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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Blind; Blindage; Blindbaum; Blindboden; Blinddarm; Blinddarmentzündung; Blindenanstalten

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Blind - Blindenanstalten.

menden Durchsichtigkeit beraubt oder dessen Gestalt bloß nachgeahmt wird, ohne daß man dabei einen andern Zweck als den der Täuschung hat. So bringt man wohl blinde Fenster, Thüren etc. nur der Symmetrie wegen an, ohne zu bedenken, daß auf diese Weise eine vorübergehende oder dauernde Täuschung nicht erzielt werden kann. Durch Anwendung solcher Fenster oder Thüren gibt sich der Architekt selbst das Zeugnis, daß er nicht fähig war, Schönheit und Zweckmäßigkeit zu vereinigen. -

Dann nennt man auch alles b., was nur zum Schein geschieht oder vorhanden ist; z. B. blinder Angriff, s. v. w. Scheinangriff, blinder Kauf, s. v. w. Scheinkauf. In der Anatomie heißt b. ein Kanal, der keinen Ausgang hat, z. B. der Blinddarm der Pflanzenfresser.

Blind, Karl, deutscher Politiker und Schriftsteller, geb. 4. Sept. 1826 zu Mannheim, beteiligte sich schon als Student der Rechte in Heidelberg an politischen Bewegungen und wurde 1847 wegen Verbreitung der Heinzenschen Schrift "Deutscher Hunger und deutsche Fürsten" verhaftet. Freigelassen, setzte er seine Mitarbeiterschaft an radikalen Blättern fort. Beim Ausbruch der Revolution von 1848 trat er in Karlsruhe und Frankfurt als Parteiführer hervor. Verwundet, mußte er nach dem Heckerschen Aufstand ins Elsaß flüchten, kämpfte im Herbst, als Mitglied der provisorischen Regierung, beim Freischarenzug Struves mit, wurde mit letzterm im Schwarzwald gefangen genommen und 1849 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Von Volk und Soldaten befreit, ging er, da er Brentanos zweifelhafte Leitung der Revolution verwarf, als diplomatische Bevollmächtigter des regierenden Landesausschusses nach Paris, wo er wegen angeblicher Teilnahme an Ledru-Rollins Erhebung verhaftet und von L. Napoleon für immer ausgewiesen wurde. Mit seiner Gattin, welche Gefängnis erduldet und Opfer für die Volkssache gebracht, begab er sich nach Brüssel, 1852 nach London. Hier blieb er in enger Beziehung zu den Häuptern der europäischen Demokratie, zu Garibaldi, Mazzini, Ledru-Rollin, Louis Blanc u. a., und war in der Presse Deutschlands, Englands, Italiens, Amerikas thätig. Jahrelang förderte er die schleswig-holsteinische Sache, z. B. durch vertrauliche Übermittelung von Denkschriften schleswigscher Führer an das auswärtige Amt in London und an der Spitze eines deutschen Ausschusses. Seine Vaterlandsliebe bewies er 1870-71 durch umfassende Wirksamkeit. In deutschen, englischen, amerikanischen, italienischen Zeitschriften hat er eine Menge auf eigne Forschungen gegründete Abhandlungen über germanisches Altertum, über Geschichte, Politik, Litteratur und Sprachkunde veröffentlicht. Sein Stiefsohn Ferdinand (Cohen) versuchte, im Glauben an eine Abtretung deutschen Gebiets, 7. Mai 1866 einen Angriff auf Bismarck und gab sich im Gefängnis den Tod.

Blindage (franz., spr. blängdahsch), Blendung.

Blindbaum, s. Excoecaria.

Blindboden, Bodenbeleg aus Brettern oder Balken, welcher unter den eigentlichen Fußboden, mag dieser nun aus gehobelten Dielen, Parkett oder aus Gipsguß bestehen, zu liegen kommt. Die Blindboden tragen zur bessern Erhaltung der Wärme im Zimmer wesentlich bei; auch halten sich die eigentlichen Fußboden auf diesen länger.

Blinddarm, s. Darm.

Blinddarmentzündung (Typhlitis), s. Darmentzündung.

