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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Benjamin ben Jona; Benjowski; Benkendorf

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Benjamin ben Jona - Benkendorf.

denen Ländern lebten, kennen zu lernen, durchzog er 1846-51 Palästina, Syrien, Mesopotamien und Kurdistan und ging durch Iran bis nach Indien; 1852-55 bereiste er Nordafrika von Ägypten bis Marokko und 1859-62 auch Nordamerika. Im Begriff, Arabien und China zu besuchen, starb er 1864 in London. Sein Reisewerk erschien in deutscher Bearbeitung: "Acht Jahre in Asien und Afrika; 1846 bis 1855" (Hannov. 1858).

Benjamin ben Jona, aus Tudela im span. Navarra, der erste Europäer, der Asien bereiste, unternahm teils in Handelsangelegenheiten, teils um die Zustände der zerstreuten Juden kennen zu lernen, 1159-73 eine Reise von Saragossa über Katalonien, die Provence, Italien, Griechenland, Cypern und Kilikien nach Syrien, Palästina und Persien, hielt sich in den Küstenstädten Jemens auf und kam über Ägypten nach Katalonien zurück. Er starb 1173. Seine öfters herausgegebenen schätzbaren Reisenotizen in hebräischer Sprache unter dem Titel: "Massaoth schel Rabbi Benjamin", als der erste Bericht von den Sitten und Zuständen obiger Länder und ihrer Bewohner interessant und merkwürdig, wenn auch nicht immer glaubwürdig, erschienen zuerst in Konstantinopel 1543 und wurden ins Lateinische, Holländische, Französische, Englische und Jüdisch-Deutsche übersetzt. Die neueste Ausgabe ist die englische von Asher unter dem Titel: "The itinerary of Rabbi Benjamin of Tudela" (Lond. u. Berl. 1840, 2 Bde.; mit Beiträgen von Zunz u. a.).

Benjowski, Moritz August, Graf von, ein merkwürdiger Abenteurer, geb. 1741 im Städtchen Werbowa im ungarischen Komitat Neutra als Sohn eines kaiserlichen Generals der Kavallerie, diente als österreichischer Leutnant im Siebenjährigen Krieg bis 1758 und trat dann den Besitz einer ererbten Starostie in Litauen an, wurde aber durch habsüchtige Verwandte derselben beraubt. B. lebte darauf eine Zeitlang als Flüchtling in Hamburg, Amsterdam und Plymouth, wo er nautischen Studien oblag. 1767 trat er in die Dienste der polnischen Konföderierten und ward 1768 Oberst und Generalquartiermeister. Nachdem er tapfer und kühn, öfters auch glücklich gegen die Russen gekämpft hatte, fiel er 1769 in russische Gefangenschaft und ward nach Kamtschatka gebracht. Hier gewann er die Gunst des Gouverneurs Nilow, der ihm sogar seine Tochter Aphanasia zur Gemahlin gab, stiftete aber mit den übrigen Verbannten eine Verschwörung an, die 26. April 1771 zum Ausbruch kam. Die Verschwornen töteten den Gouverneur, plünderten die Kronkasse, nahmen einige Kanonen und Mörser aus dem Arsenal, beladen damit ein Floß und schifften, 96 Mann stark, zur Mündung des Flusses Bolschaja. Am 11. Mai erreichten die Flüchtlinge den Tschekawinskischen Hafen. Von da ging B. auf der Krongaleote St. Peter, die sie aus dem Eis herausgehauen, mit 70 Mann 14. Mai 1771 in See und erreichte 2. Sept. nach Unterdrückung einer Meuterei unter dem Schiffsvolk die Insel Formosa, 24. Sept. Macao. Hier verkaufte er die Galeote dem portugiesischen Gouverneur, der ihn mit allen seinen Gefährten 23. Jan. 1772 auf zwei französischen Schiffen nach Ile de France bringen ließ. B. machte der französischen Regierung den Vorschlag, Madagaskar zu erobern und dort eine Kolonie anzulegen. Da man auf seinen Vorschlag einging, begab sich B. im Februar 1774 nach Madagaskar, gründete eine Kolonie zu Foulpoint und wußte sich das Vertrauen einiger einheimischer Stämme in dem Grad zu gewinnen, daß sie ihn 1776 zu ihrem König erwählten. Als er aber in Frankreich um Unterstützung für seine Kolonie nachsuchte, ward er als Abenteurer erkannt und verfolgt. Er trat nun wieder in österreichische Dienste und focht 1778 bei Habelschwerdt mit gegen die Preußen. 1783 suchte er in England eine Gesellschaft zur Kolonisation von Madagaskar zu stande zu bringen, fand auch in London und in Baltimore Unterstützung und landete 1785 wieder in Madagaskar. Als er jedoch hier Feindseligkeiten gegen die Franzosen anfing, schickte die Regierung von Ile de France aus Truppen gegen ihn. In einem Gefecht gegen dieselben 23. Mai 1786 wurde er tödlich verwundet und starb wenige Tage darauf. Seine Autobiographie (zuerst in engl. Sprache, Lond. 1790, 2 Bde.) wurde übersetzt von Forster (Leipz. 1791, 2 Bde.) und von Ebeling (Hamb. 1791, 2 Bde.). Aus ihnen entlehnte Kotzebue 1791 sein Drama "Die Verschwörung in Kamtschatka".

