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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bleichen der Pflanzen; Bleicherode

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Bleichen der Pflanzen - Bleicherode.

Urin (der durch seinen Gehalt an kohlensaurem Ammoniak wirkt) oder mit Soda und Seife bei nicht zu hoher Temperatur, um das Verfilzen der Wolle zu verhindern, entfernt. Zum B. hängt man die Wolle in eine Kammer, die luftdicht verschlossen werden kann, auf horizontalen Gerüsten auf und bringt einen Topf mit brennendem Schwefel in die Kammer. Der Schwefel verbrennt zu schwefliger Säure, welche von der feuchten Wolle absorbiert wird. Hierbei entsteht, weil Sauerstoff von der Schwefelflamme verzehrt wird, ein luftverdünnter Raum, und nach Verbrauch des in der Kammerluft enthaltenen Sauerstoffs erlischt der Schwefel; von dem heißen unverbrannten Schwefel aber steigen noch Dämpfe auf und bilden auf der Wolle einen sehr fest haftenden gelben Überzug. Um dies zu vermeiden, versieht man die Wände der Kammer mit Ventilen, die sich nach innen öffnen, wodurch, sobald die Luft in der Kammer verdünnt wird, Sauerstoff von außen neu eindringt, bis der ganze Schwefel verbrannt ist. Man läßt die Stoffe 24 Stunden in der verschlossenen Kammer und wiederholt alsdann nötigenfalls die Operation. Oft entwickelt man auch die schweflige Säure durch Erhitzen von Eisenvitriol mit Schwefel, wäscht sie mit Wasser und leitet sie durch Röhren in die Kammer. Viel gleichmäßiger als die gasförmige schweflige Säure bleicht eine gesättigte wässerige Lösung von schwefliger Säure, in welcher man die Stoffe 4 Stunden lang liegen läßt. Zur Gewinnung einer solchen Lösung wird schweflige Säure in den untern Teil eines Koksturmes geleitet, in welchem Wasser herabtröpfelt. Man benutzt die wässerige schweflige Säure am besten bei 20-30° und muß, da das Gas in kaltem Wasser löslicher ist als in warmem, die gesättigte Lösung hinreichend verdünnen, damit beim Erwärmen kein Gas entweicht. Auch eine Lösung von saurem schwefligsaurem Natron wird häufig angewandt. Die mit schwefliger Säure behandelte Wolle wird in schwache Sodalösung gebracht und dann gut ausgewaschen, worauf man eventuell den Bleichprozeß wiederholt.

Rohe Seide wird zunächst durch Behandeln mit Soda, Seife oder kohlensaurem Ammoniak entschält (degummiert), gut gewaschen und durch ein Säurebad genommen. Sie verliert hierbei über 25 Proz., und man behandelt sie deshalb häufig auch mit einer verdünnten und erwärmten Mischung von Salzsäure und Salpetersäure, bis sie grau geworden ist, und wäscht dann schnell und sorgfältig aus. Hierbei beträgt der Verlust höchstens 18 Proz., das Produkt, die souplierte Seide, ist aber auch geringer. In beiden Fällen wird die gereinigte Seide mit gasförmiger, häufiger mit einer Lösung von schwefliger Säure gebleicht und dann gewaschen. In der Regel erteilt man ihr schließlich durch Orlean einen rötlichen oder durch Indigkarmin oder Anilinblau einen bläulichen Ton.

Roß-, Kuh- und Kälberhaare werden ganz ähnlich wie Wolle gebleicht, auch Holz kann nur mit schwefliger Säure gebleicht werden. Elfenbein bleicht man in einer Mischung von Terpentinöl und Alkohol, welche in einer höchstens zur Hälfte gefüllten Flasche einige Tage an der Sonne gestanden hat. Über das B. von Fetten, Ölen, Wachs s. die betreffenden Artikel.

