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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bethlehem; Bethlehemiten; Bethlehemitischer Kindermord; Bethlen; Bethmann

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Bethlehem - Bethmann.

Bethlehem, Stadt im nordamerikan. Staat Pennsylvanien, am Lehigh, nicht weit von Allentown, wurde 1741 unter Graf Zinzendorf von Herrnhutern gegründet, die hier ein theologisches Seminar und andre gesuchte Schulen haben. B. ist außerdem Sitz der 1866 gegründeten Lehigh University, hat große Eisen- und Zinkhütten, Gießereien, Fabrikation von Weißblech und Messing und große Gerbereien und zählt (1880) 5193 Einw.

Bethlehemiten, 1) Benennung der Hussiten, nach der Kapelle Bethlehem zu Prag, in welcher Huß predigte. -

2) Ein geistlicher Orden, der einzige amerikanischen Ursprungs, gestiftet um 1659 von Peter von Béthencourt, Franziskaner in Guatemala, für Hospitaldienst und unentgeltlichen Schulunterricht, ward 1673 vom Papst bestätigt. Ein weiblicher Orden der B. wurde 1668 gestiftet.

Bethlehemitischer Kindermord, die Ermordung der zweijährigen und jüngern Knaben in Bethlehem und dem Stadtgebiet auf Befehl des Königs Herodes, der damit die Beseitigung des neugebornen Königs der Juden (Jesus) bezweckte (Matth. 2, 16-18). Das von der Kunst vielbehandelte Ereignis ist historisch in keiner Weise beglaubigt. In England bezeichnet B. K. scherzweise (wie Massacre of the Innocents, s. d.) das Überbordwerfen aller unerledigten Bills.

Bethlen, 1) Gabriel (Gabor) von Iktar, gewöhnlich Bethlen Gabor genannt, Fürst von Siebenbürgen und König von Ungarn, geb. 1580 aus einer angesehenen oberungarischen, auch in Siebenbürgen begüterten Familie, wurde, nachdem er unter den Fürsten Sigismund und Gabriel Báthori sich als Parteiführer hervorgethan, 1613 zum Fürsten von Siebenbürgen gewählt. Da Österreich, ogleich ^[richtig: obgleich] es ihn 1617 formell anerkannte, sich ihm doch mißgünstig zeigte, rückte er 1619 in Verbindung mit den Böhmen in Ungarn ein und drang bis Preßburg vor, während Matthias, Graf v. Thurn, Wien vergeblich belagerte, ließ sich zum König von Ungarn wählen, mußte sich aber, nachdem der Kaiser durch die Schlacht am Weißen Berg das Übergewicht erhalten hatte, mit dem königlichen Titel und einigen Gespanschaften von Ungarn begnügen (1621). Ein zweiter Einfall Bethlens in Mähren, 1623, endigte mit dem 1624 unter den alten Bedingungen geschlossenen Frieden. Seine 1626 erfolgte Vermählung mit Katharina, der Schwester des Kurfürsten von Brandenburg, bewog ihn 1626 zum drittenmal zum Angriff auf den Kaiser, welcher die Werbung Bethlens um die Hand seiner Tochter abgelehnt hatte, doch ließ er sich durch die Herrschaft Munkács zufriedenstellen. Für die protestantische Sache erwies er sich stets als einen sehr unzuverlässigen Bundesgenossen. Seitdem blieb B. ruhig, sorgte für die Wohlfahrt seines Landes und förderte Künste, Wissenschaften und Gewerbe. Er starb kinderlos 15. Nov. 1629. B. stiftete die Akademie zu Weißenburg und berief fremde Gelehrte, Künstler und Handwerker.

2) Johann, Kanzler von Siebenbürgen und Geschichtschreiber, geb. 1613, gest. 1687, Verfasser des Geschichtswerks "Rerum transsilvanicarum libri IV, continentes res gestas principum ejusdem ab a. 1629 ad annum 1663" (Hermannstadt 1663; fortgesetzt nach der Handschrift des Verfassers bis 1674 von Horanyi, Wien 1783).

3) Wolfgang, geb. 1684, siebenbürg. Kanzler und bekannt durch seine Geschichte Siebenbürgens in lateinischer Sprache in 16 Büchern, welche die Begebenheiten von der Schlacht bei Mohács 1526-1609 erzählt und, unter dem Titel: "Wolfgangi de B. historia de rebus transsilvanicis" (Pest 1782-95) von J. ^[Joseph] Benkö herausgegeben, eine Hauptquelle für die Geschichte Siebenbürgens bildet.

