zu Vlissingen, erregte als Bäckerlehrling durch seine Gedichte die öffentliche Aufmerksamkeit und wurde darauf von Gönnern mit den Mitteln zum Studium der Theologie ausgerüstet, das er 1782 in Utrecht begann. B. lebte daselbst fast ausschließlich den Musen und stiftete mit einigen Freunden eine poetische Gesellschaft, die einen höhern Aufschwung der holländischen Poesie, besonders durch Nachahmung der neuern deutschen Dichter, herbeizuführen suchte. Unter dem Namen Zelandus gab er seine "Gezangen mijner jeugd" (1782), darauf seine begeisterten "Vaderlandsche gezangen" (1783) und 1785 weitere "Gezangen" heraus. Sein lieblichstes Gedicht ist die im Gedächtnis der Nation fortlebende Romanze "Roosje", die in den "Proeven voor het verstand etc." (Utrecht 1874; deutsch von Janssen, Wesel 1834) erschien und an rührender Einfachheit und Gefühlsinnigkeit in der holländischen Litteratur einzig dasteht. Noch bevor B. eine Predigerstelle antreten konnte, starb er 11. März 1786. Seine Gedichte erschienen gesammelt (zuerst 1816) in neuer Ausgabe Haarlem 1852. Aus seinen nachgelassenen Briefen und Papieren gab J. ^[Johannes] van Vloten das Merkwürdigste heraus (Middelburg 1878). Vgl. Ockerse und Kleyn, Gedenkzuil op het graf van J. B. (Haarlem 1822).

Bellangé (spr. -langsché), Hippolyte, franz. Maler, geb. 17. Jan. 1800 zu Paris, ward im Atelier von Gros gebildet und wendete sich der Schilderung des Soldatenlebens im Krieg und Frieden zu, indem er hauptsächlich Episoden aus den Napoleonischen Feldzügen darstellte. Auf kleinem Raum wußte er das Getümmel einer Schlacht und namentlich den Moment des Angriffs mit großer dramatischer Kraft zu schildern. Zugleich verstand er es, sich in die gemütvolle Seite des Soldatenlebens (der Abschied des Rekruten, die Rückkehr des Soldaten, der Abschiedsgruß, die beiden Freunde) zu versenken. Seine Hauptwerke sind: Napoleon von Elba zurückkehrend, die Schlacht bei Wagram, Napoleons Übergang über das Guadarramagebirge, Marengo, die Kürassiere von Waterloo, die Garde stirbt. Oft greift er auch in das Leben des Landmannes, des Kleinbürgers und Handwerkers. Viele seiner Erfindungen hat er für lithographische Vervielfältigung auf Stein gezeichnet. Gute Zeichnung, Natürlichkeit der Auffassung und sichere Beobachtungsgabe bilden die Vorzüge seiner Arbeiten; sein Kolorit leidet dagegen an Buntheit und Härte. Er starb 12. April 1866 in Paris. Vgl. J. ^[Jules] Adeline, Hippolyte B. et son œuvre (Par. 1879).

Bellāno, Flecken in der oberital. Provinz Como, am Ostufer des Comersees, am Ausgang der Valsassina, in welcher die Pioverna einen 64 m hohen Wasserfall bildet, ist von schönen Landhäusern und Gärten umgeben und hat (1881) 1445 Einw., welche Seiden- und Eisenindustrie betreiben.

Bellari (Balhari), Distriktshauptort in der britisch-ostind. Präsidentschaft Madras, an einer Zweigbahn der Linie Bombay-Madras, 488 m ü. M. gelegen, ist eine wichtige Militärstation, Sitz der Distriktsbehörden, einer protestantischen und einer katholischen Mission und hat (1881) 53,460 Einw. (34,636 Hindu, 15,068 Mohammedaner, 3566 Christen). Die obere Stadt mit zwei Forts wird von Europäern bewohnt, enthält ein Zeughaus, Magazine, Gefängnis; die untere (Pettah oder Stadt der Eingebornen) enthält zahlreiche Hindutempel, mehrere Moscheen u. a. Der Distrikt B. hat ohne den seit 1877 abgetrennten kleinen einheimischen Staat Sandur 28,144 qkm (511 QM.) mit (1881) 1,336,696 Einw. und besteht aus großen, baumlosen, sehr trocknen Ebenen. Im östlichsten Teil die stark befestigte Militärstation Guti mit (1881) 5373 Einw., die als Staatsgefängnis dient. Nordwestlich von B. die Ruinen von Bisnagur. Das Klima ist sehr ungesund, mittlere Jahrestemperatur 26,2° C. Im J. 1877 raffte eine Hungersnot Tausende hinweg.

Bellarmin, Robert, gelehrter Jesuit, Hauptverfechter des römischen Katholizismus und der päpstlichen Suprematie im 16. Jahrh., geb. 1542 zu Montepulciano im Gebiet von Siena, trat zu Rom 1560 in den Jesuitenorden, studierte Theologie zu Padua und Löwen, wo er gegen Bajus auftrat. Seit 1576 hielt er im Collegium Romanum zu Rom seine berühmten Vorlesungen über die Kontroversen. Seit 1590 zu den wichtigsten kirchenpolitischen Sendungen verwandt, gelangte er zu den höchsten kirchlichen Würden und ward 1599 Kardinal. Im Streite der Jesuiten und Dominikaner wegen der pelagianisierenden Schriften des Jesuiten Molina verfocht er, dem Interesse seines Ordens gemäß, mit Eifer den Molinismus, zog sich dadurch die päpstliche Ungnade zu und ward 1602 als Erzbischof nach Capua versetzt. Nach Clemens' VIII. Tod wäre er 1605 fast selbst wider seinen bestimmt ausgesprochenen Willen statt Pauls V. zum Papst erhoben worden. Er starb 27. Sept. 1621 im Noviziathaus der Jesuiten in Rom. Sein Hauptwerk: "Disputationes de controversiis christianae fidei adversus hujus temporis haereticos" (Rom 1581 u. öfter), war lange Zeit die vornehmste Verteidigungsschrift des römischen Katholizismus. Selbst ein edler und reiner Charakter, forderte B. ernstlich die Abstellung vieler Mißstände in der päpstlichen Verwaltung. Weit verbreitet und in alle neuern Sprachen übersetzt ist sein Katechismus "Christianae doctrinae explicatio". B. hat eine Selbstbiographie verfaßt (Ferrara 1761). Gesamtausgaben seiner Werke erschienen in Venedig 1721 (5 Bde.), in Köln 1619 (7 Bde.), in Paris 1874 (12 Bde.). Sein Leben beschrieb italienisch der Jesuit Fuligatti (Rom 1624).