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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Benāry; Benasque; Benat Cap; Benatek; Benavente; Benbecula; Bench; Benckendorf; Benczur; Benda

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Benary - Benda.

Stadt Hauptkultusstätte des großen und zerstörenden Gottes Siwa, dessen schöpferische Kraft im Linga (s. d.) verehrt wird, welches als formloser Stein überall aufgestellt ist. 1194 von Mohammed Ghori eingenommen, verblieb B. 600 Jahre lang unter mohammedanischer Herrschaft, und einzelne Gebieter rühmten sich, ein volles Tausend Hindutempel eingeäschert zu haben. Später erhielten die Nawabs von Audh die Regierung über B. übertragen; seit 15. April 1776 beherrschen die Engländer die Stadt. Vgl. Sherring, The sacred city of the Hindus (Lond. 1868); Derselbe, Hindu tribes in B. (Benares 1872); Schlagintweit, Indien (Leipz. 1881-82).

Die Division B. hat ein Areal von 47,740 qkm (867 QM.) mit (1881) 9,820,728 Einw. und umfaßt 6 Distrikte: B., Gorakhpur, Mirzapur, Busti, Azimgarh und Ghazipur.

Benāry, Franz Ferdinand, Orientalist und Exeget, geb. 22. März 1805 zu Kassel, studierte seit 1824 in Bonn und Halle, seit 1827 in Berlin Theologie und morgenländische Sprachen, habilitierte sich 1829 zu Berlin, ward 1831 daselbst zum außerordentlichen Professor für alttestamentliche Exegese ernannt und starb als solcher 7. Febr. 1880. Von seinen Werken sind die Ausgabe des "Nalodaya" (mit lateinischer Übersetzung, Berl. 1830) und die Schrift "De Hebraeorum leviratu" (das. 1835) hervorzuheben. Über die Verhinderung der in Gemeinschaft mit den Professoren Hotho und Vatke beabsichtigten Herausgabe einer kritischen Zeitschrift durch das Ministerium Eichhorn gab B. Rechenschaft durch Veröffentlichung der betreffenden "Aktenstücke" (Berl. 1834).

Benasque, kleine Festung in der span. Provinz Huesca, in den Pyrenäen, einer der höchsten Orte derselben, mit (1878) 1525 Einw. Nördlich davon der Pyrenäenpaß Puerto de B. (2417 m hoch), der ins Thal von Luchon führt.

Benat Cap, ein tief ins Mittelmeer vorspringendes Vorgebirge an der Küste Südfrankreichs, zwischen Toulon und St.-Tropez, bildet mit der Halbinsel Giens (Cap d'Esterel) die Bucht von Hyères.

Benatek (Neu-B.), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Jungbunzlau, am rechten Ufer der Iser, hat ein Schloß mit Park, eine Dechanteikirche, ein Bezirksgericht und (1880) 2370 Einw. Gegenüber am linken Ufer der Iser Alt-B. mit Zuckerfabrik, Bierbrauerei und (1880) 1152 Einw.

Benavente, 1) Bezirksstadt in der span. Provinz Zamora, auf einer Anhöhe zwischen Esla und Orbigo, mit einem alten Schloß u. Park und (1878) 4107 Einw. -

2) Stadt in der portug. Provinz Estremadura, Bezirk Santarem, am Zatas, mit königlichem Schloß und (1878) 2815 Einw.

Benbecula, eine der Hebrideninseln, an der Nordwestseite von Schottland zwischen Nord- und Süduist, 65 qkm groß mit (1881) 1661 gälischen Bewohnern. Der westliche Teil ist fruchtbar, der östliche sandig und felsig. Sie enthält mehrere kleine fischreiche Seen und einen guten Hafen an der Ostseite (Loch Uskevagh).

Bench (engl., spr. bensch), Bank, s. King's Bench.

Benckendorf, s. Benkendorf.

Benczur (spr. bennzur), Julius, ungar. Maler, geb. 28. Jan. 1844 zu Nyiregyhaza, studierte seit 1861 auf der Münchener Akademie und seit 1869 im Atelier Pilotys, dessen glänzendes Kolorit und breite, malerische Behandlung er sich mit Geschick aneignete. Zu einer geistigen Vertiefung seiner Stoffe gelangte er aber ebensowenig wie sein Meister. In seinem Hauptwerk: die Taufe des heil. Stephan (1877, Nationalgalerie in Pest), fesseln nur die Kraft und die Tiefe des Kolorits, während seine mythologischen und Rokokobilder (Ludwig XV. im Boudoir der Dubarry, Bacchantin und Satyr) durch üppige Frivolität zu reizen suchen. Er ist Hilfslehrer an der Münchener Akademie.