Bethmann, 1) angesehenes Bankierhaus in Frankfurt a. M., dessen Vorfahren, aus den Niederlanden zur Zeit der Religionsverfolgungen vertrieben, sich indem Städtchen Nassau bei Frankfurt niedergelassen hatten. Simon Moritz B., geb. 26. März 1687, gest. 6. Juni 1725 als fürstlich nassauischer Amtmann, hinterließ vier Kinder, welche ihr Oheim, der Frankfurter Handelsherr Jakob Adamy, geb. 8. Dez. 1670, zu sich nahm und erziehen ließ. Der älteste Sohn, Johann Philipp B., geb. 30. Nov. 1715, wurde von Adamy frühzeitig in sein damals schon blühendes Handelsgeschäft eingeführt und zum Erben desselben eingesetzt. Derselbe führte nach Adamys Tod (23. Dez. 1745) das Geschäft noch einige Zeit unter der alten Firma fort und nahm 1748 seinen jüngsten Bruder, Simon Moritz B. (geb. 6. Okt. 1721, gest. 1782), als Kompagnon auf. Das Geschäft blüht seitdem unter der Firma Gebrüder B. und nahm unter der Leitung der beiden rührigen Brüder einen großen Aufschwung. Johann Philipp B. starb als kaiserlicher Rat 27. Nov. 1793, worauf sein einziger Sohn, Simon Moritz B., geb. 31. Okt. 1768, Chef des Hauses wurde, das durch die stets wachsende Ausdehnung seiner Bankgeschäfte sowie durch die Negoziation großer Anleihen für Österreich, Dänemark etc. zu immer höherm Flor gelangte. Simon Moritz B., welcher sich durch seinen Sinn für Kunst und Wissenschaft besonders auszeichnete, ward vom Kaiser Franz I. von Österreich in den Adelstand erhoben und vom Kaiser Alexander I. von Rußland zum Generalkonsul und Staatsrat ernannt; er starb 28. Dez. 1826. Ihm folgte sein ältester Sohn, Philipp Heinrich Moritz Alexander von B., geb. 8. Okt. 1811, gest. 2. Dez. 1877, welcher 1854 in den badischen Freiherrenstand erhoben wurde. Gegenwärtiger Chef des Hauses ist dessen Sohn Simon Moritz, geb. 13. Okt. 1844. Susanna Elisabeth B., Tochter des kaiserlichen Rats Joh. Philipp B. (geb. 1763, gest. 1831), war vermählt mit Joh. Jak. Hollweg (geb. 1748, gest. 1808), Associé von Gebrüder B., der das Bethmannsche Wappen annahm und Stifter der Linie Bethmann-Hollweg wurde. Die Bethmannsche Villa vor dem Friedberger Thor in Frankfurt, reich an Kunstschätzen aller Art, enthält das sogen. Bethmannsche Museum mit dem berühmten Danneckerschen Kunstwerk: Ariadne als Bakchosbraut auf dem Panther reitend (Ariadne auf Naxos).

2) Friederike Auguste Konradine, eine der größten deutschen Schauspielerinnen, geb. 24. Jan. 1766 zu Gotha als Tochter des herzoglichen Beamten Flittner. Durch ihren Stiefvater, den Schauspieldichter Großmann, kam sie zur Bühne, auf der sie sich 1779 zuerst versuchte. Anfangs widmete sie sich lediglich der Oper, ging aber bald zum Schauspiel über und glänzte in muntern und naiven ebenso wie in hochtragischen Rollen. Zu Mainz 1785 mit dem berühmten Komiker Unzelmann verheiratet, folgte sie demselben 1788 nach Berlin und ward hier bald ein Liebling des Publikums. 1803 ließ sie sich von Unzelmann scheiden und heiratete den Schauspieler B. (s. unten). Noch im vollen Besitz ihres Talents und Ruhms, starb sie in der Nacht vom 15. zum 16. Okt. 1815 in Berlin. Sie gehörte unter die seltenen Erscheinungen des deutschen Theaters, deren Talent sich allseitig entwickelt hatte; in der Oper glänzte sie bis 1796 durch eine liebliche Stimme und seelenvollen Vortrag, im Schauspiel durch Lebensfrische, natür-^[folgende Seite]