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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Belopaschzen; Belosphondone; Belot; Belovár; Belpasso; Belper; Belsazar; Belsund; Belt; Beltrame; Beltrāmi

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Belopaschzen - Beltrami.

und deuten die Strömungen an, welche in dem noch nicht erstarrten Gestein vorhanden waren.

Belopaschzen, Nachkommen des russ. Bauern Sussanin, der dem Gründer des Romanowschen Geschlechts, Michael Fedorowitsch, bei einem Überfall durch die Polen mit Selbstaufopferung das Leben gerettet haben soll. Sie wohnen in dem Dorf Korobowa im Gouvernement Kostroma und sind durch kaiserliche Gnadenbriefe von allen persönlichen Leistungen, Abgaben und Verpflichtungen auf ewige Zeiten befreit. Diese Gnadenbriefe wurden 1838 durch kaiserliches Reskript für so lange bestätigt, als die B. im Bauernstand bleiben. Werden sie in Städten Bürger oder Kaufleute, so bleiben ihnen zwar die persönlichen Vorrechte, sie sind aber den Gilde- und Städteabgaben unterworfen. Da sie durch ihre allmähliche Vermehrung auf ungefähr 150 männliche Seelen Mangel an Land litten (sie hatten nur 98 Dessätinen), so befahl der Kaiser, sie mit Land zu versorgen. Die Oberkuratel über die B. ist dem Minister des Hofs übertragen; die nächste Lokalaufsicht führt der Zivilgouverneur von Kostroma, jedoch darf derselbe nur in besondern Fällen in das Dorf der B. kommen. Eine Monographie über die B. schrieb Weschnjakow (1866).

Belosphondone (griech.), s. Falarica. ^[richtig: Falarika.]

Belot (spr. -loh), Adolphe, franz. Dramatiker und Romanschriftsteller, geb. 6. Nov. 1829 zu Pointe a Pitre auf der Insel Guadeloupe, studierte die Rechte, machte große Reisen und ließ sich dann als Advokat zu Nancy nieder. Seine ersten schriftstellerischen Produkte, "Châtiment" (1855) u. a., gingen unbemerkt vorüber; dagegen erwarb er sich mit der dreiaktigen Komödie "Le testament de César Girodot" (mit Villetard, 1859), die mehr als 200mal hintereinander aufgeführt wurde und zu den witzigsten Komödien der Epoche gehört, mit Einem Schlag einen Namen. Eine Reihe andrer Dramen, wie: "Un secret de famille" (1859), "Les parents terribles" (1861), "Les maris à système" (1862), "Les indifférents" (1863), "Le passé du Monsieur Jouanne" (1865) u. a., folgten nach, ohne auch nur annähernd gleichen Beifall zu finden. Glücklicher war B. auf erzählendem Gebiet, wo nur leider sein Talent bald in die bedauerlichsten Abwege geriet und, wie in den berüchtigten Romanen: "Mademoiselle Giraud ma femme" (1870), "La femme de feu" (1872), zur widerwärtigsten Pornographie herabsank. Anständiger sind: "La Vénus de Gordes" (mit E. Daudet, 1867), "Le drame de la Rue de la Paix" (1868), "L'article 47" (1870), sämtlich auch auf die Bühne gebracht; "Les mystères du grand monde", "Les baigneurs de Trouville", "Madame Vitel et Mademoiselle Lelièvre" und "Une maison centrale de femmes", welche vier Titel sich auf die vier Bände eines einzigen Romans verteilen (1875-76); ferner "Une joueuse" (1879), aus der in der Folge (1882) für das Theater "Monte-Carlo" wurde. B. hat auch Daudets Roman "Fromont jeune et Risler aîné" plump, aber ziemlich effektvoll für die Bühne bearbeitet und für diese Leistung sogar von der französischen Akademie den Preis Jouy erhalten.

