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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Blautopf; Blauvogel; Blauwerden der Speisen; Blavet; Blaydon on Tyne; Blaye; Blaze de Bury; Blbch.; Blech; Blechbearbeitungsmaschinen

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Blautopf - Blechbearbeitungsmaschinen.

eingeatmete Luft nicht in die feinsten Lungenbläschen gelangen und also dem Blut kein Sauerstoff oder doch nicht genug davon zugeführt werden kann. Auch gewisse Krankheiten des Herzens, erworbene sowohl als angeborne Klappenfehler und sonstige fehlerhafte Bildungen des Herzens und der großen Blutgefäße bedingen B., weil hierbei der Kreislauf des Bluts durch die Lungen gehindert oder verzögert wird und das Blut daher nicht ausgiebig genug mit dem Sauerstoff der eingeatmeten Luft in Berührung kommt. Allgemeine B. entsteht auch durch Einatmung schädlicher (irrespirabler) Gasarten. Infolge der Überladung des Bluts mit Kohlensäure ist bei der B. die Wärmeproduktion des Körpers vermindert, die Haut fühlt sich kühl an, ferner ist die Energie des Muskel- und Nervensystems herabgesetzt, es besteht Mattigkeit, Neigung zu Schlafsucht etc. Die höhern Grade der B. führen zu Bewußtlosigkeit, endlich zum Stillstand des Herzens und damit zum Tod. Von einer besondern ärztlichen Behandlung der B. kann eigentlich nicht wohl die Rede sein. Es kann sich nur um die Beseitigung der oben genannten ursächlichen Momente der B. handeln, welche freilich in den meisten Fällen ganz unmöglich ist.

Blautopf, merkwürdiges, von der Natur geformtes Wasserbecken bei Blaubeuren in Württemberg, am Fuß einer steilen Bergwand, 515 m ü. M., aus welchem die Blau entspringt. Es hat 40-42 in im Durchmesser und 20 m Tiefe. Das Wasser hat im Becken eine tief dunkelblaue Farbe und gewöhnlich eine spiegelglatte Oberfläche; nur bei anhaltendem Regenwetter trübt sich die Quelle, die Wassermasse nimmt zu und wird unruhig. Dann heben sich im Kessel mehrere voneinander gut unterscheidbare Wassersäulen empor, deren ringförmige Wellen sich ineinander schlingen und ein unaufhörlich sich erneuerndes Spiel der Wassermasse erzeugen. Man sagt dann: "Der Topf siedet". In frühster Zeit war dieser Wasserbehälter heilig. Im J. 1641 schwoll der Topf so gefahrdrohend für die Stadt an, daß man einen Bettag hielt und eine Prozession dahin veranstaltete.

Blauvogel, s. Steindrossel.

Blauwerden der Speisen, s. Blutendes Brot.

Blavet (spr. -wä), Küstenfluß im nordwestlichen Frankreich, entspringt im Departement Côtes du Nord, fließt südlich in das Departement Morbihan und mündet nach 145 km langem Lauf in die Bai von Lorient des Atlantischen Ozeans, wo er den Scorff aufnimmt. Bei dem Dorf St.-Antoine verschwindet er 600 m weit unter Felsen. Er dient mit einem großen Teil seines Laufs dem Kanal von Brest nach Nantes und ist von Pontivy an (75 km) schiffbar.

Blaydon on Tyne (spr. blähd'n on tein), Stadt in der engl. Grafschaft Durham, am Tyne, 3 km oberhalb Gateshead, mit (1881) 10,689 Einw. und Kohlengruben.

