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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bitter - Bitterling.

Mandschuren bis zu ihrem Eintritt in China", letzteres Werk in Gemeinschaft mit einem andern Mitglied der Pekinger Mission, Leontjewski. Im Verein mit dem Archimandriten Daniel Sybillow gab er endlich eine "Beschreibung der westlich von China gelegenen Reiche" heraus. B. starb 23. Mai 1853.

Bitter, 1) Karl Hermann, Staatsmann und Musikschriftsteller, geb. 27. Febr. 1813 zu Schwedt a. O., studierte von 1830 an auf der Universität Berlin, später in Bonn Rechtswissenschaft und Cameralia, eröffnete 1833 in Berlin als Auskultator seine Beamtenkarriere, ward 1846 in Frankfurt Regierungsrat und später nach Minden versetzt. 1856-60 war er als preußischer Bevollmächtigter Mitglied der europäischen Donaukommission in Galatz. 1858 zum Geheimen Regierungsrat ernannt, wurde er 1860 als Oberinspektor der Rheinschiffahrt nach Mannheim berufen, 1869 zum Oberregierungsrat der Finanzabteilung in Posen ernannt, 1870 während des Kriegs mit Frankreich dort mit der Präfektur des Vogesendepartements betraut, 1871 Zivilkommissar in Nancy, 1872 Regierungspräsident in Schleswig, 1876 in Düsseldorf. 1877 wurde er zum Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern, im Februar 1879 zum Vorsitzenden der auf Grund des Sozialistengesetzes gebildeten Reichskommission und 7. Juli 1879 an Hobrechts Stelle zum preußischen Finanzminister und Mitglied des Bundesrats ernannt. Als solcher wirkte er für die weitere Durchführung des mit der Zollgesetzgebung von 1879 eingeleiteten Steuerreformplans des Fürsten Bismarck, trat namentlich für Einführung des Tabaksmonopols und Hebung der Reichseinnahmen aus dem Spiritus und der Braumalzsteuer ein, bewirkte die Einführung der Börsensteuer und den Abschluß des Vertrags mit der Stadt Hamburg wegen des Eintritts derselben in das deutsche Zollgebiet sowie die Einbeziehung der untern Elbe in den Zollverband des Deutschen Reichs. Auch die Verstaatlichung der großen Privateisenbahnen in Preußen fand an ihm einen thätigen Förderer. Im Juni 1882 nahm er seinen Abschied. Ein großer Kenner und Liebhaber klassischer Musik, rief B. die schleswig-holsteinischen Musikfeste ins Leben, deren erstes 1875 stattfand, und veröffentlichte eine Reihe gediegener Schriften auf musikalischem Gebiet, als deren hauptsächlichste wir nennen: "Johann Sebastian Bach" (Berl. 1865, 2 Tle.; 2. Aufl. 1881, 4 Bde.); "Mozarts Don Juan und Glucks Iphigenia in Tauris" (das. 1866); "Karl Philipp Emanuel Bach, Wilhelm Friedemann Bach und deren Brüder" (das. 1868, 2 Bde.); "Über Gervinus' Händel und Shakespeare" (das. 1869); "Beiträge zur Geschichte des Oratoriums" (das. 1872); "Die Reform der Oper durch Gluck und R. Wagners Kunstwerk der Zukunft" (Braunschw. 1884). Seine "Gesammelten Schriften" (Leipz. 1884) enthalten neben musikalischen Aufsätzen auch Essays über das Jahr 1848, den Orient, über Bismarck u. a. Auch gab B. Karl Löwes Selbstbiographie (Berl. 1870) heraus.

2) Arthur, Pseudonym, s. Haberstich.

Bitterdistel, s. Cnicus.

Bittererde, s. v. w. Magnesia.

Bitteresche, s. v. w. Quassia.

