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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bona pace; Bonanza; Bonap.; Bonaparte

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Bonanza - Bonaparte.

les derniers temps" (Par. 1802, 5. Aufl. 1857); "Recherches philosophiques sur les premiers objets des connaissances morales" (das. 1818, 2 Bde.; neue Ausg. 1853); "Mélanges littéraires, politiques et philosophiques" (das. 1819, 2 Bde.; 3. Aufl. des 1. Bandes 1852). Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien Paris 1859, 3 Bde. Vgl. die Schrift seines Sohns Victor de B. (geb. 1780, gest. 1871): "De la vie et des écrits du vicomte de B." (2. Aufl. 1853).

2) Louis Jacques Maurice de, Kardinal und Erzbischof von Lyon, Sohn des vorigen, geb. 30. Okt. 1787 zu Milhaud, ward 1817 Generalvikar von Chartres, dann Verweser und Koadjutor des Kardinals Fesch als Erzbischof von Lyon, 1823 Bischof von Puy, 1839 Erzbischof von Lyon und Primas von Gallien, 1841 Kardinal. Als eifriger Vertreter des Ultramontanismus bekämpfte er in erster Reihe das von ihm als unchristlich verdammte Unterrichtswesen des Staats, erließ in diesem Sinn mehrere Hirtenbriefe und nahm den lebhaftesten Anteil an den Demonstrationen des französischen Klerus gegen die Universität und für die Jesuiten. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 in den Senat berufen, starb er 25. Febr. 1870. Vgl. Beaumont, Esprit de Mgr. de B. (1870).

Bonanza (span., "großes Glück, schönes Wetter"), ein bei Entdeckung der reichen Silberminen in Nevada 1874 in Anwendung gekommener Ausdruck, mit dem man einen reichen Fund bezeichnete. Daher "Bonanzaprinz", ein durch Glück reich gewordener Minenbesitzer.

Bonap., bei zoolog. Namen Abkürzung für C. L. Bonaparte (s. Bonaparte 2 c).

Bona pace (lat.), in (gutem) Frieden, in guter Ruhe, unbekümmert.

Bonaparte (Buonaparte), Name der corsischen Familie, welcher der Kaiser Napoleon I. und die Napoleoniden entstammten. Der Name findet sich schon seit dem 13. Jahrh. in Italien, namentlich zu Florenz, Treviso, San Miniato, Sarzano und Genua. Ein Jacopo B., toscanischer Edelmann aus der ersten Hälfte des 16. Jahrh., wird als der Verfasser des Werks "Ragguaglio storico di tutto l'accorso giorno per giorno nel sacco di Roma dell' anno 1527" (angeblich Köln 1750; franz., Par. 1809; von Ludwig B. hrsg., Flor. 1830) genannt; ein Niccolò B., Edelmann und Professor zu San Miniato aus derselben Zeit, soll die Komödie "La vedova" (das. 1592, Par. 1803) verfaßt haben. Ein Zusammenhang der verschiedenen Familien B. ist nicht erwiesen. Gewiß ist nur, daß ein Zweig der toscanischen B. im Anfang des 16. Jahrh. nach Ajaccio auf Corsica übersiedelte, wo die B. bereits gegen die Mitte des 16. Jahrh. als Padri del commune oder als Cittadini, d. h. als Patrizier der Stadt, bezeichnet werden. Im 18. Jahrh. repräsentierten drei männliche Glieder die Familie B. in Ajaccio: der Archidiakonus Lucian B., dessen Bruder Napoleon B. und beider Neffe Carlo B., der Vater Napoleons I. Litteratur über die Familie B.: "La storia genealogica della famiglia B." (Flor. 1847); Stefani und Baretta, Le antichità dei B. (Vened. 1857); Stefani, Origine des B. (Turin 1859); Wouters, Les B. depuis 1815 (Par. 1847); Ambrosini und Huard, La famille impériale, etc. (das. 1860); Leynadier, Histoire de la famille B. (das. 1866); Kleinschmidt, Die Eltern und Geschwister Napoleons I. (Berl. 1878); Du Casse, Les rois frères de Napoleon I (Par. 1883). Monographien über einzelne Glieder der Familie sind bei diesen angegeben. Über Napoleon I. Bonaparte s. Napoleon 1).

