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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bon sens; Bon ton; Bons du trésor; Bons hommes; Bonstetten; Bonten; Bontoux; Bonum; Bonus; Bonus Eventus

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Bons du trésor - Bonus Eventus.

Seine Haft war übrigens eine leidliche gewesen, denn er hatte anfangs in einer kleinen Feste als Militärarzt gelebt, war später bei der Anlage eines Handelswegs nach Peru thätig gewesen und durfte auch in beschränktem Umkreis botanische Exkursionen ausführen. Nach seiner Freilassung bewohnte er einen brasilischen Ort, südlich von der Mündung des Piratini, nicht weit vom Lucaspaß. Von dort zog er auf eine erkaufte Besitzung bei Santa Borja am Uruguay, wo er eine Menge der nützlichsten Gewächse, besonders Orangenbäume, pflanzte und nach und nach eine Schafherde zog, unter der die edelsten Merinos waren. Im J. 1832 hegte er den Plan, mit seinen Sammlungen nach Europa zurückzukehren; aber 1840 schrieb er an Humboldt, er hoffe nun, nach Dr. Francias Tod, seine Forschungen in Paraguay fortsetzen zu können. Um 1850 siedelte er nach Corrientes über, wo er ein Gut, Santa Anna genannt, besaß, welches dieser Staat ihm für die Verdienste schenkte, die er sich bei der Gründung eines Museums in der Hauptstadt der Republik erworben hatte. Mit umfassenden Plänen beschäftigt, die er wegen Geldmangels nicht ausführen konnte, geriet er in große Dürftigkeit und starb 4. Mai 1858. Vgl. Brunel, Biographie d'Aimé B. (3. Aufl., Par. 1872), und die Biographie A. v. Humboldts von Bruhns u. a. (Leipz. 1872).

Bons du trésor (franz., spr. bong du), s. Bon.

Bon sens (franz., spr. bong ssang), gesunder Menschenverstand, Mutterwitz.

Bons hommes (spr. bong-somm), s. Boni homines.

Bonstetten, Karl Viktor von, Schriftsteller, geb. 3. Sept. 1745 zu Bern, ward in Yverdun, dann in Genf erzogen, studierte zu Leiden, Cambridge und Paris, bereiste Italien und ließ sich hierauf in der Schweiz nieder. Im J. 1775 ward er Mitglied des Großen Rats von Bern, dann Landvogt zu Sarnen, 1787 in Nyon (wo er der Gastfreund von Salis, Matthisson, Friederike Brun, Johannes v. Müller u. a. war) und später Oberrichter in Lugano. Im J. 1796 zog er vor der Revolution sich erst nach Italien und von da nach Kopenhagen zurück, wo er bis 1801 der Gast seiner Freundin Friederike Brun blieb. Nach seiner 1802 erfolgten Rückkehr wählte er Genf zum Aufenthaltsort, wo er allgemein verehrt 3. Febr. 1832 starb. Die vorzüglichsten seiner Werke sind: "Briefe über ein schweizerisches Hirtenland" (Bas. 1782); "Kleine Schriften" (Kopenh. 1799-1801, 4 Bde.); "Über Nationalbildung" (Zür. 1802, 2 Bde.); "Voyage sur la scène des dix derniers livres de l'Énéide", mit topographische Untersuchungen über die zunehmende Verödung der Campagna von Rom (1805; neue Ausg., Genf 1862; deutsch bearbeitet von Schelle, Leipz. 1806, 2 Bde.); "Recherches sur la nature et les lois de l'imagination" (Genf 1807, 2 Bde.); "Pensées diverses sur divers objets du bien public" (das. 1815); "Études de l'homme, ou recherches sur les facultés de sentir et de penser" (das. 1821, 2 Bde.; deutsch von Gfrörer u. d. T.: "Philosophie der Erfahrung, oder Untersuchung über den Menschen und seine Vermögen", Stuttg. 1828, 2 Bde.); "L'homme du Midi et l'homme du Nord", Untersuchungen über den Einfluß des Klimas (Genf 1824; deutsch, Leipz. 1825); "La Scandinavie et les Alpes" (1826; deutsch, Kiel 1827) und "Souvenirs, écrits en 1831" (2. Ausg., Zür. 1833). Aus seiner Korrespondenz erschienen die "Briefe an Matthisson" (Zür. 1827) und "Briefe an Friederike Brun" (hrsg. von Matthisson, Frankf. 1829, 2 Bde.). Vgl. Steinlen, Ch. Victor de B. (Laus. 1860); Morell, Karl von B. (Winterth. 1861).

