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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bertinazzi; Bertīni; Bertoldo; Bertolōni; Berton

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Bertinazzi - Berton.

schönen Künste, bis er nach seines Bruders Tod (1854) die Leitung des "Journal des Débats" übernahm. - Seine Schwester Louise Angélique, geb. 15. Jan. 1805 zu Les Roches bei Bièvres, widmete sich anfangs ebenfalls der Malerei, dann unter Fétis' und Reichas Leitung der Musik und komponierte verschiedene Opern: "Guy Mannering", "Le Loup-garou" (1827), "Fausto" (1834) und "Esmeralda" (Text von V. Hugo, 1836). Auch gab sie eine Sammlung von Gedichten: "Les Glanes" (Par. 1842), heraus, die von der Akademie gekrönt wurden. Sie starb 26. April 1877 in Paris.

Bertinazzi, Carlo Antonio, unter dem Namen Carlino berühmter ital. Komiker und Improvisator, geboren um 1713 zu Turin, war ursprünglich Soldat, wirkte dann in verschiedenen Städten Italiens als Komiker und ging 1741 nach Paris zur Italienischen Komödie. Mit außerordentlichem Beifall spielte er hier bis zu seinem Tode die Rollen des Harlekins, wobei er im Improvisieren eine so erstaunliche Gewandtheit entwickelte, daß er selbst fünfaktige Stücke ganz aus dem Stegreif spielte. Er starb in Paris 7. Sept. 1783. Im Druck erschienen von ihm nur "Nouvelles métamorphoses d'Arlequin" (Par. 1763). Das Buch "Clément XIV et Carlo B., correspondance inédite" (Par. 1827) ist Erdichtung von de Latouche, der es herausgab.

Bertīni, 1) Henri, Klaviervirtuose und Komponist für sein Instrument, geb. 28. Okt. 1798 zu London, war Schüler seines von Clementi gebildeten Bruders Benoit B. und machte, kaum zwölf Jahre alt, mit seinem Vater eine Kunstreise durch Holland, Belgien und Deutschland. In der Folge widmete er sich vorwiegend dem Studium der Komposition und von 1821 an in Paris dem Lehrfach, in welchem er die glänzendsten Erfolge erzielte. B. hat sich besonders durch seine trefflichen Etüden, die "Études caractéristiques", "Caprices-Études", "Études artistiques" etc., einen Namen gemacht. Seine größern Klavierkompositionen sind melodiös und geschickt gearbeitet, aber von geringerm Wert. Als Virtuose folgte er der von Cramer und Hummel eingeschlagenen Richtung. Er starb 1. Okt. 1876 auf seinem Landsitz zu Meylan bei Grenoble, nachdem er sich schon 20 Jahre zuvor von der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte.

2) Domenico, Komponist und Musikschriftsteller, geb. 26. Juni 1829 zu Lucca, erhielt seine Ausbildung an der dortigen Musikschule sowie später durch Puccini, debütierte 1850 als Komponist mit einer Messe und wurde 1857 zum Kapellmeister und Direktor der Musikschule in Massa-Carrara ernannt. Von hier siedelte er 1862 nach Florenz über, wo er sich bis zur Gegenwart teils als Direktor der "Società Cherubini", teils als Mitarbeiter des "Boccherini" und andrer Musikzeitungen ehrenvoll ausgezeichnet hat. B. ist Autor zweier Opern und einer verdienstvollen theoretischen Arbeit: "Compendio di principii di musica" (Flor. 1866).

Bertoldo, ital. Volksbuch, dessen gleichnamiger Held, ein verkrüppeltes Bäuerlein, zu Verona am Hof des Langobardenkönigs Alboin allerlei Schwänke treibt. Es ist eine im italienischen Sinn unternommene Bearbeitung des uralten Volksbuchs von Salomon und Markolf und gehört zu den volksmäßigsten Produkten der burlesken Poesie in Italien. Eine Fortsetzung desselben bildet die Geschichte von "Bertoldino und Cacasenno" von Giul. Cesare Croce aus Bologna (Ende des 16. Jahrh.).

