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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Blum.; Blumauer; Blume; Blumenau

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Blum. - Blumenau.

erste Frucht des deutschen Staatssozialismus" (das. 1881); ferner die Novellensammlung "Dunkle Geschichten" (Berl. 1874), den Roman "Aus unsern Tagen" (Magdeb. 1876) und die Dramen: "Junius" und "York" (1884). Mit K. Braun gibt er seit 1879 die "Annalen des Reichsgerichts" heraus.

Blum., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für J. F. ^[Johann Friedrich] Blumenbach.

Blumauer, Aloysius, deutscher Dichter, geb. 21. Dez. 1755 zu Steier in Oberösterreich, kam 1772 nach Wien und trat hier in den Orden der Jesuiten. Nach der Aufhebung desselben 1773 erwarb er sich seinen Unterhalt anfangs durch Erteilen von Privatstunden, bis er die Stelle eines Hofzensors erhielt, welches Amt er während der freisinnigen Regierung Josephs II. mit Liebe verwaltete. Als aber die auf den Tod Josephs folgende Reaktion eintrat, legte er 1793 seine Stelle nieder und übernahm die Gräffersche Buchhandlung, bei welcher er schon seit einiger Zeit beteiligt war. Er starb 16. März 1798 in Wien. Sehr beliebt war einst seine Travestie von Vergils Äneide: "Abenteuer des frommen Helden Äneas" (Wien 1784, oft aufgelegt; mit Anmerkungen und Einleitung hrsg. von Grisebach, Leipz. 1872), deren komische Kraft in dem Gegensatz der modernen Verhältnisse zu denen des Altertums und in der scharfen Satire gegen die Auswüchse der modernen Bildung liegt. Derselbe burleske, auch das Rohe und Plumpe nicht scheuende Humor, der dieses Werk auszeichnet, geht als Hauptzug auch durch die übrigen lyrischen und erzählenden Gedichte Blumauers, die aber nicht selten ganz ins Triviale ausarten; nur wenige sind ernst und würdig gehalten. B. schrieb außerdem ein Trauerspiel: "Erwine von Steinheim", und "Vermischte prosaische Aufsätze". Seine "Sämtlichen Werke" erschienen öfter (zuerst Leipz. 1801-1803, 4 Bde.; zuletzt Wien 1885, 4 Bde.). Vgl. Hofmann-Wellenhof, Alois B. (Wien 1884).

Blume, in der Botanik ein Teil der Blüte (s. d.); in der Chemie veraltete Bezeichnung für verschiedene zum Teil durch Sublimation erhaltene Präparate, z. B. Schwefelblumen, s. v. w. sublimierter Schwefel, Zinkblumen, s. v. w. Zinkoxyd etc. B. (Boukett), das eigentümliche Aroma der Weine, besonders der Rhein- und Burgunderweine, welches aber von dem allen Weinen gemeinsamen eigentümlichen Weingeruch wohl zu unterscheiden ist. In der Bierbrauerei heißt B. die Oberhefe. Im Wollhandel versteht man darunter den in Form und Textur vollendeten Stapel der kurzgedrängten, hochfeinen Wolle. Der Jäger endlich nennt B. den Schwanz des Hasen sowie die Schwanzspitze bei Wolf und Fuchs.

Blume, 1) Heinrich, Opernsänger (Bariton), geb. 25. April 1788 zu Berlin, erhielt seine Schulbildung daselbst am Joachimsthalschen Gymnasium und seine künstlerische durch den königlichen Sänger G. Gern, der auch sein Engagement am Opernhaus veranlaßte, nachdem B. 1808 in Winters "Unterbrochenem Opferfest" mit Erfolg debütiert hatte. Im Verkehr mit Iffland auch als Schauspieler zur Reife gelangt, trat er 1812, wo er zum erstenmal den Don Juan sang, in die Glanzperiode seines künstlerischen Wirkens, und namentlich bildete er während der ruhmvollen Zeit der Opernleitung Spontinis (1820-42) neben den Sängerinnen Milder und Schultze sowie dem Tenor Bader eine der Hauptstützen der von dem genannten Meister inszenierten Musteraufführungen, Auch als Oratorien- und Liedersänger hat er sich um das Berliner Musikleben große Verdienste erworben und vermochte als solcher noch 1855 im Alter von 67 Jahren reichen Beifall zu ernten. Nachdem er 1848 von der Bühne Abschied genommen, siedelte er nach Görlitz über, kehrte jedoch 1852 in seine Vaterstadt zurück und starb daselbst 2. Nov. 1856.

