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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bologneser Kreide - Bölte.

sammenhang aufgehoben wird. Das dicke Ende einer solchen Flasche widersteht einem ziemlich starken Hammerschlag; aber die Flasche zerspringt zu kleinsten Trümmern, sobald man ein kleines, scharfes Steinchen in die Höhlung fallen läßt.

Bologneser Kreide, eine über Triest in den Handel kommende leichte und reine italienische Kreide; dient zum Polieren der Gold- und Silberwaren.

Bologneser Leuchtstein (bononischer Leuchtstein), s. Baryumsulfuret.

Bologneser Spat (Bologneser Stein), stängeliger oder faseriger Schwerspat vom Monte Paderno bei Bologna.

Bolometer (griech., "Strahlungsmesser"), von Langley konstruiertes Instrument, welches als Ersatz der Thermosäule dienen soll, besteht aus einer sogen. Wheatstoneschen Brücke, in deren beide Zweige je eine Anzahl (etwa 20) äußerst dünner Streifen aus Stahl, Platin, Palladium etc. eingeschaltet sind. Beide Streifensysteme sind so in einen Hohlcylinder eingeschlossen, daß nur das eine von einfallenden Wärmestrahlen getroffen werden kann. Sobald nun eine Bestrahlung der einen Streifenpartie eintritt, erwärmt sich dieselbe und vermehrt demzufolge ihren Leitungswiderstand. Das in die Brücke eingeschaltete Galvanometer wird also infolge der Verschiedenheit der Stromstärken in den beiden Zweigen der Leitung ausschlagen und dadurch eine Messung der stattgehabten Erwärmung ermöglichen. Das Instrument ist äußerst empfindlich, so daß eine Temperaturveränderung von 1/100000 Grad noch wahrgenommen wird.

Bolor Tagh ("blaues Gebirge", bei den Chinesen Tsungling, "Zwiebelpässe"), Name, der von den Anwohnern der Ebene den unbewohnten, unwirtlichen Hochthälern beigelegt wird, die am Westrand Zentralasiens, östlich von der Kisiljart- und Pamirkette begrenzt, den Raum zwischen den Gebirgssystemen des Himalaja im S. und des Thianschan im N. ausfüllen. Er scheidet die Stromgebiete des Jarkandflusses und des Amu Darja (Oxus). Hohe Pässe führen über dieses Gebirge auf das Wüstenplateau der Pamir. Unter den Hochgipfeln fällt am meisten auf der Taghalma, 79 km südwestlich von Janghissar, von 7617 m Höhe. Die Arier hatten ihre Ursitze zu beiden Seiten dieser von Nomadenvölkern noch heute abgeweideten Hochthäler. Die Gegend wurde 1879 von dem Engländer Trotter bereist.

Bolschoi Liman, Steppensee im europ. Rußland, auf der Grenze zwischen Kaukasien und dem Lande der Donischen Kosaken, wird vom Fluß Manytsch (s. d.) durchströmt.

Bolsec, Hieronymus, Gegner Calvins, war früher Karmelitermönch in Paris gewesen, studierte zu Genf Medizin, trat daselbst 1551 öffentlich als Bestreiter der von Calvin vorgetragenen Prädestinationslehre auf, worauf er eingekerkert und aus Genf verwiesen wurde. Als ihm bei seiner Rückkehr nach Frankreich der Eintritt in die protestantische Geistlichkeit verwehrt wurde, trat er zur katholischen Kirche zurück und rächte sich an Calvin durch seine die krassesten Verleumdungen enthaltende Schrift "Histoire de la vie de Jean Calvin" (Par. 1577). S. Calvin.