Benda, 1) Franz, Violinspieler und Komponist, geb. 25. Nov. 1709 zu Alt-Benatek unweit Jungbunzlau in Böhmen, erhielt seine musikalische Ausbildung als Chorknabe in Prag und Dresden sowie später, als er sich nach dem Verlust seiner Stimme ganz der Violine gewidmet hatte, durch den Prager Violinisten Konicek. Von Prag aus wandte er sich nach Wien, wo er Gelegenheit fand, die damals berühmtesten italienischen Violinvirtuosen zu hören, und nahm dann als gereifter Künstler eine Anstellung in Warschau an. Hier wirkte er mehrere Jahre erst als Kapellmeister des Starosten Szaniawski, dann als Mitglied der königlichen Kapelle, bis er 1732 vom preußischen Kronprinzen nach Neuruppin berufen wurde. Hier, im Verkehr mit Künstlern wie Graun und Quantz, bei welch letzterm er noch gründliche Kompositionsstudien machte, gelangte sein Talent zur vollen Entfaltung, und nach wenigen Jahren hatte er sich zum Haupte der nachmals berühmten preußischen Violinschule aufgeschwungen. Bei der Thronbesteigung Friedrichs folgte B. demselben nach Potsdam und wußte sich die Gunst des großen Königs in so hohem Maß zu erwerben, daß dieser ihn beim Tod seines Lieblings Graun (1771) zu dessen Nachfolger als Konzertmeister ernannte. Er starb 7. März 1786 in Potsdam mit Hinterlassung eines großen Schülerkreises und einer Reihe noch lange nach seinem Tod beliebt gebliebener Kompositionen, unter denen zwei Werke Violinetüden besondere Verbreitung fanden. Bendas Spiel wird von dem englischen Kritiker Burney und von J. A. ^[Johann Adam] Hiller in dessen "Lebensbeschreibungen" als ein durchaus originelles, auch von der Vortragsweise der damals maßgebenden italienischen Violinisten abweichendes geschildert; seine Hauptstärke lag im getragenen, gesangreichen Spiel, zu dessen Ausbildung seine im Knabenalter betriebenen Gesangstudien wesentlich beigetragen hatten.

2) Georg, namhafter Komponist, Vetter des vorigen, geb. 1721 zu Jungbunzlau, bewies schon als Knabe auf der Violine, dem Klavier und der Oboe große Geschicklichkeit und kam 1740 nach Berlin, wo er als zweiter Violinist in der königlichen Kapelle wirkte und zugleich sein Kompositionstalent, ohne eigentlichen Unterricht, namentlich durch das Studium der Werke von Hasse und Graun ausbildete. 1748 wurde er Kapellmeister beim Herzog Friedrich III. von Gotha, in dessen Auftrag er eine große Anzahl geistlicher Kompositionen schrieb, und der Herzog bezeigte ihm seine Zufriedenheit dadurch, daß er ihn 1764 eine Reise nach Italien machen ließ. Hier lernte B. Hasse kennen und empfing aus dem Anhören der leichten und durchsichtigen italienischen Opernmusik nachhaltigen Eindruck bezüglich seines fernern Schaffens. Nach Gotha zurückgekehrt, schrieb er seine Opern: "Il Ciro riconosciuto" (1765) und "Il buon marito" (1766) sowie mehrere Jahre später, angeregt durch die Schauspielerin Brandes, das Melodrama "Ariadne aus Naxos", durch welches er einer der Hauptvertreter dieser seit dem Erscheinen von Rousseaus "Pygmalion" allgemein beliebten Kunstgattung wurde. Nachdem er 1778 seine Stelle in Gotha niedergelegt, war er eine Zeitlang Musikdirektor beim Schröderschen Theater in Hamburg, kehrte dann nach Gotha zurück und lebte seitdem von einer Pension in Georgenthal bei Gotha. 1781 folgte er einer Einladung