Blaye (spr. bläj oder blä), befestigte Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Gironde, rechts an der Gironde, unterhalb Bordeaux, an der Charentes-Eisenbahn, besteht aus der offen am Fluß gelegenen Unterstadt mit der darüberliegenden, 1652 von Vauban erbauten Citadelle, welche mit dem Fort Pâté, mitten in dem hier 4 km breiten Strom, und dem gegenüberliegenden Fort von Médoc Bordeaux von der Seeseite deckt. B. hat einen Flußhafen und (1881) 3641 Einw., welche lebhaften Handel mit Wein, Branntwein, Obst und Holz und ansehnlichen Schiffbau treiben, ein Collège und eine Schiffahrtsschule. Viele der nach Bordeaux bestimmten oder von dort kommenden Schiffe gehen hier vor Anker. B. ist das alte Blavia (Blaventum), eine feste Stadt der Santonen im aquitanischen Gallien. Im 4. Jahrh. wurden die Bewohner durch den heil. Romanus zum Christentum bekehrt. In der Kirche des Heiligen ward nach der Sage Roland, der Paladin Karls d. Gr., mit seinem Schwert beigesetzt. 1451 wurde B. von Dunois den Engländern entrissen. Hier wurde die Herzogin von Berri nach ihrer verunglückten Unternehmung zu gunsten ihres Sohns 1832-33 gefangen gehalten.

Blaze de Bury (spr. blas' d'büri), Ange Henri, franz. Schriftsteller und gründlicher Kenner der deutschen Litteratur, geb. 19. Mai 1818 zu Avignon, studierte in Paris und debütierte als Schriftsteller 1839 mit dem Gedicht "Le souper chez le commandeur" in der "Revue des Deux Mondes", worin er seitdem zahlreiche Gedichte, kritische Versuche und anziehend geschriebene Studien über Deutschland und seine Litteratur (zum Teil unter dem Namen Hans Werner) veröffentlichte. Ferner lieferte er eine Übertragung des Goetheschen "Faust" (14. Aufl. 1880) und den geistreichen Versuch "Écrivains et poetes d'Allemagne" (Par. 1846, 2 Bde.), wozu er durch wiederholten Aufenthalt in Deutschland, namentlich in Weimar, besonders befähigt war. Als musikalischer Schriftsteller genießt B. bei seinen Landsleuten einen nicht unverdienten Ruf; doch ist sein Standpunkt heute ziemlich veraltet, und seine einschlägigen Schriften, wie: "Les musiciens contemporains" (1856), "Meyerbeer et son temps" (1865), haben vorwiegend nur noch ein anekdotisches Interesse. Von seinen übrigen, besonders neuern Werken nennen wir: "Les Koenigsmark", geschichtliche Studie (1855); "La légende de Versailles" (1870); "Les maîtresses de Goethe" (1873); "Les femmes et la société au temps d'Auguste" (1875); "Musiciens de l'avenir et du passé" (1880), worin er auch Richard Wagner, den er bis dahin schonungslos verfolgt hatte, bis zu einem gewissen Grad Gerechtigkeit widerfahren läßt; endlich "Alexandre Dumas" (1885), ein Denkmal für seinen verstorbenen Freund.

Blbch., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für J. F. ^[Johann Friedrich] Blumenbach (s. d.).

Blech, durch Hämmern oder Walzen erzeugte und im Verhältnis zu ihrer Länge und Breite dünne, plattenförmige Metallfabrikate. Nach dem Material unterscheidet man Gold-, Silber-, Neusilber- (Argentan-), Kupfer-, Messing-, Blei-, Zink-, Stahl- und Eisenblech (Schwarzblech, verzinnt als Weißblech, verzinkt als galvanisiertes B.). Vgl. die einzelnen Artikel und Jeping, B. sowie Blechwaren (Wien 1885).

Blechbearbeitungsmaschinen sind bestimmt, die beim Klempner, Kupfer-, Gold- und Silberschmied, dem Kessel- und Brückenbauer etc. vorkommenden Arbeiten, die nur langsam und schwierig, zum Teil gar nicht mit der Hand ausgeführt werden können, schnell und sicher vorzunehmen. Sie zerfallen in solche zum Zerschneiden, Lochen und Ausschneiden: Scheren, Lochmaschinen, Durchschnitte; zum Biegen, Treiben, Prägen, Drücken: Biegemaschinen, Falzmaschinen, Fallwerk, Prägstock, Bördelmaschine, Siekenmaschine, Wulstmaschine, Walzwerke, Drückdrehbank, Pressen, und in Spezialmaschinen für einzelne Fabrikationszweige (Lampen-, Knopf-, Dosenfabrikation, Anfertigung von Patronenhülsen,