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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Beza; Bezborodko; Bezdán; Bezerédj

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Beza - Bezerédj.

neischen Frage" (Gotha 1876); "Aus dem Leben eines früh Vollendeten, des Pfarrers Franz B." (5. Aufl., Halle 1878, 2 Bde.); "Erinnerungen an Albrecht Wolters" (das. 1880). Auf den preußischen Generalsynoden von 1875 und 1879 war er der beredte Führer der sogen. Mittelpartei. Im Dienste derselben Richtung gibt B. seit 1876 die "Deutsch-evangelischen Blätter", eine kirchenpolitische Zeitschrift, heraus.

2) Robert, Maler, geb. 1. Juli 1838 zu Nördlingen, bildete sich auf der Münchener Kunstakademie und bei Phil. Foltz und setzte dann seine Studien in Paris und Italien fort. Er weiß in seinen Genrebildern mit besonderm Glück weibliche Anmut und Empfindsamkeit zu schildern und zugleich durch eine geschickte Wahl der Motive zu fesseln. Auch versteht er das romantische Element mit dem modernen Schönheitsgefühl und einem gefälligen Kolorit harmonisch zu vereinigen, wobei er einen besondern Wert auf reiche Kostümierung legt. Unter seinen durch Stich und Photographie weitverbreiteten, meist sehr sentimentalen Bildern sind die bekanntesten: Faust und Gretchen, Sonntagsmorgen, Psyche, Iphigenia, Osterspaziergang, mittelalterliches Liebespaar am Baum, Hochzeitszug im Mittelalter, Orpheus und Eurydike. Er lebt in München.

