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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bocholt; Bochum; Bock

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Bocholt - Bock.

Bezirksgerichts, hat ein Gymnasium, ein Krankenhaus und (1880) 8199 Einw. In der Nähe befinden sich Gipsbrüche und ein reichhaltiges Steinsalzbergwerk, das sich in vier Stockwerken bis zu einer Tiefe von 324 m erstreckt, interessante künstliche Steinsalzbildungen (eine vollständige Kirche mit Säulen, Statuen, Altären etc.) enthält und einen Ertrag von jährlich 300,000 metr. Ztr. ergibt. Die Stadt wurde 1447 durch eine Feuersbrunst ganz zerstört, 1702 von Karl XII. von Schweden eingenommen. In der Nähe liegt Wisnicz mit der Strafanstalt für Westgalizien.

Bocholt, 1) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Münster, an der Aa und der Eisenbahn Wesel-Winterswijk, hat 1 Amtsgericht, 2 katholische und 1 evang. Kirche, 1 Synagoge, ein 1618 im Renaissancestil erbautes Rathaus, ein Progymnasium, Armen- und Waisenhaus, das St. Hedwigshospital, 3 Baumwollspinnereien, 21 mechanische Baumwollwebereien, 8 Färbereien, Eisengießerei und Maschinenfabrik, eine Gasleitung u. (1880) 8534 Einw. (506 Evangelische). - Bei B. erfocht Karl d. Gr. im Sommer 779 einen Sieg über die Sachsen. Der Ort erhielt 1201 durch den Bischof Hermann von Münster Stadtrechte, stand aber bis ins 14. Jahrh. unter der Gerichtsbarkeit der Freigrafen von Dingede. B. fiel 1803 als Entschädigung für verlorne Besitzungen auf der linken Rheinseite an den Fürsten von Salm-Salm. -

2) Bauerschaft zu Borbeck (s. d.).

Bocholt, Franz von, Kupferstecher, war von ca. 1460 bis 1480 zu Bocholt an der Aa in Westfalen thätig. Von ihm existieren 55 Stiche biblischen Inhalts, unter denen sich einige Kopien nach Schongauerschen Stichen befinden. In seinen eignen Kompositionen steht er unter dem Einfluß der niederländischen Schule.

Bochum, Stadt (Stadtkreis), 108 m ü. M., im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, an den Eisenbahnen Soest-Düsseldorf, Rheydt-Dortmund und Herne-Stolberg, hat 2 evangelische (darunter die Christuskirche) und 2 kath. Kirchen, 1 Synagoge, 1 Hospital, 2 Krankenhäuser, 1 Theater und (1880) 33,440 Einw., davon 12,507 Evangelische, 20,236 Katholiken und 617 Juden (1884: 40,000 Einw.). B. ist ein Hauptplatz der westfälischen Industrie; am bedeutendsten ist die Gußstahlfabrik des Bochumer Vereins für Bergbau u. Gußstahlfabrikation mit (1883) 5134 Arbeitern, einem Gewinn von 148,091 Ton. Stahl im Wert von 25 2/3 Mill. Mk., mit Eisengießereien, 3 Hochofen, Fabrikation feuerfester Steine, Koksöfen, Gasleitung und einem Kost- und Logierhaus für 1200 Arbeiter. Das Werk wurde 1843 unter der Firma "Meyer u. Kühne" gegründet und 1854 in ein Aktienunternehmen verwandelt; der Verein betreibt Steinkohlenbergbau bei B. und Eisenerzbau im Nassauischen und Siegenschen. Von andern industriellen Etablissements sind zu nennen: die Gußstahlfabrik der Gesellschaft für Stahlindustrie (530 Arbeiter), Bochumer Eisenhütte, Westfälische Eisenhütte, Eisengießerei und Maschinenfabrik, Metallgießerei nebst Armaturenfabrik, die Fahrendeller Hütte für Röhren und Faconstücke, Zinngießerei, Ziegeleien, ferner Fabriken für Drahtseile, Gußstahlseile, Sicherheitslampen, Öl, Tabak, Tapeten, Steinkohlenteer und Dachpappe, starker Steinkohlenbergbau (Grube Präsident). B. hat eine Wasserleitung, eine Gasleitung, Kanalisation und ein Schlachthaus; von Unterrichtsanstalten bestehen 1 simultanes Gymnasium, 1 Oberrealschule, die Rheinisch-Westfälische Hüttenschule, 1 Bergschule und 2 höhere Töchterschulen. Die Stadt ist Sitz eines Amtsgerichts nebst Strafkammer und Kammer für Handelssachen, des Landratsamtes für den Landkreis B., einer Handelskammer, eines Bergreviers und einer Reichsbankstelle. Der Magistrat zählt 7, die Stadtverordnetenversammlung 24 Mitglieder. B. ist Geburtsort des Industriellen und Staatsmannes v. Grolmann (gest. 1840). B. war im Mittelalter Hauptort einer Grafschaft, welche 1040 an das Erzstift Köln fiel und von diesem später an die Grafen von Kleve und Mark überlassen wurde. Aus der jülich-klevischen Erbschaft kam B. 1614 an Brandenburg.

