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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bois; Bois-Guillaume; Bois le Duc; Boiserie; Boisgobey; Boiss.; Boisseau; Boisserée; Boissier; Boissieu; Boissonade

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Boiserie - Boissonade.

Boiserie (franz., spr. boas'rih; Boisage), Täfelwerk, Getäfel; boisieren, die Wände u. dgl. mit Täfelwerk bekleiden, täfeln.

Bois, Glacier du (spr. glaßjehdüboa), s. Montblanc.

Boisgobey (spr. boagoba), Fortuné du, franz. Schriftsteller, geb. 1824 zu Granville in der Normandie, machte als Zahlmeister mehrere algerische Feldzüge mit, die ihm Gelegenheit boten, Land und Leute zu studieren und Erfahrungen zu sammeln, welche später seiner Phantasie zu Hilfe kommen sollten. Er trat übrigens erst 1868 vor die Öffentlichkeit und wurde nun mit seinen rasch aufeinander folgenden, zwar seichten, aber anständigen und oft hochromantischen Romanen ein Liebling der abenteuerlustigen Leser der Sousblätter, namentlich des "Petit Moniteur". Außer diesen Romanen, deren Titel, wie: "L'homme sans nom", "Forcat colonel", "Tresse blonde", "As de coeur", "Mystères du nouveau Paris", "L'épingle rose", "Le pouce crochu" etc., den Inhalt hinlänglich charakterisieren, hat B. auch Reiseerinnerungen: "Du Rhin au Nil" (1876), veröffentlicht, die in seiner gewohnten sensationellen Manier geschrieben sind, sich jedoch angenehm lesen.

Bois-Guillaume (spr. boa-ghijohm), Flecken im franz. Departement Niederseine, Arrondissement Rouen, nördlicher Vorort von Rouen, mit (1876) 4054 Einw. und großen Baumwollspinnereien.

Bois le Duc (spr. boa lö dück), s. v. w. Herzogenbusch.

Boiss., bei botan. Namen Abkürzung für E. Boissier, geb. 1810 zu Genf, Privatmann, bereiste wiederholt den Orient. "Flora orientalis", Euphorbiaceen.

Boisseau (franz., spr. boassoh), altfranzösisches und belg. Kornmaß, in Paris = 656 Pariser Kubikzoll = 13 Lit., in Brüssel für Hafer = 62,66 L., für Salz = 56,89 L. Auch Feldmaß = 0,7-3,2 Acker.