Beza (de Bèze), Theodor, Genfer Reformator, aus adligem Geschlecht, geb. 24. Juni 1519 zu Vezelay in Nivernais, wo sein Vater Peter de Bèze Bailli war, lebte von seinem neunten Jahr an zu Orléans und Bourges im Haus Melchior Volmars, eines deutschen Philologen, der ihn mit den Grundsätzen des Protestantismus bekannt machte. Nachdem er darauf die Rechte zu Orléans studiert hatte, lebte er in Paris im Besitz zweier Pfründen ziemlich locker und verkehrte als eleganter und witziger lateinischer Dichter ("Poëmata juvenilia", Par. 1548) in vornehmen Kreisen. Diesem Leben entsagte er nach innern Kämpfen und schwerer Krankheit, begab sich 1548 nach Genf, heiratete und trat zum Protestantismus über. Zehn Jahre wirkte er dann als Lehrer der griechischen Sprache in Lausanne und vollendete die von Marot begonnene metrische Übersetzung der Psalmen, die, später modernisiert, dem Kirchengesang der reformierten Gemeinden in Frankreich zu Grunde liegt. Calvin leistete er wesentliche Dienste durch seine polemischen Schriften über Prädestination und Abendmahl, teilte aber auch dessen Ansicht über die Bestrafung der Ketzer, wie er z. B. in seinem Buch "De haereticis a civili magistratu puniendis etc." (1554) Servets Hinrichtung zu rechtfertigen suchte. Er erwarb sich das Vertrauen der reformierten Schweizer in einem so hohen Grade, daß sie ihn 1557 und 1558 mehreren Gesandtschaften an die protestantischen Fürsten Deutschlands beiordneten, deren Fürsprache bei dem französischen Hof die bedrohten Waldenser in Piemont schützen sowie die Befreiung der in Paris verhafteten Reformierten auswirken sollte. Durch Calvin immer mehr der praktischen Theologie gewonnen, ging er 1558 nach Genf, ward als Prediger sowie als Professor der Theologie Calvins thätiger Gehilfe und trat für diesen gegen die Angriffe der Lutheraner Westphal und Tilemann Heßhusius in mehreren, zum Teil beißend ironischen Schriften 1559 und 1560 auf. Sein Talent zum Unterhandeln mit den Großen der Erde nahm die reformierte Kirche nun vielfältig in Anspruch. Nachdem er 1559 den König Anton von Navarra für die Reformation gewonnen, besuchte er 1561 auf dessen Verlangen mit Petrus Martyr Vermigli das berühmte Religionsgespräch zu Poissy, wo er mit Kühnheit und rhetorischer Gewandtheit die Sache der Reformation verteidigte. Bei dem Kolloquium zu St.-Germain 1562 eiferte er gegen die Bilderverehrung und wirkte nach Ausbruch des Bürgerkriegs als Feldprediger im Gefolge des Prinzen Condé. Nach dem Vertrag von 1563 trat er in Genf wieder in seine Ämter ein und galt nach Calvins Tod 1564, dessen Nachfolger als Präsident des Konsistoriums er war, als der erste Theolog dieser Kirche. 1571 nahm er an der allgemeinen Nationalsynode französischer Reformierten zu Nîmes teil. 1585 maß er sich bei dem Religionsgespräch zu Mömpelgard mit dem württembergischen Theologen Jakob Andrea, der lutherischen Ansicht von der Ubiquität des Leibes und Blutes Christi entgegentretend. Nachdem 1588 seine erste Gattin, Claude Desnoz, gestorben, heiratete der 69jährige, immer noch rüstige Greis eine zweite Frau, die verwitwete Genuesin Katharina del Piano, die sorgsame Pflegerin seines Alters. Nachdem er schon 1580 vom Vorsitz im Konsistorium zurückgetreten war, legte er 1598 sein Lehramt, 1600 sein Predigtamt nieder. Franz von Sales suchte ihn vergeblich zur Rückkehr in den Schoß der katholischen Kirche zu bewegen. Als die Jesuiten 1597 aussprengten, B. sei gestorben und habe sich noch vor seinem Ende zum katholischen Glauben bekannt, schrieb er dagegen ein Spottgedicht. B. starb 1605. Von seinen schriftstellerischen Werken sind zu erwähnen außer den kritischen Ausgaben des Neuen Testaments, zu welchen er neue Handschriften verglich, mehrere "Dialogi de praedestinatione, de coena sacra contra Io. Westphalium, Tilemannum Heshusium, Castellionem etc.", voll beißenden Spottes und ungebändigter Laune; "Icones virorum illustrium, cum emblematibus" (Genf 1580; in französischer Bearbeitung von Goguel, Straßb. 1858); "Vita Calvini" (1575; neue französische Bearbeitung von Franklin, Genf 1864; vor: "Calvini epistolae et responsa"). Ein Teil von Bezas Schriften ist gesammelt in "Th. Bezae tractatus theolog." (1582, 3 Bde.). Ihm schreibt man auch zu die wichtige Quellenschrift "Histoire ecclésiastique des églises réformées au royaume de France, depuis l'an 1521 jusqu'en 1563" (Genf 1580, 3 Bde.; Ausg. von Cunitz, Par. 1883 f.). Vgl. Baum, Theodor B., nach handschriftlichen Quellen dargestellt (Berl. 1843-51, 2 Bde.); Heppe, Theodor B. (Elberf. 1861).

Bezborodko, Alexander, Fürst von, s. Besborodko.

Bezdán (spr. besan), Markt im ungar. Komitat Bács-Bodrog, nahe der Mündung des Franzenskanals in die Donau, Dampfschiffstation, mit (1881) 7715 Einw.

Bezerédj (spr. bes-), Stephan, Mitglied der ungar. Opposition von 1848, geb. 28. Nov. 1796 zu Szerdahely im Ödenburger Komitat, studierte zu Ödenburg und Preßburg die Rechte, vertrat seit 1830 das Tolnaer Komitat auf den ungarischen Landtagen und stand 1832-36 und 1843-44 in den vordersten Reihen der Opposition. Eifrig auf Erleichterung der Lage der Bauern dringend, war er der erste, der sich, nachdem am Landtag von 1833 bis 1834 die Frage der Adelsbesteuerung durchgefallen war, freiwillig der Besteuerung unterzog, wodurch Hunderte von Adligen und Magnaten zur Nachahmung angeregt wurden. Mit seiner versöhnlichen, mehr humanen als politischen Richtung, welche sich z. B. in seiner Rede von 1844 gegen die Todesstrafe kundgab und in seinem vielseitigen Vereinswirken schöpferischen Ausdruck fand, nahm er 1848 und 1849 keine hervorragende Stellung ein. Er starb 6. Mai 1856