Bonten, s. Matrosenleinen.

Bon ton (franz., spr. bong tong), "guter Ton", feine Lebensart.

Bontoux (spr. bongtuh), Eugène, franz. Finanzmann, geb. 1824, besuchte die polytechnische Schule zu Paris, war bei mehreren Eisenbahnen beschäftigt, ward dann nach Österreich in die Leitung der Staatsbahn berufen und bald zum Generaldirektor der Südbahn ernannt. Nebenbei betrieb er mit Rothschildschem Geld gewagte Spekulationen, errichtete in Österreich und Frankreich mehrere Fabriken und baute Eisenbahnen. Nachdem er 1873 den größten Teil seines Vermögens verloren und sich mit Rothschild verfeindet hatte, schied er aus seiner Stellung als Generaldirektor der Südbahn aus und gründete 1880 mit den Geldern der Legitimisten und Klerikalen die Union générale in Paris, welche anfangs glänzende Geschäfte machte, sich mit der Österreichischen Länderbank verband und den Bau mehrerer ungarischer und der serbischen Bahnen übernahm. Im Wettkampf mit Rothschild brachte B. diesem Gegner 1881 große Verluste bei, eine zweite Kontermine Anfang 1882 mißlang aber, und die Union générale fallierte. B. wurde 1883 zu Gefängnis verurteilt.

Bonum (lat.), das Gute, das Gut, Wohl etc.; cui bono, zu welchem Zweck, wozu? Summum b., das höchste Gut; b. avitum, Stammgut; b. naturale. Naturgabe; b. publicum, Staatswohl, -gut; pro bono publico, für das allgemeine Wohl. Mehrzahl bona, z. B. bona acquisita, erworbene Güter; b. adventitia, hinzugekommene Güter; b. allodialia, Allode; b. caduca, Heimfallsgüter; b. castrensia, im Feld erworbene Güter; b. communitatis, Gemeindegüter; b. devoluta, heimgefallene Güter; b. domanialia. Domanialgüter; b. dotalia, Mitgift; b. emphyteutica. Erbzinsgüter; b. ereptitia, Güter, die der Staat an sich gerissen hat; b. feudalia, Lehnsgüter; b. gentilitia, Stammgüter; b. hereditaria, Erbgüter; b. illata, eingebrachte Güter; b. immobilia, unbewegliche, liegende Güter; b. indivisa, indivisibilia, ungeteilte, unteilbare Güter; b. litigiosa, streitige Güter; b. locata, verpachtete Güter; b. materna, mütterliche Güter; b. mensalia, Tafelgüter; b. minorum, Güter Minderjähriger Mündelgüter; b. mobilia, fahrende Habe; b. paraphernalia, Güter, welche die Frau außer dem Eingebrachten besitzt; b. parochialia, Pfarrgüter; b. paterna, väterliche Güter; b. pignoratitia. Pfandgüter; b. publicata, vom Staat eingezogene Güter; b. rapta, geraubte Güter; b. receptitia, Güter, welche die Frau für sich behält; b. vacantia, herrenlose Güter.

Bonus (lat., "gut"), in England Bezeichnung der bei Finanzoperationen und Aktienunternehmungen erzielten Prämien und Extradividenden, insbesondere des Gewinns, welchen bei der Emission von Anlehen derjenige macht, welcher die zu begebenden Papiere zu geringerm Kurs übernimmt, um sie bei dem Publikum unterzubringen (vgl. Staatsschulden); dann auch der nach dem Reingewinn bemessene Lohnteil, welchen der Arbeiter bei dem Gewinnbeteiligungssystem erhält, insbesondere als Gegensatz zum Zins und zur Dividende, welche auf das Kapital entfallen (vgl. Arbeitslohn).

Bonus Eventus, ein Gott der Römer (der Griechen "guter Dämon"), die Personifikation des Gedeihens der Feldfrüchte, dann aber jeder günstigen Fügung und Wendung des Lebens; abgebildet mit einer Schale in der rechten, Ähren und Mohn in der linken Hand. In der Kaiserzeit hatte er einen Tempel auf dem Marsfeld zu Rom, in der Nähe der Thermen des Agrippa (Panthéon).