Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

798

Bertrade - Bertuch.

Repertoires, galt er für einen der besten Darsteller. Er ging später zum zweitenmal nach Rußland, wirkte nach seiner Rückkehr (1860) mehrere Jahre am Gaitétheater und errang dann als Marquis von Villemer im Odéon, noch mehr 1866 als Baron d'Estrigaud in Augiers "Contagion" und 1867 als Prinz Condé in Bouilhets "Conjuration d'Amboise" große Erfolge. Seit einiger Zeit in Melancholie, zuletzt in Irrsinn verfallen, starb B. 18. Jan. 1874 in Paris. - Seine Frau (seit 1842) Karoline B., Tochter seines frühern Lehrers, Samson, hat sich durch Romane, Novellen und Proverbes bekannt gemacht. Beider Sohn Peter B., geb. 1843 zu Paris, gehörte eine Reihe von Jahren hindurch dem Gymnasetheater an und spielte erste Liebhaber. 1871 ging er nach Bordeaux und wurde im folgenden Jahr Mitglied der Pariser Comédie française. Er ist auch Verfasser mehrerer dramatischer Arbeiten.

Bertrade, Tochter des Grafen Simon I. von Montfort, wurde mit Fulko, Grafen von Anjou, verheiratet. Philipp I., König von Frankreich, sah das reizende Weib, verstieß seine erste Gemahlin, Bertha, nach 20jähriger Ehe und vermählte sich 1092 mit der ihrem Gemahl entführten B. Da ihn jedoch 1096 der Bann deshalb traf und die Grafen von Anjou und Flandern sich empörten, schied er sich zum Schein von B., nahm sie später aber wieder zu sich und lebte mit ihr bis zu seinem Tod (1108), worauf sich B. in das von ihr gestiftete Kloster Hautes-Bruyères bei Chartres zurückzog.

Bertram und Bertramwurzel, s. Anacyclus.

Bertram, deutscher, s. Ptarmica.

Bertramkamille, s. Anacyclus.

Bertramwurz, s. Pyrethrum.

Bertrand (spr. -trang), 1) Henri Gratien, Graf, der treue Gefährte Napoleons I., geb. 28. März 1773 bei Châteauroux (Indre) aus einer angesehenen Familie, trat während der Revolution in die Pariser Nationalgarde, dann ins Ingenieurkorps, diente 1795-96 in der Pyrenäen- und in der italienischen Armee und machte die Expedition nach Ägypten mit. Hier als Leiter der Befestigungsbauten von Alexandria Napoleon näher bekannt geworden, ward er zum Brigadegeneral befördert. Nachdem er in der Schlacht bei Austerlitz große Tapferkeit bewiesen, ernannte ihn der Kaiser 1805 zum Generaladjutanten und später zum Grafen. 1806 bewirkte B. als Divisionsgeneral die Übergabe Spandaus und zeichnete sich 1807 bei Friedland aus. 1809 trug er nach der Schlacht bei Aspern durch seine Thätigkeit bei Schlagung der Brücken von der Insel Lobau aus wesentlich zur Rettung der Armee bei. 1812 nahm er am russischen Feldzug teil, und 1813 befehligte er das Reserve- oder vierte Armeekorps bei Lützen und Bautzen. Nach Durocs Tod ernannte ihn der Kaiser zum Großmarschall des Palastes. An der Spitze seines Korps kämpfte er in den Schlachten von Großbeeren und Dennewitz und verteidigte 3. Okt. bei Wartenburg den Elbübergang gegen Blücher. Bei Leipzig schützte er 16. und 18. Okt. in Lindenau die Straße nach Thüringen und deckte dann den Rückzug an den Rhein, nach der Schlacht bei Hanau aber den Rheinübergang bei Mainz. 1814 begleitete er den Kaiser nach Elba, war dessen Vertrauter während der Hundert Tage, kämpfte an seiner Seite bei Waterloo, folgte ihm mit seiner Familie nach St. Helena und bewies ihm bis zu seinem Tode die aufopferndste Treue. Zwar war er 1816 in Paris zum Tod verurteilt worden; doch wurde er von England nicht ausgeliefert und nach Napoleons Tod sogar in seine Würden wieder eingesetzt. Nach der Julirevolution wurde er in die Kammer gewählt, und schloß sich hier der liberalen Partei an. 1834 zog er sich auf sein Landgut bei Châteauroux zurück. 1840 wurde er mit dem Prinzen Joinville zur Abholung der Asche Napoleons nach St. Helena geschickt. Mit den Vorbereitungen zur Herausgabe der Memoiren Napoleons beschäftigt, starb er 31. Jan. 1844 zu Châteauroux.