2) Friedrich (eigentlich Bluhme), namhafter Rechtsgelehrter, geb. 29. Juni 1797 zu Hamburg, studierte in Göttingen, Berlin, Jena, ward 1823 Professor in Halle, 1831 in Göttingen, 1833 Oberappellationsgerichtsrat in Lübeck und 1843 Professor der Rechte in Bonn, wo er 5. Nov. 1874 starb. Schon in seiner Doktordissertation "De geminatis et similibus, quae in Digestis inveniuntur, capitibus" (Jena 1820) gab sich die Richtung kund, welche seine spätern wissenschaftlichen Studien genommen haben, Noch mehr trat dieselbe hervor in der Abhandlung "Die Ordnung der Fragmente in den Pandektentiteln" (in der "Zeitschrift für geschichtliche Rechtswissenschaft", Bd. 4, 1820), worin eine der glänzendsten Entdeckungen vorliegt, durch welche in neuerer Zeit die römische Rechtsgeschichte bereichert worden ist. Die während einer Reise nach Italien gemachten Forschungen legte er in dem "Iter italicus" (Berl. u. Halle 1824-36, 4 Bde.), in der "Bibliotheca librorum manuscriptorum italica" (Götting. 1834) und in zahlreichen Beiträgen für juristische Zeitschriften und Sammelwerk nieder. Mit Lachmann und Rudorff gab er "Die Schriften der römischen Feldmesser" (Berl. 1848-52, 2 Bde.) heraus. Von seinen übrigen Schriften sind noch zu nennen: "Lex Dei sive mosaicarum et romanarum legum collatio" (Bonn 1833); "Die westgotische Antiqua" (Halle 1847); "Encyklopädie der in Deutschland geltenden Rechte" (Bonn 1847-58, 3 Abtlgn.); "Die Gens Langobardorum" (das. 1868-74, 2 Hefte); "Kodex des rheinischen evang. Kirchenrechts" (Elberf. 1870); "Zur Texteskritik des Westgotenrechts" (Halle 1872).

Blumenau (ungar. Lamacs), 1) Dorf im ungar. Komitat Preßburg, an der Österreichischen Staatsbahn, mit 864 Einw., war 22. Juli 1866 der Schauplatz des letzten Gefechts im österreichisch-preußischen Krieg, wobei das preußische 4. Armeekorps unter Fransecky und das österreichische 2. Korps unter Thun engagiert waren. General v. Bose hatte nach Umgehung der Österreicher gegen die Brigaden Henriquez und Mondl mit viel Glück gekämpft, das den Preußen günstige Gefecht mußte jedoch im entscheidenden Moment des abgeschlossenen Waffenstillstandes wegen abgebrochen werden. -

2) Deutsche Ackerbaukolonie in der brasil. Provinz Santa Catharina, vom schiffbaren Itajahy-Assú nebst dessen zahlreichen Zuflüssen bewässert, mit gesundem Klima und durchgängig sehr fruchtbarem Boden, wurde 1852 vom Dr. Blumenau aus Rudolstadt mit 17 Personen gegründet, 1860 von der brasilischen Regierung als Staatskolonie übernommen, 1880 emanzipiert und hatte Mitte 1882 bereits eine Bevölkerung von 15,710 Seelen, wovon 11-12,000 Deutsche. Stark vertreten sind besonders Rheinländer, Pommern und Badener. Der Umfang der in erfreulichem Aufblühen begriffenen Kolonie beträgt 60,000 Hektar, wovon der fünfte Teil kultiviert ist. Die jährliche Ausfuhr beläuft sich auf 1 Mill. Mk. Man baut hauptsächlich Maniok und andre Knollengewächse, Zuckerrohr, Mais, Bohnen, Kartoffeln etc., auch Kaffee, Baumwolle und Tabak. Auf der Kolonie befanden sich 1879: 35 Schulen, mehrere protestantische und kathol. Kirchen, 149 Zuckermühlen, 138 Maniokmühlen, 10 Ziegeleien, 6 Bierbrauereien, 28 Schneidemühlen, 22 Mahlmühlen, 4 Reisstampfen u. a. Der Hauptort B. liegt weit zerstreut rechts am Itajahy-Assú,