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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bleichwolle; Bleidämpfe; Bleide; Bleidreck; Bleierde; Bleiessig; Bleiextrakt; Bleifedern; Bleigelb; Bleigießen; Bleiglanz

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Bleichwolle - Bleiglanz.

gerinnt und sich durch großen Reichtum an Blutwasser bei vermindertem Gehalt an Faserstoff, Eiweiß und Blutkörperchen auszeichnet. Man unterscheidet vielfach eine symptomatische und eine essentielle B. Erstere ist eine Folge andrer Leiden, namentlich der Wurmkrankheiten: der Leberegelseuche, der Lungenwurm-, Magen- und Bandwurmseuche. Die essentielle B. entsteht aus Einflüssen, welche die Ernährung und Blutbildung beeinträchtigen: ungenügende, nicht zusagende Nahrung, ungünstige Witterung, besonders anhaltende Nässe, wobei sowohl diese selbst als nicht minder deren Einwirkung auf die Futterpflanze in Betracht kommt. Die Krankheit entwickelt sich allmählich, meist wird sie erst bei einiger Ausbildung an dem trägen, matten Gang, der leichten Ermüdung der Schafe erkannt. Die Wolle zeigt sich glanzlos, weniger elastisch, fettarm; die Haut ist bleich, in höhern Graden wassersüchtig gedunsen (ödematös); die sichtbaren Schleimhäute, besonders erkennbar die Bindehaut des Auges, sind bleich, deren Gefäße nicht mit rotem Blut gefüllt. Abmagerung, Bauchwassersucht, verminderte Freßlust, fühlbarer Herzschlag vollenden das Krankheitsbild. Wassersüchtige Anschwellungen unter der Haut, besonders am Kopf und Hals (der sogen. Kropf), treten dazu, und unter Zunahme der Abmagerung und Hinfälligkeit erliegen die Tiere, nachdem endlich noch übelriechende Durchfälle sich eingestellt haben, an Erschöpfung nach einer oft monatelangen Krankheitsdauer. Eine Heilung der Krankheit ist nur im Beginn und bei der Möglichkeit, die schädlichen Außeneinflüsse abzuhalten und kräftig nährendes Futter: Körner, gutes Heu, Hülsenfrüchte etc., in genügender Menge zu verabreichen, zu erwarten. Arzneilich werden unzählige Mittel empfohlen; die bitter-aromatischen und die zusammenziehenden (Gerbstoff enthaltenden): Enzian, Wermut, Wacholderbeeren, Eichenrinde etc., Eisenvitriol, bewähren sich am meisten.

Bleichsucht der Pflanzen ist eine Krankheitserscheinung, bei welcher Pflanzen, die für gewöhnlich grün gefärbte Teile haben, bleich erscheinen. Sie beruht aus einem Nichtausgebildetsein der die grüne Färbung der Gewächse veranlassenden Chlorophyllkörner in den Zellen der betreffenden Teile. Die B. ist von dem Gelbwerden bei Lichtmangel, dem sogen. Etiolement (s. d.), durchaus verschieden, da dieses von einer Gestaltsveränderung der Pflanze begleitet ist. Die Ursache der B. kann in ungeeigneter Temperatur, wie beim Austreiben mancher Zwiebelpflanzen in kalten Frühjahren, oder auch im Eisenmangel des Bodens bestehen. In andern Fällen tritt die B. trotz günstiger Temperatur und Anwesenheit von Eisen, z. B. bei einzelnen Sämlingen in sonst gesunden Aussaatskulturen oder an Sprossen normal gefärbter Pflanzen, auf. Endlich existieren von vielen Pflanzen Varietäten, deren Blätter nur teilweise grün und mit Streifen oder Flecken von bleicher Farbe gezeichnet (panaschiert) sind. Merkwürdigerweise läßt sich die Panaschierung durch Samen vererben und kann durch Pfropfung auf nicht panaschierte Individuen übertragen werden.

Bleichwolle, s. Ochroma.

Bleidämpfe, s. Bleirauch.

Bleide (mittelhochd. Belide, Blyde, Blide), s. v. w. Balliste.

Bleidreck, die beim reduzierenden Schmelzen der Bleiglätte auf dem abgestochenen Blei sich bildende Haut, welche den größten Teil der Verunreinigungen der Bleiglätte enthält und wiederholt abgezogen werden muß, um das Blei zu läutern.

