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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Boemund; Böen; Boer; Boeresco; Boerh.; Boerhaave; Boers; Boethius

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Boemund - Boethius.

ein Gedenkfest der Schlacht bei Marathon überging. Auch in Böotien, besonders in Theben, wurde Apollon als B. neben der Artemis Eukleia verehrt. Vgl. Stephani, Apollon B. (Petersb. 1860).

Boemund, s. v. w. Bohemund.

Böen, die heftigen Windstöße, welche bei einer Dauer von wenigen Minuten bis zu einer Stunde und darüber, in der Regel von einer schweren vorüberziehenden Wolke (oder einem Wolkenherd mit Lücken) sowie von mehr oder weniger heftigen Regen-, Schnee- oder Hagelschauern und mitunter von Gewittern begleitet, in allen Teilen der Erdoberfläche auftreten, aber stets nur eine geringe räumliche Ausdehnung besitzen. B. kommen bei allen Windrichtungen vor, jedoch nördlich von den Passatregionen am häufigsten in nordwestlichen, südlich von denselben in südwestlichen Luftströmungen; ihre Ausdehnung in der Richtung senkrecht zur Windrichtung übertrifft mehrfach die Ausdehnung in der letztern selbst, und meistenteils treten sie des Nachmittags, seltener am Vormittag und noch seltener des Nachts auf. Die Windrichtung während der Böe ist in den meisten Fällen nur wenig verschieden von der zur Zeit allgemein herrschenden, und mit der größten Windstärke, namentlich wenn die Böe mit Gewitter verbunden ist, tritt ein plötzliches Emporschnellen des Barometers um 0,5-1,0 oder selbst 2,0 mm bei gleichzeitiger ebenso plötzlicher Temperaturabnahme ein. Nicht selten geht der Böe ein Krimpen des Windes voraus (auf nördlicher Breite Richtungsänderung im Sinn NWSO.), welcher während der Erscheinung wieder Ausschießen folgt (aus nördlicher Breite Richtungsänderung im Sinn NOSW.; auf südlicher Breite finden beide Richtungsänderungen in entgegengesetztem Sinn statt). Der starke Wind tritt entweder gleichzeitig mit den Niederschlagen auf oder früher, in welchem Fall der Böe unter Umständen eine große Staubwolke vorangeht, mitunter jedoch auch später; selten bleiben die Niederschläge ganz aus. Die plötzlichen und oft sehr heftigen Windstöße bei klarem Himmel, die hauptsächlich auf der Leeseite hoher Steilküsten, aber auch auf offenem Meer beobachtet werden und die unter den Namen Bora, Williwaws, White Squalls etc. bekannt sind, weichen von den B. im eigentlichen Sinn in manchen Beziehungen ab.

Boer (russ.), Eisschiff, Schiff, welches auf Schlittenkufen mittels Segels fortgetrieben wird.

Boeresco, Basilio, rumän. Staatsmann, geb. 1. Jan. 1830 zu Bukarest aus einer angesehenen bürgerlichen Familie, beteiligte sich schon 1848 als Journalist an der revolutionären Bewegung in den Donaufürstentümern, vollendete sodann seine Rechtsstudien in Paris, wo er 1857 die Doktorwürde erlangte, und richtete 1856 an den Pariser Kongreß eine Denkschrift: "Mémoire sur la question politique et économique de la Moldo-Valachie". Auch veröffentlichte er damals die Schriften: "La Roumanie après le traité de Paris du 30 mars 1856" (Par. 1856) und "Traité comparatif des délits et des peines au point de vue philosophique et juridique" (das. 1857). Nach Rumänien zurückgekehrt, gründete er daselbst den "National" und übernahm, jedoch nur für kurze Zeit, eine Professur des Handelsrechts an der Rechtsfakultät in Bukarest. 1858 ließ er sich als Advokat nieder, wurde 1859 in die Gesetzgebende Versammlung gewählt und betrieb eifrig die Vereinigung der Donaufürstentümer zu Einem Staat. 1860 übernahm er das Justizministerium; seitdem war er wiederholt als Führer des gemäßigt liberalen Zentrums in der Kammer Mitglied des Ministeriums, zuletzt 1879-1881 Minister des Auswärtigen. Er führte die Judenemanzipation und die Anerkennung der Souveränität Rumäniens durch die Mächte durch, zeigte sich aber in der Donaufrage zu nachgiebig gegen Österreich, weshalb er zurücktreten mußte. Er starb 1. Dez. 1883 in Paris. Außer einem Kommentar des walachischen Handelsgesetzbuchs schrieb er noch: "Examen de la convention du 19 août relative à l'organisation des Principautés danubiennes" (1858) und "Mémoire sur la juridiction consulaire dans les Principautés unies roumaines" (1865).

