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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Birkenbeine - Birkenwasser.

virtuose der äußerlichsten Art, ohne tiefere Anlage. Seine Dramen, außer dem oben genannten: "Margenis, oder das vergnügte, bekriegte und wieder befreite Deutschland" (Nürnb. 1679, aufgeführt schon 1651) und die Singspiele. "Psyche" und "Sophia" (Baireuth 1662), sind unerquickliche Allegorien. Sein "Spiegel der Ehren des Hauses Österreich" (Nürnb. 1668) ist die Umarbeitung eines ältern Werks von F. J. ^[richtig: J. J. für Johann Jacob] Fugger, mit Tilgung alles für den Papst, die Geistlichkeit und die fremden Monarchen Unangenehmen; sein "Guelfis, oder Niedersächsischer Lorbeerhain" (das. 1669) eine ähnliche Verherrlichung des Hauses Braunschweig. Seine theoretischen Ansichten von Poesie und Rhetorik legte er in seiner "Teutschen Redebind- und Dichtkunst" (Nürnb. 1679) nieder. Eine Auswahl seiner Gedichte findet sich in Müllers "Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrhunderts", Bd. 9 (Leipz. 1826). Vgl. Tittmann, Die Nürnberger Dichterschule (Götting. 1847).

Birkenbeine (Birkebeiner), politische Partei in Norwegen, welche unter Eystein Meyla und nach dessen Tod 1177 unter Sverrir gegen den von der Kirche geleiteten König Magnus V. sich erhob und im Gegensatz gegen die klerikale Partei der Bagler, d. h. Krummstäbler, die nationale Partei bildete. Der Name B. kam davon her, daß die Anhänger Eysteins sich anfangs in den Wäldern verborgen hatten und, als ihre Kleider zerrissen waren, sich in die Rinde der Birke hüllen mußten. Unter Sverrirs Enkel Hakon V. (1217-63) gelangte die Partei der B. zur Herrschaft.

Birkenberg, Vorstadt von Přibram (s. d.).

Birkenfeld, ein zum Großherzogtum Oldenburg gehörendes, vom Hauptkörper aber abgesondert liegendes Fürstentum auf der linken Seite des Rheins, südlich am Hunsrücken, wird ganz von der preußischen Rheinprovinz (s. Karte "Oldenburg") begrenzt und umfaßt ein Areal von 503 qkm (9,13 QM.). Das Klima des vorherrschend bergigen, vom Hochwald und Idarwald durchzogenen Ländchens ist auf den Höhen rauh, in den geschützten Thälern mild, im ganzen aber gesund. Der einzige Fluß des Landes ist die Nahe. Der Ackerbau ist trotz der gebirgigen Beschaffenheit des stark bewaldeten Landes im allgemeinen befriedigend; Obstzucht gedeiht besonders an den Ufern der Nahe; blühend ist die Rindviehzucht. Die Waldungen bestehen größtenteils aus Laubholz. Gegenstände des Bergbaues sind Eisenstein und Dachschiefer. Die Industrie ist lebhaft, besonders im Amtsbezirk Oberstein die Achatschleiferei (über 120 Etablissements) nebst Fabrikation unechter Bijouterien, welche ca. 8000 Personen nähren. Die Bevölkerung betrug 1880: 38,685 Seelen, davon 30,326 Evangelische, 7579 Katholiken und 677 Juden. Die Rhein-Nahebahn durchschneidet der Länge nach das Ländchen. Die Regierung ist in dem großherzoglich oldenburgischen Haus nach dem Rechte der Erstgeburt erblich; aber die Verbindung des Fürstentums mit den übrigen oldenburgischen Ländern ist eine bloß persönliche, durch den gemeinsamen Regenten vermittelte. Die Regierungsgeschäfte besorgt unter der unmittelbaren Leitung des oldenburgischen Kabinetts das Regierungskollegium zu Birkenfeld, das aus einem Präsidenten und 4-5 Mitgliedern besteht. Die Gemeindeverwaltung ist selbständig und wird durch Bürgermeister, welche Staatsbeamte sind, kontrolliert. Es bestehen drei Amtsgerichte unter dem Landgericht in Saarbrücken (Oberlandesgericht in Köln). Das Finanzbudget des Fürstentums belief sich 1884 auf 541,887 Mk. Einnahmen und 576,437 Mk. Ausgaben.

