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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bender; Bender Abbâs; Bender Eregli; Bendin; Bendis; Bendorf; Bene; Benecke

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Bender - Benecke.

stellungen, welche Wissenschaft, Handel, Industrie und Kunst und die in jenen Gebieten hervorragenden Deutschen verherrlichen. Sie sind in Öl gemalt und mit Wachs überzogen. Am Schluß des Jahrs 1867 legte B. seine Stelle als Direktor nieder. Sein letztes größeres Werk: die Wegführung der Juden in die babylonische Gefangenschaft (1872), befindet sich in der Berliner Nationalgalerie. B. ging von der ursprünglich in Düsseldorf heimischen Sentimentalität aus, die er indessen nie zur Schwächlichkeit entarten ließ. Seine Bilder sind klar und in edlen Linien komponiert, sorgsam gezeichnet und von angenehmem Kolorit. In den letzten Jahren machte er in einer Penelope (1877, Museum von Antwerpen) den Versuch, sein im allgemeinen flaues Kolorit zu größerer Kraft und Tiefe zu steigern. Aus Anlaß seines 70. Geburtstags erhielt er von der philosophischen Fakultät der Berliner Universität das Ehrendoktordiplom.

Bender (Bendēry, moldauisch Teckine), Kreisstadt und wichtige Festung in der russ. Provinz Bessarabien, am Dnjestr und der Eisenbahn B.-Galatz, halbmondförmig am Ufer des Stroms gebaut, mit gewaltigen Gräben und Wällen und einem Brückenkopf umgeben, welcher die Überfahrt deckt. Die auf einer Anhöhe liegende Citadelle mit Pulverturm, Arsenal und Magazinen ward seit 1792 von dem türkischen Ingenieur Kaufert neu aufgeführt. B. hat 2 Vorstädte, 2 Kirchen, 8 jüdische Bethäuser und (1879) 32,535 Einw. (Moldauer, Russen, Armenier, Juden und Tataren), welche Töpferei, Ziegelbrennerei, Feldbau, Fischerei und bedeutenden Handel betreiben. - Benders Entstehung reicht nicht über das Mittelalter hinauf. Es bestand hier im 12. Jahrh. eine genuesische Kolonie. Die Türken besetzten es mit der Moldau, nach der Abtretung von Kamenez an Polen befestigten sie es. Von 1709 bis 1711 hielt sich Karl XII. von Schweden nach der verlornen Schlacht von Poltawa meist in dem nahegelegenen Flecken Warnitza auf, wo auch die Stürmung seines Hauses durch die Türken erfolgte. B. wurde viermal (25. Sept. 1770, 15. Nov. 1789, 1806 und 1811) von den Russen erobert, stets aber wieder den Türken zurückgegeben, bis es im Frieden von Bukarest 1812 nebst ganz Bessarabien definitiv zu Rußland geschlagen wurde.

Bender, Wilhelm, protest. Theolog, geb. 15. Jan. 1845 zu Münzenberg (Hessen), studierte seit 1863 in Göttingen und Gießen, besuchte 1866-67 das Predigerseminar zu Friedberg und ward Religionslehrer am Gymnasium und Hilfsprediger in Worms; 1876 folgte er einem Ruf nach Bonn als ordentlicher Professor der Theologie. Unter seinen Schriften sind zu nennen: "Der Wunderbegriff des Neuen Testaments" (Frankf. 1871); "Schleiermachers Theologie" (Nördling. 1876-78, 2 Bde.); "Joh. Konr. Dippel, der Freigeist aus dem Pietismus" (Bonn 1882); "Reformation und Kirchentum, eine akademische Festrede zur Feier des 400jährigen Geburtstags Martin Luthers" (das. 1884 in 7 Auflagen), welche einen Sturm von seiten des evangelischen Klerus der beiden westlichen preußischen Provinzen, der sich verletzt fühlte, hervorgerufen hat.

Bender (pers.), Hafen.