Benkendorf, 1) Ludwig Ernst von, sächs. Reitergeneral, geb. 5. Juni 1711 zu Ansbach, wo sein Vater Hofmarschall war, studierte die Rechte, trat 1733 in kursächsische Militärdienste, machte 1741 den Feldzug in Böhmen und Mähren mit und focht 1745 als Hauptmann mit Auszeichnung gegen die Preußen bei Kesselsdorf. In der Schlacht bei Kolin soll er durch einen glücklichen Reiterangriff auf den preußischen linken Flügel zum Sieg Dauns beigetragen haben und ward dafür zum Obersten befördert. Auch später nahm B. an mehreren Siegen der Österreicher ehrenvollen Anteil, namentlich bei Breslau (22. Nov. 1757) und bei Domstädtel in Mähren (18. Juni 1758), wo ein großer Transport der Preußen weggenommen wurde. Im J. 1762 focht B. als Generalmajor in der Schlacht bei Freiberg. Nachdem er mit vieler Umsicht den Rückzug der Reichsarmee nach Frauenstein gedeckt hatte, ward er vom sächsischen Hof nach Wien gesandt, um die rückständigen Kriegsgelder einzutreiben. Nach dem Tode des Königs August III. (1763) leitete er den Abzug der Sachsen aus Polen und ward 1775 Generalinspektor der Kavallerie. Im bayrischen Erbfolgekrieg (1778) stieß er mit den sächsischen Truppen zu dem preußischen Heer. 1788 zum Chef der Garde du Korps erhoben, starb er 5. Mai 1801.

2) Alexander von, russ. General, geb. 1783 zu Reval, kam, nachdem er eine deutsche Bildung empfangen, durch seine zum Hofmann ganz geeignete Persönlichkeit und durch seine Verwandtschaft mit der Gräfin Lieven an den St. Petersburger Hof, wo er den vertrauten Umgang der Großfürsten genoß. Bei der Ermordung des Kaisers Paul stand er stark im Verdacht der Mitwissenschaft. Dessen ungeachtet war er während der Regierung des Kaisers Alexander I. dessen nächster Vertrauter, begleitete den Kaiser auf allen seinen Feldzügen in Deutschland und Frankreich, wurde zum Generalleutnant und im Frieden zum General der Kavallerie befördert und dem Großfürsten Nikolaus als Adjutant beigegeben. Eingeweiht in die Verschwörung gegen die kaiserliche Familie beim Tod Alexanders, trug er zur Unterdrückung derselben das meiste bei, weshalb er 1826 vom Kaiser Nikolaus zum Chef der Gendarmerie und zum Kommandanten des kaiserlichen Generalquartiers ernannt wurde. Als Chef der dritten Abteilung der kaiserlichen Geheimkanzlei ward er der Schöpfer jener durch ganz Europa verzweigten geheimen Polizeispionage und übte als unzertrennlicher Begleiter des Kaisers auf allen seinen Reisen und Ausflügen einen großen Einfluß aus. Nikolaus soll geäußert haben: "Ich bin wohl für Rußland er-^[folgende Seite]