Blindenanstalten (Blindeninstitute). Es gibt, abgesehen von Heilanstalten für Augenkranke, zwei Arten von Instituten für Blinde: Anstalten zur Versorgung unheilbarer Blinden (Blindenhospitäler), in denen erwachsene Blinde Beschäftigung und Unterhalt finden, und Anstalten zur Erziehung und zum Unterricht blinder Personen, insbesondere blindgeborner oder erblindeter Kinder. Das älteste bekannte Blindenhospital wurde 1260 nach dem Kreuzzug Ludwigs des Heiligen unter dem Namen Quinze-Vingts in Paris gestiftet; es fanden darin vorzugsweise in Ägypten erblindete Krieger Aufnahme. Nach den Befreiungskriegen wurden in Preußen aus milden Beiträgen für die erblindeten Krieger fünf Werkschulen, worin Anleitung für Handarbeiten erteilt wurde, zu Königsberg, Marienwerder, Breslau, Berlin und Münster eingerichtet, von denen die zu Königsberg und Breslau sich in andrer Gestalt bis jetzt erhalten haben. Ähnliche Arbeits- und Versorgungsanstalten, zum Teil mit Unterrichtsanstalten verbunden, bestehen jetzt in Wien, Prag, Dresden, Gemünd in Württemberg, Dublin, Glasgow, Neapel, Kopenhagen, Petersburg, Paris u. a. O. Die letztgenannten Anstalten zur Erziehung und zum Unterricht von blinden Personen, insbesondere von Kindern, stammen erst aus der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Schon früher kannte man allerdings Mittel, um Blinden mit Erfolg Unterricht in einem oder dem andern Fach der Wissenschaft oder Kunst zu erteilen; aber ihre Anwendung beschränkte sich aus den Privatgebrauch und entbehrte einer festen Methode.

Gegenwärtig ist der öffentliche Blindenunterricht ein selbständiger Zweig der pädagogischen Didaktik geworden. J. ^[Jacob] Bernoulli lehrte bereits 1667 zu Genf ein blindes Mädchen schreiben; der blinde Saunderson konstruierte mit Nadeln und Schnüren ein Rechen- und Meßbrett und löste damit verwickelte Aufgaben. Dasselbe ist von dem blinden Weißenburg in Mannheim bekannt, der auch eine Lese- und Schreibmaschine erfand. Ein Fräulein Paradies zu Wien erdachte sich höchst sinnreiche Apparate zum Lesen, Schreiben und Notensetzen und brachte es im Orgelspiel zur Virtuosität. Sie hat durch das Zusammentreffen und Zusammenwirken mit Hauy zu Paris (1784) für die Geschichte der B. eine historische Bedeutung erlangt. Valentin Hauy (geb. 13. Nov. 1746 oder 1745 zu St.-Just, gest. 1822 in Paris), der Bruder des berühmten Mineralogen, faßte nämlich den Gedanken, für die Blinden eine ähnliche Lehranstalt zu errichten, wie der Abbé de l'Epée für Taubstumme gegründet hatte, und machte 1784 den Versuch mit einem blinden Knaben. Unterstützt von der damals in Paris entstandenen Philanthropischen Gesellschaft, konnte Hauy bald noch elf andre blinde Kinder dazunehmen, und so entstand die erste Anstalt, in welcher die Zöglinge nicht nur in abgemessenen Handarbeiten, sondern auch in der Musik, im Lesen, Schreiben, Rechnen und in andern Wissenschaften unterrichtet wurden. Zum Lesen gebrauchte Hauy erhabene Buchstaben aus Metall, womit zugleich auf Papier gedruckt werden konnte; zum Schreiben einen Rahmen mit Drähten zur Trennung der Zeilen, welcher über das Papier gelegt wurde; zur Geographie Landkarten, worauf die Gebirge, Flüsse, Städte und Landesgrenzen auf verschiedene Art gestickt waren: alles Vorrichtungen, die er durch Fräulein Paradies kennen gelernt hatte. 1791 wurde die Anstalt zu einer königlichen erhoben und mit der Taubstummenanstalt zusammengelegt, vier Jahre später indes wieder von ihr getrennt. Da Napoleon als Erster Konsul die Anstalt Hauys mit dem Blindenhospital der Dreihundert verband,