Die gleichnamige Hauptstadt des Fürstentums, 381 m ü. M., an einem Bach und durch eine Zweigbahn mit der Rhein-Nahebahn (5 km) verbunden, ist Sitz der Landesbehörden und eines Amtsgerichts, hat eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, ein Gymnasium, Holzschuh-, Zichorien-, Tabaksfabrikation, Gerberei, Bierbrauerei, Viehzucht und (1880) 2539 meist ev. Einwohner (618 Katholiken). Etwa 1 km von B. liegt auf einem Berg die alte Burg B., einst Residenz der Herzöge von Pfalz-B. - Das jetzige Fürstentum B. ist ein Aggregat mehrerer Länderteile, die früher nie einen selbständigen Staatskörper bildeten, sondern zu den verschiedensten Staaten gehörten. Die geschichtlichen Hauptbestandteile sind: 1) die Herrschaft Oberstein, welche vom 12. Jahrh. bis 1682 eigne Herren hatte (die Herren von Daun und Oberstein, später Grafen von Falkenstein genannt), dann an Leiningen-Heidesheim fiel, seit 1766 größtenteils zu Trier gehörte; 2) die Grafschaft Sponheim, welche als solche 1044-1437 bestand, dann an die verwandten Häuser Pfalz und Baden fiel. Seit 1569 führt ein Zweig des Hauses Zweibrücken den Namen B.; 1776 kam B. an Baden, 1801 an Frankreich, 1817 an Oldenburg. Der Ort B. wird schon im 10. Jahrh. erwähnt. Vgl. Barnstedt; Beschreibung des Fürstentums B. (Birkenf. 1845); Böse, Das Großherzogtum Oldenburg (Oldenb. 1863).

Birkenhäher, s. v. w. Mandelkrähe und Tannenhäher.

Birkenhead (spr. -hedd), Hafenstadt in Cheshire (England), am Mersey, Liverpool gegenüber und mit diesem durch einen Eisenbahntunnel verbunden, ist regelmäßig gebaut, mit breiten Straßen und vielen schönen Häusern, und hat (1881) 84,006 Einw. (1841 kaum 8000), mit den Vorstädten Tranmere und Oxton aber 103,000. B. verdankt seinen Aufschwung den seit 1847 eröffneten großartigen Docks, die jetzt eine Wasserfläche von 201 Hektar bedecken und von großartigen Speichern umgeben sind. Schiff- und Dampfmaschinenbau sind die wichtigsten Industriezweige. Der Handel ist bei Liverpool inbegriffen. Dabei ein musterhaft angelegter Park von 91 Hektar und ein theologisches Seminar (St. Aidan's College).

Birkenöl, s. Birkenteer.

Birkenreizker (Giftreizker), s. Agaricus.

Birkenspinner, s. Spanner.

Birkenteer (Dagget, Dziegiec, litauischer Balsam, Degot, Degut, schwarzer Degen, Oleum Rusci), ein aus Rinde und Wurzeln der Birke bereiteter Teer, ist braunschwarz, ziemlich dickflüssig, riecht eigentümlich, nicht unangenehm teerartig, wird in der Kälte nicht merklich dickflüssiger und dient zur Bereitung des Juchtenleders, zu Anstrichen, als Wagenschmiere, auch als Heilmittel gegen Hautaffektionen; durch Destillation gewinnt man daraus farbloses Birkenöl, welches zur Fabrikation von Fruchtäthern und zu Parfümen benutzt wird.

Birkenwasser, der Frühjahrssaft der Birken, wird gewonnen, indem man im Frühjahr die Stämme auf der Südseite 2-5 cm tief anbohrt und den herausfließenden Saft mittels eines eingesteckten blechernen Röhrchens in einem Gefäß auffängt. 50 Stämme der weißen Birke von 47-52 cm im Durchmesser geben, im April angezapft, in vier Tagen 175 kg Saft. Der Birkensaft enthält Zucker, Extraktivstoff, Weinstein und andre Salze, geht sehr bald in Gärung über und kann deshalb nur kurze Zeit in gut verschlossenen Flaschen in einem kühlen Keller aufbewahrt werden. Man benutzt ihn zur Bereitung von Birkenwein, Birkensirup und Birkenessig und gewinnt