2) Friedrich Oskar, Landwirt, geb. 1824 zu Heilbronn, studierte 1844 die Landwirtschaft in Hohenheim, fungierte dann drei Jahre als Ökonomieverwalter in Württemberg und wurde 1847 Verwalter der Mertensschen Güter zu Ostin in Belgien. Hier führte er die damals auf dem Kontinent noch unbekannte Drainierung mit so durchschlagendem Erfolg aus, daß dieselbe alsbald in ganz Belgien Nachahmung fand. Auch für Deutschland wurde die dortige Wirtschaft eine Schule der Drainage. Im J. 1849 gründete er in Ostin eine Ackerbauschule, welche bald den ersten Rang unter ähnlichen Instituten des Landes einnahm. Als Mitglied des Verwaltungsrats des landwirtschaftlichen Hauptvereins für Belgien seit 1853 und als Mitredakteur des "Moniteur des Campagnes" übte B. einen großen Einfluß auf die belgische Landwirtschaft aus. 1855 kehrte B. nach Württemberg zurück, nahm 1857 die Stelle eines Oberverwalters auf dem in Westfalen gelegenen Gut Karthaus-Weddern des Herzogs von Croy an und gab den ersten Anlaß zur Gründung der theoretischen Ackerbauschulen in Westfalen. Er schrieb: "Ackerbau und Viehzucht für den kleinen Landwirt" (mit dem Koppe-Preis gekrönt, 7. Aufl., Münster 1884) und "Über landwirtschaftliche Pachtverträge" (Bresl. 1870).

Bertrand de Born, s. Born.

Bertrich, Dorf und Badeort im preuß. Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Kochem, 165 m ü. M., in einem engen, von steilen Bergen begrenzten und vom Üsbach durchflossenen Seitenthal der Mosel, 11 km vom Bahnhof Bullay (Koblenz-Trierer Eisenbahn), mit einer katholischen Kirche und (1880) 434 Einw. Die hiesige, schon den Römern bekannte und ziemlich stark besuchte Heilquelle ist eine alkalische Glaubersalztherme von 32° C. und wird vorzüglich bei Gicht und Rheumatismus, Katarrhen des Magens und der Gallenwege, Menstruationsstörungen, Hysterie und Hautkrankheiten angewendet. Das Klima ist mild, doch nicht frei von Temperatursprüngen. Die Badeanstalten (neues Badehaus von 1882 mit Dampfheizung) sind mit allem Komfort eingerichtet. In der Nähe sind eine Basaltgrotte ("Käskeller" genannt), der 16 m hohe Fall des Elbisbaches und die sogen. "Falkenlei", ein 415 m hoher halbkugelförmiger vulkanischer Schlackenhügel, merkwürdig. Vgl. "Bad B. Mit Einleitung von A. v. Humboldt und einer geognostischen Übersicht von H. v. Dechen" (Koblenz 1847); Cüppers, Bad B. und seine Heilquellen (Wien 1884).

Bertuch, Friedrich Justin, Übersetzer, Herausgeber, Kunst- und Buchhändler, geb. 30. Sept. 1747 zu Weimar, studierte in Jena 1765-69 erst Theologie, dann die Rechte, ward 1769 Erzieher der Söhne des Freiherrn Bachoff v. Echt bei Altenburg, durch den er auf die spanische Litteratur hingeführt wurde, 1775 Kabinettssekretär in Weimar sowie 1785 Legationsrat daselbst, trat 1796 ins Privatleben zurück und starb in Weimar 3. April 1822. Mehr als durch eigne Dichtungen (z. B. "Wiegenliederchen", Altenb. 1772; die komische Oper "Das große Los", Weimar 1799; das Monodrama "Polyxena" u. a.) hat sich