Boerh., bei botan. Namen Abkürzung für H. Boerhaave (s. d.).

Boerhaave (spr. bur-), Hermann, Mediziner, geb. 31. Dez. 1668 zu Voorhout bei Leiden, studierte seit 1682 Theologie und morgenländische Sprachen, dann Mathematik und seit 1690 Medizin, ward 1701 Lektor und Repetent und 1709 Professor der Medizin und Botanik zu Leiden. Im J. 1714 erhielt er die klinische Professur und die Aufsicht über das Krankenhaus, 1718 auch den Lehrstuhl der Chemie. Beim Antritt des Rektorats, welches ihm ebenfalls 1714 übertragen wurde, hielt er die Rede "De comparando certo in physicis", die zu den vorzüglichsten seiner Vorträge gehört. 1729 gab er seine Professur der Botanik und Chemie auf und behielt bloß die praktische Lehrstelle. Im J. 1736 hielt er bei Niederlegung des zum zweitenmal verwalteten Rektorats die denkwürdige Rede "De honore medici, servitute", worin er als die höchste Ehre des Arztes nachweist, Diener der Natur zu sein. Er starb 23. Sept. 1738. So groß seine Verdienste um die Arzneiwissenschaften waren, so groß war auch sein Ruhm; aus allen Ländern Europas kam man, ihn um Rat zu fragen. B. suchte mit großer wissenschaftlicher Überlegenheit alle Resultate der Naturwissenschaften zum Besten der Medizin zu verwerten, legte hierbei namentlich auf die mechanischen Entdeckungen großen Wert und findet in der "Faser" den allgemeinen Organbestandteil, der durch seine Spannung und Erschlaffung die meisten Krankheitszustände verursacht. Die wichtigsten seiner Schriften sind die "Institutiones medicae in usum annuae exercitationis" (Leiden 1708, zuletzt Wien 1775), in die meisten lebenden Sprachen übersetzt, und die "Aphorismi de cognoscendis et curandis morbis" (Leiden 1709 u. öfter). Das erstere dieser Werke ist ein systematischer Abriß der theoretischen Lehrsätze in der Medizin, in den Aphorismen gibt B. ein Lehrbuch der praktischen Medizin, wobei er von einer höchst genialen Klassifikation der Krankheiten ausgeht. Diesen beiden schließen sich würdig an seine "Elementa chemiae" (Par. 1724 u. öfter, 2 Bde.), die namentlich wegen der Genauigkeit der Versuche von Wert sind. Boerhaaves ausgezeichnetste Schüler waren Haller und van Swieten, welcher auch die Institutiones und die Aphorismi erklärte. Die Stadt Leiden hat ihm in der Peterskirche ein Denkmal errichtet, auf welchem man seinen Lieblingsspruch liest: "Simplex sigillum veri". Vgl. Burton, Account of the life and writings of B. (Lond. 1743, 2 Bde.); Johnson, Life of H. B. (das. 1834; holländ., Amsterd. 1837); Kesteloot, Lofrede op H. B. (Leiden 1825).

Boers (holländ., spr. buhrs), s. Buren.

Boethius (auch Boetius), Anicius Manlius Torquatus Severinus, röm. Staatsmann und Philosoph, geboren zwischen 470 und 475 n. Chr. zu Rom aus hochangesehener Familie, widmete sich, wie berichtet wird, vom 10. bis 28. Lebensjahr in Athen philosophischen und mathematischen Studien, wurde 510 zum Konsul ernannt, genoß mehrere Jahre hindurch