Bertolōni, Antonio, Botaniker, geb. 8. Febr. 1775 zu Sarzana, studierte in Pavia Medizin und Botanik, praktizierte als Arzt in Sarzana, lehrte seit 1811 als Professor der Naturwissenschaften am kaiserlichen Lyceum zu Genua, seit 1816 als Professor der Botanik in Bologna und starb daselbst 17. April 1869. Er begründete seinen Ruf durch seine "Flora italica" (Bologna 1833-54, 10 Bde.), welcher er eine "Flora italica cryptogama" (das. 1858-67, 2 Bde.) folgen ließ. Von seinen übrigen Schriften sind noch erwähnenswert: "Amoenitates italicae" (Bologna 1819); "Pralectiones rei herbariae" (das. 1827); "Dissertatio de quibusdam novis plantarum speciebus et de Bysso antiquorum" (das. 1835); "Florula guatimalensis" (das. 1840); "Miscellanea botanica" (das. 1842-63, 24 Tle.) und "Piante nuove asiatiche" (das. 1864-65).

Berton (spr. -tong), Musikerfamilie, deren Stammvater Pierre Montan, geb. 1727 zu Paris, gest. 1780 daselbst, als Opernkomponist bekannt geworden ist, überdies und namentlich aber dadurch, daß er seit 1774 der Großen Oper in Paris als Generaladministrator vorstand und als solcher sowie durch seine Fähigkeit als Dirigent zum Erfolg der Gluckschen Opernreform persönlich mitgewirkt hat. - Als schaffender Künstler von ungleich höherer Bedeutung war sein Sohn Henri Montan B., geb. 17. Sept. 1767 zu Paris, gest. 22. April 1844 daselbst. Von Sacchini in der Komposition unterrichtet, konnte B. schon 1786 mit einer Kantate im Concert spirituel erfolgreich debütieren und im folgenden Jahr auch mit einer Oper: "Les promesses de mariage", in der Comédie italienne freundliche Aufnahme finden. Zwei weitere Opern verschafften ihm eine so geachtete Stellung in der Künstlerwelt, daß er 1795 an das eben neuerrichtete Konservatorium als Lehrer der Komposition berufen wurde. Von 1807 bis 1809 wirkte er als Musikdirektor an der Italienischen Oper mit Erfolg zur Hebung des Geschmacks, unter anderm auch durch Einstudierung von Mozarts "Hochzeit des Figaro", dann bis 1815 als Chef des Gesanges an der Großen Oper. Später widmete er sich ausschließlich der Lehrthätigkeit und der dramatischen Komposition. Von seinen nahe an 60 Werken dieser Gattung haben ihn nur drei überlebt: "Montano et Stéphanie", "Le Délire" und "Aline", welche neben großer Bühnengewandtheit eine ausgeprägte Persönlichkeit erkennen lassen. - François B., der natürliche Sohn des vorhergehenden und der Opernsängerin Maillard, geb. 3. Mai 1784 zu Paris, gest. 15. Juli 1832, hat sich als Gesanglehrer und Romanzenkomponist, von 1810 an auch durch einige beifällig aufgenommene Opern bekannt gemacht. - Sein Sohn Adolphe B., geb. 1817 zu Paris, bildete sich am Konservatorium zum dramatischen Sänger aus, hatte jedoch als solcher in Paris keinen Erfolg und ging deshalb 1843 nach Algier, wo er als geschätztes Mitglied des Theaters 28. Febr. 1857 starb.

2) Charles François, franz. Schauspieler, geb. 16. Sept. 1820 zu Paris, trat 1836 daselbst ins Konservatorium, errang den ersten Preis im Lustspiel, debütierte aber 1837 im Théâtre français mit wenig Glück; er ging daher zum Vaudevilletheater, nach dessen baldigem Schluß aber von neuem zum Théâtre français, wo er nun im "Menteur" reüssierte. Unter Duprez' Leitung vervollkommne er sich auch im Gesang und folgte später als Sänger einem glänzenden Anerbieten nach Wien und Petersburg. Hier war er 1846-53 der Nachfolger Bressants, den er später am Gymnasetheater ersetzte. Gefeiert in Stücken wie "Diane de Lys", "Le gendre de Mr. Poirier", "Demi-Monde" und andern Sensationsstücken des modernen