Die Eltern Napoleons I.

Carlo B., geb. 29. März 1746 zu Ajaccio, genoß als einziger Stammhalter der Familie eine sorgfältige Erziehung, begann seine Studien in Rom und widmete sich dann zu Pisa der Rechtswissenschaft. Bald nach seiner Rückkehr verheiratete er sich 1767 mit der schönen Patriziertochter Lätitia Ramolino. Im J. 1768 nahm er am Kampfe für Corsicas Unabhängigkeit gegen Frankreich unter General Paoli teil und erklärte sich erst dann für Frankreich, als jeder weitere Widerstand unmöglich war. Die Familie B. wurde sodann von Ludwig XV. in den corsischen Adel aufgenommen. Im J. 1773 ward B. durch die Gunst des französischen Gouverneurs Marboeuf königlicher Rat und Assessor der Stadt und Provinz Ajaccio, und 1777 ging er als Mitglied der Deputation des corsischen Adels nach Paris. Im J. 1781 trat er in den Rat der zwölf Edlen von Corsica und hielt sich dann mehrere Jahre in Paris auf, wo er seinem Sohne Napoleon B. eine Freistelle in der Militärschule zu Brienne erwirkte. Er starb 24. Febr. 1785 in Montpellier, wo er Heilung vom Magenkrebs gesucht hatte. Seine Gattin, die Mutter Napoleons I., Maria Lätitia Ramolino, war 24. Aug. 1750 zu Ajaccio aus einem Patriziergeschlecht geboren und zeichnete sich durch seltene Schönheit, gepaart mit großer Würde und Hoheit, natürlichen Verstand und Charakterfestigkeit aus. Ihre ganze Gestalt erinnerte an eine Römerin aus der Zeit der Republik. Die ersten Jahre ihrer Ehe widmete sie der Erziehung ihrer Kinder. Als sich die Engländer 1793 Corsicas bemächtigten, flüchtete sie nach Marseille, lebte dort in ärmlichen Verhältnissen von einer französischen Pension, kam nach dem 18. Brumaire nach Paris, führte nach der Thronbesteigung Napoleons I. den Titel "Madame mère", erhielt, obgleich persönlich allem Glanz abgeneigt, einen Hofstaat und wurde zur obersten Beschützerin aller Wohlthätigkeitsanstalten des Reichs ernannt. Mit patriarchalischer Würde lebte sie als Oberhaupt der Familie und ließ sich namentlich die Erhaltung eines guten Einvernehmens zwischen dem Kaiser und seinen Brüdern angelegen sein. Im J. 1814 teilte sie mit ihrer Tochter Pauline Napoleons Exil auf Elba, und nach dem unglücklichen Ausgang der Hundert Tage zog sie nach Rom, wo sie bei ihrem Stiefbruder, dem Kardinal Fesch, nur von einigen ihrer Kinder oder Enkel umgeben, von den Kirchenhäuptern hoch in Ehren gehalten, einfach und zurückgezogen lebte. Durch den Bruch eines Schenkels und Erblindung ans Zimmer gefesselt, starb sie 2. Febr. 1836 in Rom. Vgl. F. Arndt, Maria Lätitia B. (Leipz. 1875). Aus ihrer Ehe mit Carlo B. waren acht Kinder, fünf Söhne und drei Töchter, hervorgegangen. Successionsrechte auf den französischen Thron erhielten durch den Senatsbeschluß vom 26. Nov. 1804 (5. Frimaire XII) außer Napoleon I. nur dessen beide Brüder Joseph und Ludwig mit ihren Nachkommen; Lucian und Hieronymus hatte der Kaiser ausgeschlossen, weil diese damals nicht standesmäßig verheiratet waren.

Die Brüder Napoleons I. und ihre Nachkommen.

1) Joseph B., der älteste Sohn des vorigen, geb. 7. Jan. 1768 zu Corte auf Corsica, erhielt seine Bildung im Seminar zu Autun und wollte in die Armee treten, als ihn der Tod des Vaters 1785 nach Corsica zurückrief. Im J. 1793 ging er mit seiner Familie nach Marseille und bereitete sich für den Advokatenberuf vor. Im J. 1796 ward er in Corsica in