Bitterfeld, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, an der Mulde und an den Eisenbahnlinien Berlin-Halle und Magdeburg-Zerbst-Leipzig, hat 1 Amtsgericht, 1 evang. Kirche, bedeutende Thonröhrenfabrikation, Eisengießereien und Maschinenfabriken, ferner Fabrikation von Dachpappe, ätherischen Ölen, Spritzen und Briketts, Bierbrauerei, 3 Dampfsägemühlen, Ziegelbrennerei, eine Gasleitung, bedeutenden Braunkohlenbergbau in der Umgegend (Greppiner Werke) und (1880) 6531 meist evang. Einwohner. B. wird schon 1136 als Stadt erwähnt und ist von eingewanderten Niederländern erbaut.

Bitterholzbaum, s. Quassia und Simarnba ^[richtig: Simaruba].

Bitterkalk, s. Dolomit.

Bitterkeit, jene eigentümliche Empfindung der Geschmacksorgane, die sich besonders an dem hintern Teil der Zunge und im Gaumen bemerkbar macht und länger als jeder andre Geschmack andauert. Der Süßigkeit entgegengesetzt, erregt die B. eine den meisten unangenehme Empfindung. Der bittere Geschmack ist entweder ein reines Bitter oder wird häufig durch andre Beimengungen, wie Süß, Sauer u. dgl., modifiziert und dadurch noch unangenehmer, oft ekelerregend. In der Chemie und Arzneimittellehre hat man einer Anzahl vegetabilischer Stoffe den Namen Bitterstoffe (s. d.) beigelegt.

Bitterklee, s. Menyanthes.

Bitterkleesalz, fälschliche Bezeichnung des Sauerkleesalzes und wegen leichter Verwechselung mit dem Bittersalz gefährlich, da das Sauerkleesalz (oxalsaures Kali) sehr giftig ist. Mehrfach ist sogen. B. als Bittersalz eingenommen worden.

Bitterkresse, s. Cardamine.

Bitterlich, Eduard, Maler, geb. 1834 zu Stupnicka in Galizien als der Sohn eines österreichischen Rittmeisterauditors, der einige Jahre später nach Wien versetzt ward, besuchte hier das Schottenkloster, bildete sich dann unter Waldmüller zu einem trefflichen Zeichner und Miniaturmaler aus und ging 1855 nach Venedig, um die Meisterwerke der dortigen Museen und Kirchen für das Bilderwerk des Österreichischen Lloyd zu kopieren. Nach seiner Rückkehr trat er in Rahls Atelier, arbeitete mit diesem eine Reihe von Jahren am Wiener Opernhaus und führte nach dem Tode des Meisters dessen Entwürfe mit Griepenkerl vollends aus. Er starb 20. Mai 1872. B. war neben Griepenkerl der talentvollste und hervorragendste Schüler und Gehilfe Rahls. Von seinen selbständigen Arbeiten sind zu erwähnen: die pompejanischen Darstellungen im Palais Ypsilanti, die Fresken im Speisesaal des Grand Hôtel, die Bilder für das Schloß des Erzherzogs Leopold in Hörnstein, die "Künste" für das Tietzsche Haus, die Freskenkompositionen für das Guttmannsche Haus und die drei Grazien in Aquarell (1871), bekannt durch die chromolithographische Nachbildung der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst.

Bitterling (Rhodeus Agass.), Fischgattung aus der Ordnung der Edelfische und der Familie der Karpfen (Cyprinoidei), gedrungen gebaute, hochrückige Fische mit halb unterständigem Mund ohne Bärtel, über den Bauchflossen stehender, mit der Oberflosse gleichlanger Rückenflosse, welche mit glatten Knochenstrahlen beginnt, und mit fünf Schlundzähnen in einfacher Reihe. Der B. (R. amarus Bl., s. Tafel "Fische I"), 5-8 cm lang, in der Gestalt der Karausche ähnlich, mit glatten, auffallend großen Schuppen, auf dem Rücken graugrün, an den Seiten silberglänzend, mit grünen, glänzenden Längsstreifen von der Mitte des Leibes bis zum Schwanz und rötlichen, schwarz pigmentierten Flossen, bewohnt in ganz Mittel- und Osteuropa und einem Teil Asiens reine, fließende Gewässer mit steinigem Grund, besonders die sogen. toten Arme der Flüsse und Bäche. In der Brunstzeit (April bis Juni) schillert das Männchen in allen Regenbogenfarben und trägt über der Oberlippe und den Augenhöhlen kreideweiße