Bleierde, in der Natur vorkommendes braunes, gelbes oder rotes erdiges Gemenge von Thon mit Weiß- und Buntbleierz, seltener mit Vitriolbleierz, füllt Klüfte und Höhlungen aus und umhüllt und überzieht andre Erze. Fundorte sind: Zellerfeld am Harz, Tarnowitz in Schlesien, Badenweiler im Schwarzwald, Krakau in Galizien, Nertschinsk in Sibirien. Die B. wird aus Blei benutzt.

Bleiessig (Bleiextrakt, Liquor plumbi subacetici, Acetum plumbicum, saturninum, Plumbum hydrico-aceticum solutum, Extractum plumbi), pharmazeutisches Präparat, wird durch Zusammenschmelzen von 3 Teilen essigsaurem Blei (Bleizucker) und 1 Teil Bleioxyd im Wasserbad, Behandeln der weißen Masse mit 10 Teilen warmem destillierten Wasser und Filtrieren bereitet. Die Flüssigkeit ist klar, farblos, vom spez. Gew. 1,235-1,240, reagiert schwach alkalisch und enthält basisch essigsaures Blei gelöst, welches sich in Berührung mit der Luft unter Abscheidung von basisch kohlensaurem Blei zersetzt. B. dient zur Darstellung des Bleiwassers (Kühlwasser, Aqua plumbi, plumbica, saturnina), welches aus 1 Teil B. und 49 Teilen destilliertem Wasser bereitet wird, etwas trübe ist und bei Einwirkung der Luft ein weißes Pulver ausscheidet. Das Goulardsche Bleiwasser (A. plumbi Goulardi. A. vegeto-mineralis Goulardi, A. plumbi spirituosa), aus 45 Teilen Brunnenwasser, 4 Teilen Spiritus und 1 Teil B. bereitet, ist sehr trübe und enthält einen Niederschlag von kohlensaurem und schwefelsaurem Blei. Beide Präparate müssen vor dem Gebrauch umgeschüttelt werden; sie dienen als Kühlwasser bei Kontusionen, Anschwellungen der Haut, Verbrennungen, zur ersten Behandlung von Wunden etc. Eine Mischung von 8 Teilen gelbem Wachs, 29 Teilen Schmalz und 3 Teilen B. bildet die gleichfalls als Volksheilmittel angewandte Bleisalbe (Bleicerat, Unguentum plumbi). In der Technik dient B., den man auch durch Digerieren von Bleizuckerlösung mit Bleioxyd in einem verschlossenen Gefäß erhält, zur Darstellung von Bleiweiß, basischem Bleichlorid (Pattinsons Bleiweiß), essigsaurer Thonerde, zur Gewinnung vieler Pflanzen- und Tierstoffe (indem man die Fällbarkeit von Gerbsäure, Farbstoffen etc. durch B. zur Reinigung von Auszügen benutzt); mit B. getränktes und vorsichtig getrocknetes ungeleimtes Papier bildet einen leicht entzündlichen Zunder und dient als Reagenzpapier auf Schwefelwasserstoff.

Bleiextrakt, s. Bleiessig.

Bleifedern, s. Bleistifte.

Bleigelb, natürlich vorkommendes molybdänsaures Blei; auch s. v. w. Bleiglätte.

Bleigießen (griech. Molybdänomantie), Wahrsagung durch Bleiguß, ein noch jetzt in der Silvesternacht vielfach übliches, wenn auch halb und halb zur gesellschaftlichen Belustigung benutztes Verfahren, aus den Figuren, die eine geschmolzene und von einer Person in Wasser gegossene Bleimasse annimmt, deren Erlebnisse im nächsten Jahr zu erforschen.

Bleiglanz (Galenit), Mineral aus der Ordnung der einfachen Sulfuride, findet sich vorherrschend in Würfeln kristallisiert, aufgewachsen oder in Drusen, traubig oder nierenförmig, meist derb und eingesprengt, in groß- und feinkörnigen bis dichten Aggregaten, ist bleigrau, stark metallglänzend, spez. Gew. 7,3-7,6, Härten, besteht aus Schwefelblei PbS mit 86, 6 Proz. Blei und 13,4 Proz. Schwefel, enthält aber oft Silber, auch Gold, Eisen, Zink und bisweilen Selen. Verwitterter erdiger B. ist als Blei-^[folgende Seite]