Bolsena, Marktflecken in der ital. Provinz Rom, Kreis Viterbo, an der Nordseite des gleichnamigen Sees, ist das Volsinii novi des Altertums (s. Volsinii), das nach Zerstörung des ältern Volsinii 280 v. Chr. von den Römern am Lacus Volsiniensis angelegt wurde, hat Reste eines Amphitheaters, zu dem eine mit Polygonen besetzte antike Straße führt, eines Tempels und andre alte Baureste, eine Kirche, Santa Cristina, in welcher das von Raffael ("Messe von B.") verewigte Wunder der blutenden Hostie stattgefunden haben soll, und zählt (1881) 2214 Einw. Der See von B. (Lago di Bolsena, sonst Lacus Volsiniensis, Vulsinus), 303 m hoch gelegen, der schönste und größte der nördlich von Rom gelegenen, wahrscheinlich vulkanische Senkungsfelder oder eingestürzte Krater füllenden Seen, hat einen Umfang von 37 km und ist von hoch ansteigenden Ufern umgeben. Er ist sehr fischreich und steht durch den Fluß Marta mit dem Mittelländischen Meer in Verbindung. In ihm erheben sich die beiden Inseln Bisentina, mit den Ruinen der Lustsitze der Farnese, und Martana, auf welcher Theodat seine Gemahlin Amalasuntha, die Tochter Theoderichs, 534 ermorden ließ.

Bolson de Mapimi, ein wüster Landstrich im nördlichen Mexiko, in den Staaten Cohahuila und Chihuahua, bildet eine ausgedehnte, fast nur von unbezwungenen Indianern bewohnte, 1100-1200 m hoch gelegene Einsenkung des Plateaus zwischen der Sierra Verde und dem Rio Grande del Norte, enthält zahlreiche Seen, z. B. die Laguna del Cayman, Laguna de Aqua Verde u. a., und ist von steilen, von tiefen Canons durchfurchten, erzreichen Kalkgebirgsketten umgeben.

Bolsward, alte, früher sehr bedeutende Stadt in der niederländ. Provinz Friesland, 24 km südwestlich von Leeuwarden, hat eine schöne gotische Martinikirche mit Grabmälern der ältesten friesischen Grafen sowie des friesischen Volksdichters Gysbert Jacobsz (gest. 1666) und (1883) 5939 Einw., Leinen- und Wollenindustrie, Ziegeleien, Butter-, Käse- und Viehhandel. B. war ehedem befestigt und gehörte zu den Hansestädten.

Bolswert, 1) Boetius a, niederländ. Kupferstecher, geboren um 1580 zu Bolswert in Friesland, hielt sich zuerst in Holland auf und ging 1619 nach Antwerpen, wo er 1620 Meister wurde. B. wurde in Antwerpen durch den Einfluß Rubens', nach welchem er mehrere Stiche ausführte, zu größerer und breiterer Auffassung der Formen gebracht, mit der er immer eine bestimmte und saubere Zeichnung verband. Er starb 1633 in Brüssel.

2) Schelte a, niederländ. Kupferstecher, jüngerer Bruder des vorigen, geboren um 1586, trat 1625 oder 1626 in die Antwerpener Gilde und starb daselbst im Dezember 1659. Unter Rubens' Leitung bildete er sich zu dem größten Stecher der vlämischen Schule aus, welcher die malerische Kraft, die Kühnheit und die Größe jenes ebenso gut wiederzugeben wußte wie die weiche Anmut und Zartheit van Dycks. In der Abstufung von Licht und Schatten, welche besonders den Stichen nach Landschaften zu gute kam, hatte er eine außerordentliche Virtuosität erreicht. Vgl. Hymans, Histoire de la gravure dans l'école de Rubens (Brüssel 1879).

Bölte, Amely, Romanschriftstellerin, geb. 6. Okt. 1814 zu Rehna in Mecklenburg-Schwerin als die Tochter des dortigen Bürgermeisters, wurde nach dem Tod ihres Vaters, kaum 17 Jahre alt, Erzieherin auf einem adligen Gut und begab sich später (1839) nach England, wo sie eifrig Englisch studierte und auch für deutsche Zeitschriften litterarisch thätig war. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland (1852) ließ sie sich in Dresden, später in Wiesbaden nieder. B. begann als verständige Schriftstellerin von gesunder Lebensauffassung und guter Beobachtungsgabe. Ihren Ruf begründete sie mit den "Erzählungen aus der Mappe einer Deutschen in London" (Leipz. 1848) und dem