Die Rasenbleiche ist ein sehr altes Verfahren, welches um die Mitte des 18. Jahrh. in Holland, Böhmen, Schlesien etc. mit so großer Vollkommenheit ausgeübt wurde, daß z. B. fast allein Schottland gewebte Leinwand nach Haarlem zur Bleiche gesandt werden mußte. Die farbenzerstörende Eigenschaft des Chlors hatte schon der Entdecker desselben, Scheele (1774), beobachtet, aber Berthollet lehrte 1785 das fabrikmäßige B. mit Chlorwasser. Durch James Watt, der damals gerade in Paris war, durch Henry und Boneuil kam das Verfahren alsbald nach England, fand aber dort wie überall Opposition. Man beobachtete, daß die in Chlorwasser gelegten Stoffe häufig gelb wurden, und kochte sie, um dies zu vermeiden, mit alkalischen Laugen. 1792 entdeckte Berthollet alsdann das Chlorkali, welches mit viel weniger Unbequemlichkeit gehandhabt werden kann als Chlorwasser; aber seine Entdeckung wurde durch die des Chlorkalkes 1798 durch Tennant in Glasgow überholt. Zuerst benutzte Tennant mit Chlor behandelte Kalkmilch, aber schon 1799 nahm er ein Patent aus Darstellung eines Bleichpulvers, wie wir es im wesentlichen noch jetzt verwenden. Man wandte die Chlorbleiche anfangs vielfach ohne die durchaus nötige Vorsicht an und mußte bald erfahren, daß besonders die leinenen Fabrikate dadurch ungemein an Haltbarkeit einbüßten. So geriet das Verfahren in großen Mißkredit, und erst als die Prozesse mit mehr Behutsamkeit ausgeführt wurden, gewann die neue Bleichmethode festen Fuß, zunächst in Anwendung auf Baumwollstoffe, viel später für Leinwand, für welche man sehr rationell eine Verbindung der Rasenbleiche und Chlorbleiche einführte. Seit der Zeit ist die irländische und schottische Leinwandbleiche als die vorzüglichste anerkannt, welche man auf dem Kontinent mehr oder weniger fast überall zum Muster nahm. Die wesentlichste Förderung erfuhr der Bleichprozeß zugleich durch die Einführung von Maschinen, welchen man in der Folge nicht weniger Aufmerksamkeit und Sorgfalt widmete als dem chemischen Prozeß. Das B. mit übermangansaurem Kali wurde 1866 von Tessié du Motay und Maréchal erfunden. Vgl. Kurrer, Das B. der Leinwand (2. Aufl., Braunschw. 1854); Scharf, Das Buch der Bleiche (Löbau 1866); Käppelin, Die Bleicherei und Appretur der Woll- und Baumwollstoffe (a. d. Franz. von Reimann, Berl. 1870); Meißner, Die Maschinen für Appretur, Färberei und Bleicherei (das. 1873); Derselbe, Der praktische Appreteur, Färber und Bleicher (das. 1875); Romen, Bleicherei, Färberei und Appretur der Baumwoll- und Leinenwaren (das. 1879 ff.); Stein, Bleicherei etc. der baumwollenen Gewebe (Braunschw. 1884).

Bleichen der Pflanzen. Lebende Pflanzen werden gebleicht, wenn man ihnen längere Zeit das Licht entzieht. Es verschwindet dann das Chlorophyll, und die ehemals grünen Teile werden licht strohgelb oder weiß. Da hierbei gleichzeitig die Substanz lockerer und der Geschmack milder wird, so bleicht man Gemüse, indem man die Blätter zusammenbindet oder, wenn es sich um das Bleichen von fleischigen Blattstielen handelt, letztere bis zu den Blättern mit Erde umgibt. Man bedeckt auch die Pflanzen mit Töpfen oder läßt sie im Keller treiben etc. Wie Gemüse, wird auch Flieder durch Antreiben im Dunkeln gebleicht, und für das Begehen des Osterfestes bindet man an der Riviera die Triebe von Dattelpalmen zusammen, um weiße Palmenwedel zu erhalten.

Bleicherode, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Nordhausen, unfern der Wipper und an der Halle-Kasseler Eisenbahn, hat ein Amtsgericht, eine evang. Kirche, Leinen- und Baumwollwarenindustrie und (1880) 3368 meist evang. Einwoh-^[folgende Seite]