Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ben Lawers; Ben Macdhu; Benkulen; Benloew; Benndorf; Benne; Benneckenstein; Bennet

695

Benkulen - Bennet.

setzbar, aber nicht so B." Am 8. Nov. 1832 ward B. in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben und zum wirklichen Polizeiminister und Mitglied des kaiserlichen Reichsrats ernannt. Schließlich doch hinter Kleinmichel zurückgesetzt, legte er seine Ämter nieder und reiste im Frühjahr 1844 nach Deutschland, starb aber auf der Rückreise 23. Sept. 1844.

3) Konstantin von, jüngerer Bruder des vorigen, russ. General und Diplomat, geb. 1785, trat, anfangs zum Diplomaten bestimmt, 1812 in Militärdienst und machte als Major die Schlachten bei Borodino, Smolensk etc. mit. Im J. 1813 drang er an der Spitze eines eignen Korps bis Kassel vor. Auch in den Kämpfen bei Fulda und Hanau und beim Rheinübergang im Angesicht des Feindes that er sich hervor. Auf französischem Boden focht er als Generalmajor an der Spitze eines fliegenden Korps bei Soissons, Brienne, Craonne (wo er 7. März 1814 den Sieg entschied), bei der Einnahme von Reims und zog mit den Siegern in Paris ein. Nach Beendigung des Kampfes nahm er seinen Abschied, betrat 1820 die diplomatische Laufbahn und fungierte bis 1826 als außerordentlicher Gesandter an den Höfen zu Stuttgart und Karlsruhe. Beim Ausbruch des persischen Kriegs zum Generalleutnant und Generaladjutanten ernannt, entsprach er dem kaiserlichen Vertrauen durch die Siege bei Etschmiadsin, Eriwan und am Araxes, wo er den Feind, der ihm um das Doppelte überlegen war, fast aufrieb. Auch am Türkenkrieg nahm B. rühmlichen Anteil. Am 19. Juli 1828 besetzte er die Stadt Pravady in Bulgarien und beherrschte von hier aus die Bewegungen der Feinde in Silistria und Warna. Er starb 6. Aug. 1828. Die Schwester beider Brüder ist die in der diplomatischen Welt bekannte Fürstin Dorothea Lieven (s. d.).

4) Konstantin, Graf von, russ. General und Diplomat, geb. 1817, Sohn des vorigen, focht unter Weljaminow und Woronzow im Kaukasus, kam dann als russischer Militärkommissar nach Berlin, nahm 1855 am Orientkrieg teil, ging nach dem Friedensschluß in außerordentlicher Mission nach Spanien und 1857, zum Generalleutnant befördert, als Gesandter nach Stuttgart. Er starb an den Folgen mehrfach empfangener Wunden 29. Jan. 1858 in Paris. Nach seinem Tod erschien von ihm "Souvenir intime d'une campagne au Caucase" (Par. 1858).

Benkulen (Bangkahulu), niederländ. Residentstadt auf der Westküste von Sumatra, 25,087 qkm (456 QM.) groß mit (1882) 146,007 Einw. (darunter 146 Europäer und 606 Chinesen), war früher im Besitz der Engländer, die sich 1685 daselbst niedergelassen hatten, wurde aber 1825 von ihnen gegen die Niederlassungen auf der Malaiischen Halbinsel an die Holländer abgetreten. Es ist ein ungesundes, aber fruchtbares Land, das an der Küste zwischen dem Ozean und den Gebirgen des Innern sich hinzieht. Hauptprodukt ist Pfeffer, auch Gold kommt vor; allein der Verkehr ist unbedeutend. Die Hauptstadt B., am Meer, ist Sitz des Residenten, der im Fort Marlborough wohnt, hat eine christliche Missionskirche und etwa 6000 Einw. Die Reede ist unsicher, der Ankerplatz bei der 5 km entfernten Ratteninsel. B. ist gegen früher sehr in Verfall geraten.

Ben Lawers (spr. läh-ers), Gipfel der südlichen Grampians in Schottland, neben dem Loch Tay, 1214 m hoch.