Bender Abbâs (früher Gomron), Hafenstadt in der pers. Provinz Kirman, am Persischen Meerbusen, der Insel Ormus gegenüber, in heißer und äußerst ungesunder Gegend, besteht größtenteils aus elenden Hütten, welche aus Dattelpalmzweigen gebaut sind, und hat etwa 8000 meist arab. Einwohner. B. war ehemals berühmt als Niederlage indischer und persischer Waren und ist noch immer im Besitz eines ansehnlichen Handels. Eingeführt werden Stückgüter, Zucker, Thee und Töpfe aus Bombay; zur Ausfuhr gelangen Teppiche, Wolle, Tabak, Safran, Opium, Mandeln, Krapp etc. Der Wert der Einfuhr betrug 1877: 2,729,094 Rupien, der der Ausfuhr 2,414,635 Rupien. Die Stadt steht in regelmäßiger wöchentlicher Dampfschiffsverbindung mit Karatschi und Bombay im O., Buschir und Basra im W.

Bender Eregli, Stadt, s. Eregli.

Bendin, Kreisstadt im polnisch-russ. Gouvernement Piotrkow, mit (1879) 6236 Einw., ist der Hauptort im Königreich Polen für Zink (die Kronfabrik liefert jährlich für ¼ Mill. Rubel).

Bendis, thrakische Mondgöttin, der Macht über Himmel und Erde zugeschrieben wurde, von den Griechen mit Artemis, Hekate und Persephone identifiziert. Ihr Kult kam durch thrakische Metöken auch nach Attika und fand dort solche Teilnahme, daß er zu Platons Zeit zum Staatskult erhoben und ein Staatsfest (Bendida) gestiftet wurde, bei welchem im Piräeus feierliche Prozessionen und Fackelläufe abgehalten wurden. Der Name wird als "leuchtende Frau" gedeutet, gleich bedeutend mit Vanadis, einem Beinamen der nordischen Freia. Vgl. Grimm, Über die Göttin B. ("Kleinere Schriften", Bd. 5).

Bendorf, Stadt im preuß. Regierungsbezirk und Kreis Koblenz, Station der Eisenbahn Speldorf-Niederlahnstein, hat 1 evangelische und 1 kath. Kirche, 3 Irrenanstalten, Fabriken für feuerfeste Steine, Zichorie, Bleiweiß, Schwemmsteine, ein Eisenhüttenwerk, Bierbrauerei, Gas- und Wasserleitung und (1880) 3985 Einw. In der Nähe der Flecken Sayn (s. d.) und das Eisenhüttenwerk Mühlhofen.

Bene (lat.), gut; sich b. thun, sich gütlich thun.

Benecke, 1) Georg Friedrich, verdienstvoller Gelehrter im Fach der altdeutschen Litteratur, geb. 10. Juni 1762 zu Mönchsroth im Fürstentum Öttingen, bezog 1780 die Universität Göttingen, ward hier 1814 ordentlicher Professor, 1815 Unterbibliothekar und starb als Oberbibliothekar daselbst 21. Aug. 1844. Seine Studien erstreckten sich vorzugsweise auf altdeutsche und englische Litteratur; die erstere hat er mit zuerst zu einem Gegenstand akademischer Vorlesungen erhoben. In seinen hierher gehörigen Schriften: "Beiträge zur Kenntnis der altdeutschen Sprache und Litteratur" (Götting. 1810-32, 2 Bde.), "Der edelstein getichtet von Bonerius, aus Handschriften berichtigt und mit einem Wörterbuch versehen" (Berl. 1816), "Wigalois von Wirnt von Gravenberch" (das. 1819), "Iwein von Hartmann von der Aue" (in Gemeinschaft mit Lachmann, das. 1827) und "Wörterbuch zu Hartmanns Iwein" (Götting. 1833; 2. Aufl. von Wilken, 1874) zeigt er sich als einen scharfsinnigen Erklärer mittelhochdeutscher Dichter, besonders in lexikalischer Hinsicht. Seit 1828 redigierte er mit Heeren die "Göttinger gelehrten Anzeigen". Seine nachgelassenen Vorarbeiten zu einer Sammlung des mittelhochdeutschen Wörterschatzes verwerteten W. Müller und Zarncke in dem "Mittelhochdeutschen Wörterbuch" (Leipz. 1854-66, 4 Tle.; mit Supplement von Lexer, 1871 ff.).

2) Wilhelm, als Handelsschriftsteller bekannt, geb. 1776 zu Hannover, lebte lange in England, kehrte 1828 nach Deutschland zurück, wo er sich in Heidelberg theologischen und philosophischen Studien zuwandte und 8. März 1837 starb. Sein umfassendes Werk "Seeassekuranz und Bodmerei" (Hamb. 1807-21, 5 Bde.; neu bearbeitet von Nolte; das. 1852, 2 Bde.), ursprünglich englisch abgefaßt, dann