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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bittermandelgrün - Bituriger.

Warzen. Beim Weibchen entwickelt sich eine rötliche, bis 5 cm lange Legeröhre, mittels welcher es seine Eier in die Kiemen der Flußmuscheln legt, worauf das Männchen die Eier befruchtet. Die Eier entwickeln sich in den Muscheln; zu welcher Zeit aber die jungen Fischchen ihre Brutstätten verlassen, ist noch nicht festgestellt. Der B. eignet sich vorzüglich für Aquarien, während sein bitteres Fleisch ungenießbar und nur zum Ködern der Angeln tauglich ist.

Bittermandelgrün, s. Anilin, S. 592.

Bittermandelöl, ätherisches, findet sich nicht fertig gebildet in der Natur, entsteht aus Amygdalin, welches bei Einwirkung von meist gleichzeitig mit ihm vorkommendem Emulsin und Wasser in B., Zucker und Blausäure zerfällt. Daher tritt B. auf, wenn man bittere Mandeln, Pfirsichkerne etc. zerstößt und mit Wasser anrührt. Zur Darstellung des Bittermandelöls werden entfettete bittere Mandeln (zerstoßene Preßkuchen von der Bereitung des fetten Mandelöls) mit Wasser der Destillation unterworfen. Die Ausbeute beträgt 0,6-0,8, aus Pfirsichkernen 0,3-0,4 Proz. Das rohe B. enthält neben Benzaldehyd Cyanwasserstoff und geringe Mengen von Benzoesäure, Benzoin etc.; es bildet eine gelbliche, dünnflüssige, stark lichtbrechende Flüssigkeit, riecht angenehm, etwas betäubend, an Blausäure erinnernd, schmeckt brennend gewürzhaft, spez. Gew. 1,043, löst sich in 30 Teilen Wasser, leicht in Alkohol und Äther, besteht aus Benzaldehyd und oxydiert sich an der Luft schnell zu Benzoesäure. Rohes B. ist wegen seines Gehalts an Blausäure (2-5 Proz.) sehr giftig; durch Behandeln mit Kalkmilch und Eisenvitriol und Destillation gereinigt, wirkt es wie andre ätherische Öle. Man bereitet es der Steuerverhältnisse halber in den Produktionsländern der Mandeln und benutzt es zu Parfümerien, zu Likören, selten als Arzneimittel. Es kann auch künstlich dargestellt werden (vgl. Benzaldehyd). Als Surrogat dient das sogen. künstliche B., Mirbanessenz, s. Nitrobenzol.

Bittermandelwasser (Aqua amygdalarum amararum concentrata), pharmazeutisches Präparat, wird durch Abpressen (Entölen) und Pulvern von 12 Teilen bittern Mandeln und Destillieren derselben mit 80 Teilen Wasser und 2 Teilen Spiritus bereitet. Das Destillat (etwa 10 Teile) ist trübe, riecht und schmeckt bittermandelartig, enthält Bittermandelöl (Benzaldehyd) und soll in 1000 Teilen 1 Teil Blausäure enthalten. Es dient bei schmerzhaften, von Krämpfen begleiteten Leiden des Herzens, bei Lungentuberkulose, Koliken, Veitstanz, Hysterien etc. Eine Mischung mit 19 Teilen Wasser ist als Kirschwasser (Aq. am. am. diluta, Aq. cerasorum, Aq. ceras. amygdalata) offizinell.

Bittermittel (lat. Amāra), bittere vegetabilische Mittel: Wermut, Bitterklee, Pomeranzen, Enzian, Tausendgüldenkraut, Quassia, Kardobenediktenblätter etc., welche einen Bitterstoff enthalten und besonders gegen Schwäche des Magens und Darmkanals etc. gebraucht werden, aber eigentlich keine stärkende Wirkung ausüben, sondern höchstens den Appetit reizen.

Bittersalz, s. Schwefelsaure Magnesia.

Bittersalzerde, s. v. w. Bittererde, Magnesia.

Bitterspat, s. v. w. Dolomit, auch s. v. w. Magnesit.