Benloew, Louis, Philolog, geb. 15. Nov. 1818 zu Erfurt, studierte in Berlin, Leipzig und Göttingen, wurde 1841 Lehrer der neuern Sprachen in Nantes, 1843 in Bourg, kam hierauf als zweiter Konservator der Bibliothek der Sorbonne nach Paris und folgte 1849 einem Ruf als Professor der alten Litteratur nach Dijon. Seine Hauptschriften sind: "De l'accentuation dans les langues lado-européennes" (Par. 1847); "Aperçu général de la science comparative des langues" (1858, 2. Aufl. 1872); "Théorie générale de l'accentuation latine" (mit Weil, 1855); "Précis d'une théorie de rhythmes" (1862, 2 Tle.); "Essai sur l'ésprit des littératures: La Grèce et son cortège" (1870); "Analyse de la langue albanaise" (1879); "Les lois de l'histoire" (1881) u. a.

Ben Macdhu (spr. mak-dhü, sonst auch Ben Macdhui), Gipfel des zu den schottischen Grampians gehörigen Cairngormgebirges (s. d.), 1309 m hoch.

Benndorf, Otto, Archäolog, geb. 13. Sept. 1838 zu Greiz im Vogtland, studierte 1857-59 zu Erlangen, dann bis 1862 zu Bonn unter Ritschl, Jahn und Welcker, war 1863-64 Gymnasiallehrer zu Schulpforta, 1864-68 auf archäologischen Reisen in Italien und Griechenland, 1868-69 Dozent für Archäologie und Philologie in Göttingen, 1869-71 ordentlicher Professor der Archäologie in Zürich, 1871-72 Honorarprofessor in München, dann seit Ostern 1872 ordentlicher Professor der Archäologie in Prag und folgte 1877 einem Ruf an die Universität nach Wien. Er beschrieb zusammen mit R. Schöne die antiken Bildwerke des lateranensischen Museums (Leipz. 1867), publizierte eine Reihe griechischer und sizilischer Vasenbilder (Berl. 1869-83) und die Metopen von Selinunt (das. 1873). Die "Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich" enthalten von ihm eine Beschreibung der Antiken Zürichs (1872). Außerdem schrieb er: "Beiträge zur Kenntnis des athenischen Theaters" (Wien 1875) und "Antike Gesichtshelme und Sepulkralmasken" (das. 1878). 1875 beteiligte er sich mit Conze (s. d.) und Hauser an der zweiten archäologischen Expedition nach Samothrake; 1881 unternahm er auf Staatskosten eine Forschungsreise im südwestlichen Kleinasien und wiederholte sie 1883 mit glücklichstem Erfolg, indem es ihm gelang, das Grabmal von Gjölbaschi für die Wiener Sammlungen zu gewinnen (vgl. seinen "Vorläufigen Bericht", Wien 1883, und "Reisen in Lykien und Karien", mit G. Niemann, das. 1884, mit 49 Tafeln).

Benne, uraltes Wort für Korbwagen; auch der Wagenkasten, Sitzkasten eines Schlittens; noch in Bayern und in der Schweiz gebräuchlich.

Benneckenstein, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Nordhausen, an der Rapphode, 432 m ü. M., in einer von der Provinz Hannover und Braunschweig umschlossenen Enklave gelegen, hat eine evangelische Kirche, Fabrikation von Zündhölzern, Nägeln, eine Wasserleitung und (1880) 3334 Einw. In der Nähe sind Eisenerzgruben, für welche in dem Ort Sorge ein Hüttenwerk besteht.

Bennet, Henry, Graf von Arlington, engl. Staatsmann, geb. 1618 zu Arlington in Middlesex, ging nach der Hinrichtung König Karls I. nach Frankreich und Italien, ward in Frankreich 1649 Sekretär des Herzogs von York und trat dann in die Dienste Karls II., der ihn 1658 an den Madrider Hof schickte. Nach der Restauration der Stuarts stieg er in der Gunst des Königs, verfaßte die Indulgenzerklärung von 1663 und wurde in diesem Jahr zum Baron Arlington und Staatssekretär ernannt. Als Mitglied des berüchtigten Cabalministeriums begünstigte er den Katholizismus, betrieb die Verbindung mit Ludwig XIV., zu dem er 1672 als Gesandter ging, und den Krieg mit Holland und wurde 1672 zum Grafen von Arlington erhoben. 1675 fiel er in Ungnade, ward zwar 1679 wieder Mitglied des Geheimen Rats,