Belovár, kroat. Komitat, wird von den Komitaten Sümeg, Verovitic, Pozsega, Agram und Kreuz begrenzt, umfaßt das Gebiet der frühern zwei Warasdiner Grenzregimenter mit 3476 qkm (63 QM.), ist gebirgig, wird in der Mitte vom Kalnikgebirge durchzogen, von der Drau, Ilova-Lonia (Grenzflüsse) und Casma bewässert, hat (1881) 135,962 Einw. und ist sehr fruchtbar (Getreide, Mais, Tabak und Obst und in Moslavina [Monoszló] berühmter Weinbau). Sitz des Komitats ist die königliche Freistadt B. mit zwei Kirchen, Piaristenkloster, (1881) 3172 Einw., bedeutendem Handel, Getreide-, Seiden- und Weinbau, Gerichtshof und Unterrealschule.

Belpasso, Ortschaft in der ital. Provinz Catania (Sizilien), südlich vom Ätna gelegen, 5 km nördlich von der 1669 durch die Eruption des Ätna gänzlich zerstörten alten Stadt (B. Vecchio) erbaut, mit (1881) 7328 Einw. und reichem Ertrag an Getreide, Wein und Flachs.

Belper, Stadt in Derbyshire (England), am Derwent, 11 km oberhalb Derby, mit (1881) 9875 Einw., großer Baumwollspinnerei, Strumpfwirkerei und Nagelschmieden.

Belsazar (Bil-sar-ussur in den Inschriften), nach der biblischen Erzählung der letzte König von Babylonien, nach den Inschriften Sohn des letzten Königs, Nabonetos (555-538 v. Chr.). Nach der Erzählung im Buch Daniel erhielt B. eine göttliche Ankündigung seines Geschicks durch die an der Wand von unsichtbarer Hand geschriebenen Worte: "Mene tekel upharsin", nach Daniels Deutung: "Gezählt, gewogen und geteilt", als Prophezeiung des nahen Sturzes Belsazars.

Belsund, Bucht an der Westseite von Spitzbergen, unter 77° 40' nördl. Br.

Belt (Großer und Kleiner B.), die beiden Meerengen, welche nebst dem Sunde die Ostsee mit der Nordsee verbinden (s. Karte "Dänemark"). Der Große B., welcher die dänischen Inseln Seeland und Laaland von Fünen und Langeland trennt, ist 60 km lang, 16-30 km breit und hat meist eine Tiefe von 16 m. An Seelands Küste ist nur der Kalundborgfjord sehr tief, an Fünens Küste der Nyborgfjord. Die Schiffahrt auf demselben ist wegen der starken Strömungen, der Sandbänke und kleinen Inseln schwierig. Überfahrtsorte sind Korsör und Nyborg. Der Kleine B., welcher die Insel Fünen von Jütland und Schleswig trennt, ist 0,7-15 km breit, bis zu 14 Faden tief und ebenfalls wegen der heftigen Strömungen und vielen Krümmungen schwer zu befahren. Überfahrtsorte: Middelfart, Assens, Faaborg. Am meisten verengert er sich bei der Festung Fredericia.

Beltrame, Giovanni, ital. Sprachforscher und Reisender, geb. 11. Nov. 1824 zu Valeggio am Mincio, bereiste in Missionsgeschäften das Nilgebiet, ging 1854 von Chartum über den Blauen Nil nach Fazogl und Benisangol und 1858 mit andern Missionären, namentlich unter Knoblecher, auch den Weißen Nil hinauf bis zur Station Heiligenkreuz bei Gondokoro. Von da machte er verschiedene Exkursionen durch damals noch völlig unbekannte Gebiete, fuhr 1859 auch den Sobatfluß eine Strecke hinauf und kehrte 1862 nach Italien zurück, wo er seitdem hauptsächlich mit linguistischen Arbeiten über das Nilgebiet sich beschäftigte, unter anderm auch eine Grammatik und ein Wörterbuch der Dinkasprache herausgab (Rom 1881). Über seine Reisen veröffentlichte er: "Di un viaggio sul Fiume bianco nell' Africa centrale" (Verona 1861); "Il Sennaar e lo Sciangallah" (das. 1879-1882, 2 Bde.); "Il Fiume bianco e i Denka" (das. 1882) u. a.

Beltrāmi, 1) Giovanni, ital. Steinschneider, geb. 1779 zu Cremona, Sohn eines Juweliers, bildete sich durch eigne Studien und Versuche und fand zur Zeit der französischen Herrschaft an Eugen Beauharnais einen Gönner, für den er unter anderm eine Kette von 16 Kameen, die Geschichte der Psyche darstellend,