Bitterstoffe, früher Bezeichnung aller nicht näher erkannten bitter schmeckenden Substanzen, welche aus Pflanzenteilen isoliert worden waren. Jetzt weiß man, daß der bittere Geschmack der Pflanzen von einem Gehalt an Alkaloiden, Harzen, Ölen, Farbstoffen und eigentümlichen vegetabilischen Säuren herrühren kann. Die zu diesen Gruppen nicht gehörigen bitter schmeckenden, indifferenten, farblosen, stickstofffreien Pflanzenbestandteile nennt man jetzt im engern Sinn B. Sie sind gewöhnlich schwer rein darzustellen, wenn dies gelingt, aber kristallisierbar, gewöhnlich in Wasser schwer, in Alkohol leichter löslich und werden von frisch geglühter Tierkohle leicht absorbiert. Trennt man dann die Kohle von der Flüssigkeit, spült sie mit Wasser ab und kocht sie mit Alkohol, so gibt sie den Bitterstoff an den Alkohol wieder ab, aus welchem derselbe durch Kristallisation leicht rein gewonnen werden kann. Über die chemische Konstitution der B. weiß man im allgemeinen noch wenig. Viele von ihnen (die Glykoside) lassen sich durch Säuren in einen eigentümlichen Körper und Zucker spalten. Sie scheinen die Träger der arzneilichen Wirkungen der Pflanzen zu sein, und manche werden auch arzneilich benutzt. Mehrere B. sind giftig, wie das Pikrotoxin aus den Kockelskörnern, das Antiarin aus dem Pfeilgift der Einwohner Javas, dem Upas Antiar, etc.

Bittersüß, s. v. w. Solanum Dulcamara.

Bitterwässer, s. Mineralwässer.

Bitter, Weltersches, s. v. w. Pikrinsäure.

Bitterwurzel, s. v. w. gelber Enzian, s. Gentiana.

Bittgänge (Bußgänge, Betfahrten, Rogationes, Supplicationes), Prozessionen (s. d.), welche teils an bestimmten alljährlich wiederkehrenden Tagen (Bitt-Tagen), teils für außerordentliche Fälle von der katholischen Kirche angeordnet sind. Die wichtigsten sind: die Prozession oder Litanei am Feste des St. Markus, 25. April (der größere Bittgang), und die drei kleinern an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt. Dergleichen B. soll zuerst Mamertus, Bischof von Vienne, in der Mitte des 5. Jahrh. abgehalten haben. Vgl. auch Ackerkulte.

Bittó, Istvan, ungar. Staatsmann, geb. 1822 zu Sárosfa bei Preßburg, studierte hier die Rechte, ward Vizenotar des Wieselburger Komitats, dann Stuhlrichter im Preßburger Komitat, nahm 1848-49 an der ungarischen Erhebung teil und flüchtete 1849 über Orsova ins Ausland, wo er mehrere Jahre im Exil lebte. Von 1861 an Mitglied des Landtags, schloß er sich der Deákpartei an und zeichnete sich weniger als Redner als in den Kommissionssitzungen als tüchtiger, scharfsinniger Arbeiter aus. 1869-72 war er Vizepräsident des Abgeordnetenhauses und 1874-1875 Ministerpräsident. Da er aber den Zerfall der Deákpartei nicht aufzuhalten vermochte, mußte er der neuen liberalen Partei unter Tisza weichen.

Bittschrift (Supplik), schriftliches, an eine hochgestellte Person oder an eine Behörde gerichtetes Gesuch um Gewährung eines Vorteils, auf den der Bittende einen Rechtsanspruch entweder nicht hat, oder wenigstens nicht gerichtlich geltend machen kann oder will. Vgl. Petition.

Bitūmen, allgemeine Bezeichnung verschiedener in mehr oder weniger flüssigem Zustand aus der Erde dringender Massen, die sich meist durch einen eigentümlichen brenzligen oder teerartigen Geruch charakterisieren, wie Erdöl, Bergteer, Asphalt; bituminieren, mit Asphalt bestreichen; bituminös, von B. durchzogen. Bituminöses Holz, s. Braunkohle. Bituminöser Schiefer, s. v. w. Kupferschiefer, Blätterschiefer, Blätterkohle oder Dysodil etc.

Bituminīt, s. v. w. Bogheadkohle.

Biturĭger (Biturĭges), großes kelt. Volk im aquitanischen Gallien, vor den großen keltischen Wanderungen um 600 v. Chr. der herrschende Stamm in Gallien, der unter Bellovesus zum Teil nach Italien auswanderte. Die Zurückgebliebenen zerfielen in zwei Hauptvölkerschaften: Bituriges Cubi, nördlich von