Bock, das Männchen der Ziege, des Schafes, Rehes, des Stein- und Damwildes, auch des Kaninchens.

Bock (polnischer B., in den B. spannen), sonst Strafe, wobei die Hände zusammengebunden, über die Kniee gezogen und ein Stock über den Armen und unter den Kniekehlen so durchgesteckt wurde, daß die Hände nicht wieder über die Kniee zurückgezogen werden konnten. Spanischer B., s. Tortur.

Bock (Bockbier), s. Bier, S. 918.

Bock (Sprengbock, Hängebock), Holzverbindung, welche entweder für sich oder in Verbindung mit andern Hölzern dazu dient, einen unter ihr liegenden Balken zu tragen. Dieselbe kann entweder aus Einer Säule bestehen, die durch zwei so nahe wie möglich am Ende des zu tragenden Balkens aufsitzende Streben emporgehalten wird, und woran der Balken mittels eiserner Bänder und Schrauben angehängt ist, einfacher B. (Fig. 1), oder man bringt, vorzüglich bei weit frei liegenden Balken, zwei durch einen Spannriegel verbundene Säulen an, welche gleichfalls durch den vorigen entsprechende Streben in die Höhe gehalten werden, und woran der Balken durch Eisenbänder festgehalten wird, doppelter B. (Fig. 2).

Auch heißt B. ein hölzernes Gestell, z. B. die Rüstböcke der Maurer und Zimmerleute; dann ein diesen ähnliches Turngerät zu Springübungen; bei Wölbungen das Gerüst, worauf die Lehrbogen aufsitzen.

Bock, 1) (Tragus) Hieronymus, Botaniker, geb. 1498 zu Heiderbach im Zweibrückenschen, wurde für das Kloster bestimmt, entzog sich aber demselben, studierte Theologie, Humaniora und Medizin, wurde 1523 in Zweibrücken Lehrer und Aufseher des fürstlichen Gartens, den er mit vielen Pflanzen bereicherte, und 1532 Prediger in Hornbach, wo er gleichzeitig als Arzt praktizierte. Als Protestant aus seinem Amt vertrieben, fand er beim Grafen Philipp von Nassau Zuflucht, bis er nach Hornbach zurückkehren konnte, wo er 1554 starb. B. gehört zu den "Vätern der Botanik". Sein Hauptwerk ist das "New Kreutterbuch" (Straßb. 1539, 8. Aufl. 1630), in welchem er sehr treue Beschreibungen und in den spätern Auflagen meist aus Fuchs entlehnte Abbildungen der Pflanzen gab, auch Versuche macht, die Pflanzen nach ihrer Verwandtschaft zu ordnen.