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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bobbio; Bober; Boberfeld; Boberille; Bobersberg; Bobine; Bobinoir; Bobisation; Böblingen; Böblinger; Bobo; Bobrinez

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Bobbio - Bobrinez.

und zwischen je zwei derselben allemal ein schräges Kreuz bilden. Bezeichnet man die vertikal laufenden Fäden als die Kette, so bilden die schräg laufenden den Einschlag. Die ganze Arbeit hat aber mit der Weberei nichts gemein, erinnert vielmehr an die Bewegung der Klöppel beim Handspitzenmachen. Für das Einarbeiten des Einschlags dienen so viel Spulen, als Kettenfäden vorhanden sind. Diese metallenen Spulen tragen den aufgewickelten Eintragfaden und drehen sich im Ausschnitt einer Platte. Diese Platten gleiten dicht um die Kettenfäden in Führungen so herum, daß jede Spule ihren Faden um einen Kettenfaden herumlegt, dann zum folgenden übergeht etc. Da aber die Kette gleichzeitig fortschreitet, so geht jede Spule im Zickzack durch das Zeug, und aus der Gesamtwirkung aller Fäden mit der Kette entstehen die sechseckigen Maschen. Die Entfernung der Kettenfäden bestimmt die Größe der Löcher, und nach ihr richtet sich auch die schräge Steigung der Einschlagfäden, da die Sechsecke sonst nicht regelmäßig werden würden, wodurch die Schönheit des Gewebes hauptsächlich bedingt wird. Die Anzahl der Kettenfäden beträgt auf Ellenbreite 600-900, was ca. 10-15 Löcher auf die Breite eines Zentimeters gibt. Im Handel kommt der B. glatt und gemustert vor. Gesteifter B. zu Damenhutfutter heißt Appret; in Streifen gewebt, die sich auseinander nehmen lassen, heißt er Entoilage. Er wird besonders in Frankreich und England fabriziert. Erfunden ist die Bobbinetmaschine, welche einen höchst komplizierten Mechanismus besitzt, und von welcher der Stoff seinen Namen erhielt, 1808 von dem Engländer Heathcoat. Sie fand alsbald außerordentlichen Beifall, und es wurden ungeheure Kapitalien auf den neuen Industriezweig verwandt und entsprechende Gewinne erzielt. Seit 1824 erlebte die Maschine tiefgreifende Verbesserungen, durch welche alle bisher bestandenen unbrauchbar wurden; 1835 fing man an, die Jacquardmaschine mit dem Bobbinetstuhl zu verbinden, um gemusterte Tülle zu erzeugen, und 1836 zählte man in England 3547 Bobbinetmaschinen, von welchen 1425 glatten B. (Plainnet), 1122 Streifen (Quillings) und 1000 faconnierten B. (Fancies) lieferten. Seitdem hat die Zahl nicht wesentlich zugenommen, wohl aber ist die Produktionsfähigkeit gesteigert, und die heutige Bobbinetmaschine liefert wohl sechs- bis achtmal soviel B. von doppelter Breite als die ursprüngliche Erfindung. Der Hauptsitz der Bobbinetindustrie in England ist Nottingham, in Frankreich Calais. In Österreich sind einige Fabriken in Wien etc. gegründet.

Bobbio (Bobium castrum), Kreishauptstadt in der ital. Provinz Pavia, an der Mündung des Flüßchens B. in die Trebbia, Bischofsitz, mit einer alten Kathedrale, Gymnasium, Schwefelquelle und (1881) 1704 Einw. In der Nähe war früher eine 612 durch Columban gestiftete Abtei, die durch eine reiche Manuskriptsammlung berühmt war, welche nun der Ambrosianischen Bibliothek in Mailand und der vatikanischen Bibliothek in Rom einverleibt ist. Der Katalog derselben zählt 700 Manuskripte aus dem 10. Jahrh. auf; aus ihr stammen auch die die gotische Übersetzung der Paulinischen Briefe enthaltenden Palimpseste, welche Angelo Mai, Niebuhr u. a. bekannt machten.

Bober, linker Nebenfluß der Oder, entspringt auf dem Riesengebirge zwischen Schatzlar und dem Dorf B. südwestlich von Landeshut, in 743 m Höhe, fließt durch das Landeshuter und Hirschberger Thal, erreicht bei Löwenberg die Ebene und mündet in 36 m Höhe bei Krossen. Seine Länge beträgt 255 km; er ist weder schiff- noch flößbar, im Sommer oft sehr wasserarm, bei der Schneeschmelze und nach heftigen Regengüssen wasserreich und sehr verheerend. Seine wichtigsten Zuflüsse sind links die Lomnitz und der Zacken vom Riesengebirge, der Queis vom Isergebirge und die Tschirna.

Boberfeld, Martin Opitz von, s. Opitz.

Boberille (Boberelle), s. v. w. Judenkirsche, s. Physalis.

Bobersberg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Krossen, am Bober, mit (1880) 1551 Einw.

Bobine (franz.), die Spule am Spinnrad; auch der birnförmige Körper, den das Garn beim Aufwickeln auf die Spindeln der Mulemaschine bildet (s. v. w. Kötzer).

Bobinoir (franz., spr. -noahr), in der Weberei das Spulrad oder die Spulmaschine zum Aufwickeln der Kette; auch s. v. w. Spindelbank, eine Vorspinnmaschine für Baumwolle etc.

Bobisation, s. Solmisation.

Böblingen, Oberamtsstadt im württemberg. Neckarkreis, in der Nähe des Schönbuchs, 462 m ü. M., an der Eisenbahn Stuttgart-Freudenstadt, hat 1 Amtsgericht, 2 evang. Kirchen, 1 Zucker-, 1 chemische Fabrik, Bierbrauerei, bedeutenden Hopfenbau und (1880) 4365 meist evang. Einwohner. B. kommt zuerst um 1100 vor, wurde 1274 unter dem Pfalzgrafen von Tübingen zur Stadt erhoben und kam 1357 an das Haus Württemberg. B. war der Sitz des sogen. Neuner- und des Bauerngerichts. Im Bauernkrieg fand hier 12. Mai 1525 eine Schlacht zwischen 20,000 Bauern und Georg Truchseß von Waldburg statt, worin gegen 9000 Bauern blieben.

Böblinger, Matthias, Steinmetz und Baumeister, geboren zu Altbach bei Eßlingen, Sohn von Hans B. (gest. 1482), der seit 1440 an der Liebfrauenkirche in Eßlingen gebaut hatte. Matthias B. war seit 1474 am Münster in Ulm thätig und wurde 1480 Kirchenmeister an demselben. 1483 begab er sich nach Frankfurt, von wo aus man sein Gutachten über den Weiterbau des Domturms gefordert hatte. Als 1492 der schon bis zu einer Höhe von 237 Fuß gebrachte Münsterturm in Ulm den Einsturz drohte, mußte er vor der Volkswut fliehen. 1496 ging er nach Eßlingen, wo er die gotische Pyramide der Frauenkirche vollendete. Er starb 1505.

Bobo (span.), Possenreißer, s. Gracioso.

Bobrinez, Landstadt im russ. Gouvernement Cherson, hat eine Kirche, eine Synagoge und (1881) 10,854 Einw., welche Tabaksfabrikation, Bierbrauerei und