Boisserée (spr. boass'reh), Sulpice, geb. 2. Aug. 1783 zu Köln, und Melchior, geb. 23. April 1786 daselbst, zwei um die Kunstgeschichte verdiente Gelehrte, vorzüglich bekannt durch die nach ihnen benannte Gemäldesammlung. Auf einer Reise, die sie 1803 nach Paris machten, bildeten sie an den dort aufgehäuften Kunstschätzen ihren Kunstsinn aus, und die Vorlesungen Fr. Schlegels, der sich damals in Paris befand, über Philosophie und schöne Litteratur gaben demselben eine wissenschaftliche Grundlage. Da sie der Anblick der im Museum aufgestellten altdeutschen Gemälde an ähnliche in ihrer Heimat erinnerte, so bewogen sie Schlegel, 1804 sie nach Köln zu begleiten, wo sie unter seiner Leitung die aus den Kirchen und Klöstern verschleuderten Kunstschätze zu sammeln anfingen. Zu gleichem Zweck bereisten sie die Niederlande und die Rheingegenden und ließen 1810 ihre ganze Sammlung nach Heidelberg bringen. Von hier aus bereiste Sulpice Sachsen und Böhmen, sein Bruder nochmals die Niederlande. Seit 1818 war ihnen vom König von Württemberg ein geräumiges Gebäude zur Benutzung angewiesen, worin 1819 die Sammlung zuerst vollständig aufgestellt wurde. Ferner veranstaltete man lithographische Nachbildungen der vorzüglichsten Werke, die 1821-34 in 38 Lieferungen erschienen. Die Sammlung umfaßte mehr als 200 Gemälde aus dem 14., 15. und 16. Jahrh. und entriß namentlich die niederrheinischen Meister der Vergessenheit. Im J. 1827 kaufte König Ludwig I. von Bayern die Sammlung für 360,000 Mk. an und ließ sie schließlich der Pinakothek einverleiben. Infolge dieses Kaufs wählten die Brüder B. München zu ihrem Aufenthaltsort. Sulpice B. hat sich außerdem noch durch seine Forschungen über die alte Kirchenbaukunst ein großes Verdienst erworben. Um den Kölner Dom vollständig bildlich darzustellen, unternahm er seit 1808 die sorgfältigsten Messungen und zeichnete die Entwürfe, die er durch den Maler Fuchs in Köln ausführen ließ. Das große Werk erschien in Lieferungen nebst Text unter dem Titel: "Geschichte und Beschreibung des Doms von Köln" (Stuttg. 1823-32, 2. Aufl. 1842). Als Vorläufer eines besondern Werks über deutsche Kirchenbaukunst im allgemeinen diente das Werk "Die Denkmale der Baukunst vom 7. bis 13. Jahrhundert am Niederrhein" (72 lithographierte Blätter, Münch. 1831-33; neue Ausg. 1842 mit französischem, 1843 mit deutschem Text). Früher schon zum Oberbaurat ernannt, erhielt Sulpice B. 1835 die Stelle eines Generalkonservators der plastischen Denkmäler Bayerns, nahm aber schon im folgenden Jahr seine Entlassung, um sich zur Kräftigung seiner Gesundheit nach Italien zu begeben, wo er zwei Jahre verweilte. Er schrieb noch: "Über den Tempel des heiligen Gral" (1834) und "Über die Kaiserdalmatika in der Peterskirche zu Rom" (1842) in den "Abhandlungen der bayrischen Akademie der Wissenschaften", deren Mitglied er war. 1845 siedelten die Brüder nach Bonn über, da der König von Preußen dem ältern Veranlassung geben wollte, in der Nähe des Kölner Doms zu wohnen, um seine Kunsterfahrungen dem Bau zu gute kommen zu lassen; zugleich wurde Sulpice B. zum Geheimen Hofrat ernannt. Melchior starb 14. Mai 1851, und Sulpice folgte ihm 2. Mai 1854 im Tod nach. Die Selbstbiographie und den Briefwechsel des letztern gab seine Witwe unter dem Titel: "Sulpiz B." (Stuttg. 1862, 2 Bde.) heraus.

Boissier (spr. boassieh), Marie Louis Gaston, franz. Geschichtsforscher, geb. 15. Aug. 1823 zu Nîmes, machte seine Studien in Paris und ließ sich 1857, nachdem er in Angoulême und später in seiner Vaterstadt Lehrstellen bekleidet hatte, in Paris nieder, wo er am Collège Charlemagne, dann am Collège de France und seit 1865 an der École normale die Professur der Rhetorik und alten Litteratur bekleidete; seit 1876 ist er Mitglied der Akademie. Seine Hauptschriften sind: "Étude sur Terentius Varron" (1859, gekrönte Preisschrift); "Cicéron et ses amis" (gekrönte Preisschrift, 1866, 6. Aufl. 1882; deutsch von Döhler, Leipz. 1869); "La religion romaine d'Auguste aux Antonins" (2. Aufl. 1878, 2 Bde.); "L'opposition sous les Césars" (2. Aufl. 1885) und "Promenades archeologiques. Rome et Pompéi" (2. Aufl. 1881). In ihnen vereinigt sich gründliche Gelehrsamkeit mit Geschmack und Eleganz.

Boissieu (spr. boasfjöh), Jean Jacques de, franz. Maler und Radierer, geb. 1736 zu Lyon, machte seine Studien in Italien und arbeitete später in Lyon, wo er 1810 starb. Chaillou-Potrelle veranstaltete 1823 zu Paris eine Gesamtausgabe seiner Blätter. B. hat fast nur Landschaften und Genrestücke radiert; er war ein sehr gewandter Zeichner, weshalb seine Radierungen und Zeichnungen noch immer gesucht sind.

Boissonade (spr. boassonad), Jean François B. de Fontarabic, franz. Hellenist, geb. 12. Aug. 1774 zu Paris, war während der Revolution längere Zeit Beamter im Ministerium des Auswärtigen, übernahm 1801 das Amt eines Generalsekretärs im Departement Obermarne, widmete sich dann ausschließlich den Wissenschaften, ward 1809 Adjunkt und 1812 Professor der griechischen Litteratur an der Pariser Universität, 1816 Mitglied der Akademie der Inschriften und 1828 Professor am Collège de France, welche Stelle er bis wenige Jahre vor seinem Tod